Dr. Agneta Paul (Bild) ist Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychia­trie/Psychosomatik und Psychotherapie im Oldenburger Klinikum.

Führen Gewalterfahrungen bei Kindern oft zu psychischen Störungen?

PaulDie Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung zu entwickeln, ist für ein misshandeltes Kind um das Zwölffache erhöht. Es gibt kaum etwas, was die psychische Gesundheit und das psychosoziale Funktionsniveau von Kindern und Jugendlichen stärker gefährdet als traumatische Lebensereignisse. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland etwa zehn Prozent aller Kinder Zeugen familiärer Gewalt sind.

Sind die psychischen Gewalt-Folgen schlimmer als ein blauer Fleck?

PaulKinder und Jugendliche können sowohl körperliche wie auch psychische Traumata erleben. Die Folgen eines psychischen Traumas können sehr schwerwiegend sein und umfassen neben Leid- und Angstgefühlen oft auch tiefgehende psychische Störungen. Die Folgen einer Traumatisierung können sich etwa im Denken, Verhalten und den Gefühlen sowie mit körperlichen Symptomen der betroffenen Kinder und Jugendlichen ausdrücken.

Wann ist eine stationäre Behandlung nötig?

PaulStationär werden schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche vor allem dann behandelt, wenn keine Stabilisierung im häuslichen Milieu möglich ist. Das Gleiche gilt, wenn massive Traumafolgestörungen feststellbar sind sowie für Patienten, bei denen die ambulante Maßnahme nicht ausreicht oder ausgeschöpft ist. Auch bei einer akuten Gefährdung kann eine stationäre Behandlung nötig sein.