[/AUTOR] - Jährlich werden in Deutschland rund 120 000 Patienten an der Schilddrüse operiert. Dazu unterziehen sich etwa 60 000 Betroffene einer medikamentösen Radiojod-Therapie, bei der zwar keine OP, aber ein fünf bis zehn Tage dauernder Klinikaufenthalt in Quarantäne notwendig ist.

„Mit einer besseren Früherkennung könnten viele Eingriffe verhindert werden“, betont der Nuklearmediziner Dr. Günther Klaushenke. In seinen Gemeinschaftspraxen in Cloppenburg und Oldenburg kann er Schilddrüsenerkrankungen nach einer kurzen Untersuchung auf die Spur kommen. Die im Volksmund als Kropf bekannte krankhaft vergrößerte Schilddrüse lässt sich dabei ebenso gut lokalisieren, wie die für eine Überfunktion verantwortlichen Knoten, die sich mit einem geübten Griff ertasten lassen.

Wenn der Patient auch über typische Symptome wie Nervosität, Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit oder Haarausfall klagt, ist die Sache klar. Im Rahmen der Diagnostik folgt neben einer Blut- und einer Ultraschalluntersuchung ein sogenanntes Szintigramm, bei dem der Befund mit einer Kamera genau „durchleuchtet“ wird.

Erst danach wissen die Ärzte, welche Art der Erkrankung vorliegt. Kalte Knoten an der meistens direkt vor der Luftröhre und unterhalb des Kehlkopfes befindlichen Schilddrüse seien ein sicherer Hinweis für eine gutartige Cyste oder einen Tumor. Bei der Diagnose „Krebs“ sei immer ein Eingriff notwendig, betont der Chefarzt für Viszeralchirurgie am Cloppenburger St. Josefs-Hospital, Dr. Hendrik Faust: „Die Erfolgsquote bei Schilddrüsen-Krebs ist aber sogar im fortgeschrittenen Stadium sehr hoch.“ Die bei der Krebs-OP häufig notwendige Komplett-Entfernung der Schilddrüse müsse dank der modernen Behandlungstechnik nicht zu nennenswerten Beeinträchtigungen führen. Die für fast alle Körperorgane von der Schilddrüse gesteuerte Hormonversorgung könne auch von Medikamenten übernommen werden.

Die deutlich häufigeren heißen Knoten seien auch ein Ergebnis des im heutigen Fast-Food-Zeitalters weit verbreiteten Jodmangels. Um die Versorgung auszugleichen, fahre die im Körper für die Hormonsteuerung zuständige Schilddrüse unentwegt „Überstunden“, erklärt Dr. Faust. Als Folge können die heißen Knoten entstehen, mit denen die Schilddrüse an 24 Stunden am Tag viel mehr Hormone produziert, als dem Körper gut tun.

Eine frühzeitig erkannte Überfunktion kann mit einer jodreichen Ernährung sowie hormonregulierenden Medikamenten gut behandelt werden, sind sich Dr. Klaushenke und Dr. Faust einig. Wenn es dafür zu spät ist, komme eine Radiojod-Behandlung (siehe auch nebenstehendes Interview) oder eine Operation in Frage, bei der die krankhaft veränderten Teile der Schilddrüse entfernt werden. Der 45 bis 120 Minuten dauernde Eingriff erfolge unter Vollnarkose und führe in den meisten Fällen sehr schnell zu einer sehr deutlichen Besserung. Die Patienten könnten die Klinik meist nach drei bis fünf Tagen wieder verlassen. Probleme gebe es nur, wenn man die verordneten Medikamente nicht einnehme.