Bad Zwischenahn - Cannabis ist nach Einschätzung von Fachgesellschaften keineswegs eine harmlose Droge. Bei vielen Jugendlichen bleibt es nicht beim einmaligen Ausprobieren. Aus einem gelegentlichen Kiffen bei einer Party oder im Freundeskreis entwickelt sich nicht selten eine Abhängigkeit, bei der die Erwartung des nächsten Joints den Tag bestimmt. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich ein regelmäßiger Cannabis-Konsum vor allem bei Jugendlichen schädlich auf die geistige und soziale Entwicklung auswirkt.
Der Grund ist, dass ein in jungen Jahren noch nicht komplett ausgereiftes Gehirn besonders empfindlich auf die in der vermeintlich sanften Droge enthaltenen Wirkstoffe reagiert. Als Folgen stellen sich neben einem Gewöhnungsprozess sowie einer nachlassenden Konzentrations- und Leistungsfähigkeit mittel- und langfristig häufig auch psychische Folgestörungen wie Psychosen, Depressionen oder Wahnstörungen ein.
Der Körper sorgt mit einer eigenen Produktion auf natürliche Weise selbst dafür, dass im Alltag eintretende Stimmungsschwankungen vom Gehirn reguliert und in verträglichen Grenzen gehalten werden. Bei einer Cannabis-Zufuhr von außen wird diese Wirkung künstlich erzeugt und gegenüber der natürlichen Produktion um ein Vielfaches erhöht. Als Folge kommt es zu einer unkontrollierten Überdosierung mit negativen Auswirkungen auf zahlreiche Hirnfunktionen und mitunter bleibenden Schäden. Als Effekt stellt sich anstelle der natürlichen beruhigenden Wirkung ein unnatürlicher, mit Risiken behafteter Rausch ein.
Folgeschäden möglich
„Insbesondere, wenn die Wachstumsphase noch nicht abgeschlossen ist, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Folgeschäden für das Gehirn“, erklärt Dr. Ulrike Matthiensen, Leitende Ärztin der Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie in der Karl-Jaspers-Klinik Bad Zwischenahn. Sie beobachtet bei immer mehr jüngeren Menschen einen problematischen Cannabis-Konsum, der eine psychiatrische Behandlung erforderlich macht. Auch die Zahl der Akut-Fälle mit gefährlichen Drogen-bedingten Reaktionen und Folgewirkungen steige seit Jahren erheblich an.
Cannabis ist hier längst nicht das einzige Problem. Immer weiter verbreitet sind auch sogenannte Partydrogen, die oft aus sehr unterschiedlichen Substanzen zusammengesetzt sind und eine entsprechend unkontrollierbare Wirkung haben, berichtet Dr. Ulrike Matthiensen: „Bei uns werden immer mehr junge Leute eingeliefert, die nach der Einnahme eines unbekannten Drogenmixes völlig ausgerastet sind.“ Nicht wenige werden von der Polizei in Handschellen gebracht, da sie eine Gefahr für sich selbst und andere sind.
Zurück in die Realität
In diesen Fällen kommt es bei der medizinischen Betreuung als Erstes darauf an, die eingenommenen Substanzen und ihre Wirkung zu identifizieren sowie bleibende Schäden und eine Lebensgefahr abzuwenden. Dafür ist es wichtig, den Betroffenen so gut es geht mit Zuspruch sowie geeigneten Medikamenten zur Ruhe und zurück in die Realität zu bringen. Bis es so weit ist, bleiben die Patienten zu ihrem eigenen Schutz in der Regel in einer geschlossenen Station der Klinik. Sobald die Störungen überstanden sind, kann die Akut-Behandlung beendet werden. Der Patient kann nach Haus zurückkehren oder auf eigenen Wunsch eine stationäre Entgiftung und Entwöhnung starten.
