BAD ZWISCHENAHN - Dank moderner Operationstechniken und eines verbesserten Prothesendesigns ist der Gelenkersatz für geschulte Operateure ein Routineeingriff, betont der Orthopäde und Leitende Oberarzt des Ambulanten Reha-Zentrums am Meer in Bad Zwischenahn, Dr. Werner Runde. Die Zahl der Knieprothesenoperationen nehme – vor allem aus demografischen Gründen – stetig zu. Bundesweit gebe es pro Jahr etwa 100 000 Eingriffe.
Der Einbau eines künstlichen Kniegelenks sollte allerdings die letzte Option sein, so Dr. Runde. Zunächst sollte man stets versuchen, dem Patienten ein Leben mit dem eigenen Kniegelenk zu ermöglichen. Wenn vorgeschaltete Therapiemöglichkeiten wie etwa der dosierte Einsatz von Schmerzmedikamenten, gezielte Physiotherapie, eine Arthroskopie zum Entfernen von freien Gelenkkörpern oder eine Gelenk-Umstellung zur Knorpelentlastung ausgereizt seien, könne die Prothese die einzige Alternative sein, die dem Patienten Aussicht auf Besserung gebe.
Fast wie ein Originalgelenk
„Zu lange warten sollte man mit der Entscheidung für die Knieprothese nicht“, betont Dr. Runde. Das gelte vor allem für Patienten, die schon lange Zeit unter heftigen Kniebeschwerden leiden. Der Eingriff selbst sei zumeist schon nach gut einer Stunde abgeschlossen. Die Prothesen seien inzwischen so hochwertig, dass sie die wesentlichen Funktionen des Kniegelenks – Beugungen, Streckungen und Drehungen – fast so gut ermöglichen könnten, wie ein gesundes Originalgelenk.
Die Rückkehr in den Beruf sei im Durchschnitt etwa drei Monate nach der Operation möglich. Auch auf Sport müssen Knieprothesenträger nicht verzichten. Im Gegenteil: Körperliche Aktivitäten wie Radfahren, Walken, Schwimmen oder Skilanglauf würden die knieummantelnde Muskulatur stärken und somit das Kniegelenk schützen. Ungünstig seien aber Sportarten mit raschen Richtungswechseln wie Tennis oder Squash. Auch im Beruf sei eine zu starke Belastung des Knies schädlich.
In die als Reha bekannte, sogenannte Anschlussheilbehandlung werden die Patienten im Schnitt knappe zwei Wochen nach der Operation überwiesen. Eine erste Mobilisation des operierten Gelenks erfolge zumeist schon einen Tag nach dem Eingriff in der Klinik. Die Reha baue darauf auf und habe stets das Ziel, dem Patienten eine Vollbelastung des Knies zu ermöglichen. Dazu gehöre vor allem, dass man sich an das neue Gelenk gewöhne und sich die im Alltag üblichen Bewegungen wieder zutraue, berichtet Dr. Runde: „Viele Patienten konnten zum Beispiel keine Treppen mehr steigen. In der Reha-Zeit lernen sie das im wahrsten Sinne des Wortes wieder selbst anzugehen.“
Individueller Therapieplan
Die je nach Gesamtkonstitution des Patienten ambulant oder stationär durchgeführte Anschlussheilbehandlung dauert in der Regel zwischen 17 und 21 Tage. Im Bad Zwischenahner Reha-Zentrum am Meer werden pro Jahr zwischen 1500 und 1800 Patienten mit einer frisch operierten Knieprothese für ein möglichst beschwerdefreies Leben mit dem Gelenkersatz vorbereitet. Die Reha beginnt dort stets mit einer Untersuchung beim Fach- und beim Stationsarzt, die für jeden Patienten einen individuellen Therapieplan festlegen.
Die Behandlungspalette reiche von Physio- und Wassertherapie sowie medizinischer Trainingstherapie bis zur Gangschule und Sturzprophylaxe. So könne der Patient lernen, in einem eigens angelegten Gehparcours mit kleinen Stufen und Hügeln mit den Gegebenheiten des Alltags zurechtzukommen.
Am Ende der Reha müsse das Behandlungsziel erreicht sein. Wenn es medizinisch nötig sei, könne eine Verlängerung erfolgen, die von dem jeweiligen Versicherungsträger gezahlt werde. Anschließend sei die Therapie nicht vorbei, betont Dr. Runde: „Um mit dem künstlichen Kniegelenk selbstständig und ohne Funktionseinschränkung durchs Leben gehen zu können, muss der Patient auch selbst eine Menge für sich tun.“
