BAD ZWISCHENAHN - „Die Naturheilkunde trägt in vielen Fällen dazu bei, dass die Patienten wieder auf die Beine kommen und Mut zum Weiterleben gewinnen,“ so der Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie, Dr. Timm Dauelsberg. Er verweist insbesondere in der Reha-Phase auf „sehr gute Erfolge“. Die breite Palette „alternativer“ Behandlungsmöglichkeiten von Akupunktur bis Bewegungstraining oder Entspannungsübungen ist für den Chefarzt der Klinik für onkologische Rehabilitation im Bad Zwischenahner Reha-Zentrum am Meer ein wichtiger Bestandteil der Reha. Die Nachfrage der Patienten nach einer begleitenden Therapie jenseits der Schulmedizin sei groß.

In der Bad Zwischenahner Klinik für onkologische Rehabilitation werden täglich rund 40 Patienten mit einem individuell auf ihre Erkrankung abgestimmten Programm behandelt. Die drei- bis vierwöchige Reha werde den Patienten als Anschlussheilbehandlung nach einer Krebs-Operation, einer Bestrahlungs- oder einer Chemotherapie verordnet. Die Krebsarten seien ebenso unterschiedlich wie die Heilungsmöglichkeiten, berichtet Dr. Dauelsberg. Eines beobachte er aber sehr häufig: „Viele Patienten sind zu Beginn der Reha – nach einer körperlich und psychisch oft sehr belastenden schulmedizinischen Behandlung – am Ende ihrer Kraft.“

Die durch Verfahren aus der Naturheilkunde ergänzte Rehabilitation sei für diese Patienten oft der erste Schritt zurück in ein normales Leben. Dr. Dauelsberg: „Für eine ganzheitliche, am Menschen orientierte Krebs-Behandlung reicht es nicht aus, nur den Tumor wegzunehmen und den Betroffenen dann allein zu lassen. Wer zum Beispiel von einem chronischen Krebsleiden betroffen ist, muss erst lernen, mit dieser Erkenntnis leben zu können.“

Ganz konkret bewähre sich die Naturheilmedizin etwa in der Schmerztherapie, der Ernährungsumstellung und bei der Behandlung von Übelkeitsattacken, die Krebs-Patienten insbesondere nach einer Chemotherapie häufig über einen längeren Zeitraum begleiten würden. Gegen heftige Magen-Darmprobleme mit Erbrechen könne zum Beispiel ein kleiner „Pieks“ an der genau richtigen Stelle – dem Akupunktur-Punkt Perikard 6 – zwischen Ballen und Handgelenk helfen. „Die positive Wirkung stellt sich meistens sehr schnell ein“, berichtet der selbst in Akupunktur ausgebildete Chefarzt.

Entscheidend für den Erfolg der „alternativen“ Therapie sei neben der richtigen medizinischen Diagnose das Zusammenspiel zwischen Arzt und Patienten. In der Regel könne der Patient gut einschätzen, welche Möglichkeiten die Naturheilkunde ihm bieten könne. Wer motiviert und gut informiert an der Therapie mitwirke, könne selbst zur Stärkung der Selbstheilungskräfte beitragen. Wie gut das funktionieren könne, zeige eine Studie der Klinik für Tumorbiologie Freiburg. Die beteiligten Patienten hätten den Erfolg der Naturheilmedizin fast durchweg positiv bewertet. Dr. Dauelsberg: „Die Studie zeigt, dass die Naturheilmedizin den Erwartungen gerecht werden kann.“

Wie die Krebs-Behandlung während der Reha und in der Zeit danach gestaltet werden sollte, müsse stets mit dem behandelndem Arzt abgesprochen werden. So könne man etwa mit Wirkstoffen, die aus der Mistel gewonnen werden, bei Brust- oder Darmkrebs sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei Leukämie, Lymphonen, Nierenkrebs oder schwarzem Hautkrebs verbiete sich der Einsatz dagegen. Für Dr. Dauelsberg ist die Konsequenz klar: „Eine verantwortungsvolle Therapie ist auch in der Naturheilkunde nur unter versierter Betreuung möglich.“