In den vergangenen Jahren hat sich unser Verständnis für die Bedeutung der Darmflora ganz entscheidend verändert. Ursache waren neuere moderne und schnelle Untersuchungsverfahren (DNA-Sequenzierung) des Stuhls.

Die Darmflora besteht hauptsächlich aus Bakterien, seltener kommen Viren und Hefen vor. Auch wenn wir etwa 1000 Bakterienarten kennen, so hat der Mensch normalerweise etwa 160 verschiedene Spezies im Darm. Die Zahl der Zellen ist etwa zehnmal größer als die der Körperzellen.

Erstaunlich ist die Tatsache, dass die Menschen sich zwar bezüglich des Genoms kaum unterscheiden (99,9 Prozent Übereinstimmung), aber beim Mikrobiom betragen die Unterschiede etwa 80 Prozent.

Die Darmflora wird in den ersten Lebensjahren aufgebaut. Nach der Geburt und der Abstillphase kommt es etwa bis zum vierten Lebensjahr zu einem Aufbau der Mikroflora, die von da ab recht stabil das ganze Leben so bleibt. Sie verändert sich zum Beispiel durch Einnahme von Antibiotika oder durch gewisse Ernährungsgewohnheiten und bei entzündlichen Erkrankungen des Dickdarms (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn).

Die Anzahl der Bakterienarten (Diversität) nimmt interessanterweise durch körperliche Bewegung zu. Ebenso ist gesichert, dass ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse die Diversität erhöht. Eine Ernährung, die sehr reich an Zucker oder auch gesättigten Fettsäuren ist, verringert die Zahl der nützlichen Bakterien (Firmicutes-Stamm), während eine fett- und zuckerreduzierte Ernährung eine Erhöhung von „guten“ Bakterien zur Folge hat (Bacteroidetes).

Fettleibigkeit geht mit einer Verringerung dieses Bakterienstammes einher. Der Unterschied in der Bakterienflora bewirkt eine effizientere Aufnahme von Kalorien aus dem Darminhalt. Aus Tierversuchen wissen wir, dass der Unterschied in der Mikroflora für Fettleibigkeit mitverantwortlich ist.

Es gibt darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen der Bakterienvielfalt und systemischen Entzündungen.

Daten belegen einen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Darmkrebserkrankungen und der Zusammensetzung der Mikroflora. Es bestehen Interaktionen zwischen Bakterien und Nahrungsmittelbestandteilen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Man unterscheidet in der Medizin: Präbiotika, Probiotika und Kontrabiotika. Präbiotika sind Nahrungsmittelbestandteile, die das Wachstum „nützlicher“ Bakterien anregen.

Probiotika sind Bakterien die antientzündlich wirken (E.coli Nissle) oder die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren anregen (Bifido und Laktobakterien).

Kontrabiotika hemmen das Anheften (Adhäsion) der Bakterien an die Darmschleimhaut. Fasern aus Brokkoli oder Kochbananen sind besonders wirksam.

Diese Fakten, die in vergangenen Jahren in der Wissenschaft in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt sind, waren in vielen Fällen in der Volksmedizin schon lange bekannt, finden aber jetzt ihre Erklärung.