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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Warum Hausstaub krank machen kann

28.09.2019

Berlin /Göttingen Es ist ein Rückzugspunkt, ein Wohlfühlort. Doch ausgerechnet im Schlafzimmer droht Allergikern Ungemach – in Gestalt von Hausstaubmilben. Sie sind noch nicht einmal einen Millimeter groß und kommen gleich zu Hunderttausenden. Die winzigen Spinnentierchen nisten sich etwa in Matratzen ein. Bei Allergikern löst der Kot der Milben Beschwerden aus. Mit der Folge, dass Hausstaub auf Dauer einen regelrecht krank machen kann.

Mit Schmutz hat das aber wenig zu tun. „Es gibt keine Wohnung, die frei von Hausstaub ist“, sagt Prof. Torsten Zuberbier von der Charité Berlin. Die einen reagieren darauf empfindlich, andere nicht. Eine ideale Umgebung ist das Schlafzimmer: Ein Mensch schwitzt und produziert pro Nacht bis zu einem Liter Wasser, das verdunstet. Das steigert die Luftfeuchtigkeit.

Milben fühlen sich bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent wohl. Sie ernähren sich etwa von Hautschuppen und Haaren.

Die typischen Symptome einer Hausstaubmilben-Allergie zeigen sich vor allem morgens. „Das können zum Beispiel Juckreiz an den Augen, häufiges Niesen und Schnupfen, eine verstopfte Nase oder Husten sein“, zählt der Göttinger Allergieexperte Prof. Thomas Fuchs auf.

Auch Hautausschläge wie Rötungen und Schwellungen am Morgen können darauf hindeuten. Asthmatische Beschwerden sind ebenfalls möglich. „Hausstaubmilben können auch Auslöser für die Hautkrankheit Neurodermitis oder für Heuschnupfen sein“, sagt Zuberbier.

Patienten sollten sich zu einem Allergologen überweisen lassen. „Bei dem sogenannten Prick-Test werden Lösungen auf die Haut getröpfelt und anschließend die Haut leicht angepiekst“, erläutert Stephan Meller. Er ist Leitender Oberarzt in der Klinik für Dermatologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Rötungen oder Quadddeln an den Hautstellen deuten auf eine Hausstaubmilben-Allergie hin.

Es gibt auch spezielle Blutuntersuchungen sowie den nasalen Provokationstest. Bei Letzterem sprüht der Arzt einen Milbenextrakt auf die Nasenschleimhaut. Niest man etwa danach oder läuft die Nase, ist eine Allergie wahrscheinlich.

„Oft stellt sich heraus, dass Patienten nicht nur auf Hausstaubmilben, sondern zusätzlich auf Schimmelpilzsporen allergisch reagieren“, erklärt Zuberbier. Manche Patienten reagieren auch auf Tierhaare allergisch. Die Beschwerden könnten sich verstärken, wenn der Patient rauche oder er passiv Nikotin ausgesetzt sei, so Fuchs.

Gegen akute Beschwerden gibt es antiallergische Mittel. Auch entzündungshemmende Medikamente wie etwa cortisonhaltige Nasensprays können je nach Fall helfen. „Eine weitere Option ist eine spezifische Immuntherapie, die auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt wird“, so Meller.

Dabei bekommt man über drei bis fünf Jahre regelmäßig eine Substanz unter die Haut gespritzt, die eine steigende Menge der Allergene beinhaltet. „Eine solche Therapie ist allerdings zeitaufwendig und insofern nicht für jeden Patienten geeignet“, so Meller. Je nach Fall können auch Tabletten oder Tropfen zur Hyposensibilisierung verschrieben werden.

Wer unter einer Haustaubmilben-Allergie leidet, sollte im Alltag einiges beachten. So ist es wichtig, jeden Morgen Kissen und Federbett aufzuschütteln und gut durchzulüften. Betroffene sollten zudem einmal pro Woche ihr Bett frisch beziehen und die benutzte Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius waschen. Idealerweise nutzt man milbenundurchlässige Überzüge für Matratze und Bettwäsche. Ebenfalls wichtig: Das Schlafzimmer zwei- bis dreimal am Tag lüften und so die Raumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit etwa mithilfe eines Luftentfeuchters gering halten.

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