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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Heiße Milch mit Honig als Schleimlöser

18.01.2020

Berlin Wenn der Hals kratzt, hilft eine heiße Milch mit Honig. Das hat Oma schon gesagt. Bei einer Erkältung tut eine Tasse heiße Zitrone gut, bei Ohrenschmerzen können Zwiebelsäckchen Abhilfe schaffen. Das Wissen über Hausmittel wird von Generation zu Generation weitergegeben. Und sie werden häufig angewandt – einer Studie von 2007 zufolge in Deutschland von rund der Hälfte der Bevölkerung. Doch helfen Honig, Zwiebel und Zitrone wirklich? Ganz sicher ist das nicht. Denn: Hausmittel und ihre Wirksamkeit sind weitgehend unerforscht.

Helfen Hausmittel gegen Erkältung wirklich?

„Hausmittel wurden eigentlich nie richtig untersucht“, sagt Stefanie Joos, Allgemeinmedizinerin und Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. Das sei sehr schade, denn „es sind ja Mittel, die teilweise wirklich sehr lange Tradition haben.“ Es gebe nur wenige gut gemachte Studien, in denen die Wirksamkeit von Hausmitteln geprüft wurde.

Warum ist das so? „Wenn Pharmafirmen Forschung finanzieren, dann sind die nicht an Hausmitteln interessiert. Dafür bräuchte es eine öffentliche Forschungsförderung“, erklärt Joos. Dazu seien Hausmittel aber nicht innovativ genug. Und: Hausmittel werden oft bei einfacheren Erkrankungen angewendet. Da sagt der Fördergeber – „naja, so eine Erkältung ist ja jetzt nicht so wichtig.“

Jörg Meerpohl, Leiter des Instituts für Evidenz in der Medizin am Uniklinikum Freiburg, bestätigt das. Die Industrie habe selten Interesse daran, in Hausmittel-Forschung zu investieren. Die Mittel müssten aus öffentlicher Hand kommen.

Wirksamkeit von Hausmitteln schlecht erforscht

Die Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Geldgeber für öffentliche Forschung, im Gesundheitsforschungsprogramm sind themenoffen, heißt es. An sich könnten auch Untersuchungen zur Wirksamkeit von Hausmitteln unterstützt werden. Tatsächlich seien aber bisher keine Forschungsanträge mit direktem Bezug dazu eingereicht worden.

Dass nicht zu Hausmitteln geforscht wird, findet der Kinderarzt Meerpohl schade. „Aus akademisch-wissenschaftlicher Sicht würde ich mir wünschen, dass man Menschen klar sagen kann, ob ein Hausmittel zum Beispiel bei Erkältung wirkt oder nicht.“ Aus medizinischer Sicht, denkt er, ist es vielleicht weniger wichtig. Viele Leute wendeten Hausmittel an und fühlten sich damit subjektiv besser.

Medizinerin Joos bedauert die fehlende Forschung. „Hausmittel werden immer ein bisschen belächelt – undankbarerweise, denn das Zwiebelsäckchen kann in Einzelfällen besser wirken als die Schmerztablette. Um hier verlässliche Empfehlungen zu geben, brauchen wir eigentlich Studien.“

Traditionelle Mittel gegen Erkältung: Machen sie Sinn?

Hausmittel einzusetzen sei aus verschiedenen Gründen sinnvoll, sagt Joos. Neben der tatsächlichen Wirkung sei es gut, dass der Patient selbst etwas macht: „Diese Überzeugung, ich kann auch selbst etwas für mich tun, ich muss nicht immer gleich zum Arzt gehen.“ Wenn man Hausmittel zu- und vorbereite, zum Beispiel Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen bei Kindern, komme der Aspekt hinzu, dass man jemandem Zuwendung und Zeit schenke. Das sei ein wichtiger Punkt bei einem Hausmittel.

Ihre eigenen Studien hätten ergeben, dass vor allem ältere Menschen und auch eher Frauen Hausmittel anwenden. Das liege auch daran, dass das Wissen in den älteren Generationen noch stärker vorhanden sei als in den jüngeren. Hier gehe den Umfragen zufolge das Wissen eher verloren. Die beliebtesten Hausmittel sind der Erhebung zufolge Hühnersuppe, heiße Milch mit Honig, das Inhalieren von etwa Salzwasser oder heiße Zitrone.

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