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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Er hat sein Lächeln nicht verloren

22.08.2017

Brake Es ist 9 Uhr morgens. Seit gut drei Stunden liegt Bernhard Wiggers schon im Bett der ambulanten Dialysestation des St.-Bernhard-Hospitals. Ein großes, dickes Kissen stützt seinen Rücken und aus den Kopfhörern in seinem Ohr erklingen Hits aus den Charts. Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes hängt ein Fernseher an der Wand. Währenddessen ersetzt eine Maschine die Funktion seiner Nieren und reinigt sein Blut.

3000. Blutwäsche

Viereinhalb Stunden verbringt er dann hier – immer montags, mittwochs und freitags. „Ich guck in der Zeit fernsehen, höre Radio, lese die NWZ oder döse“, sagt Wiggers mit einem Lächeln. 3000 Mal hat der 59-Jährige diesen Ablauf nun schon mitgemacht, zum ersten Mal 1998. Und immer im St.-Bernhard-Hospital. Damit hat Wiggers die meisten Blutwäschen in Brake. Zum Jubiläum gratulierten ihm stellvertretend für das gesamte Dialyse-Team Pfleger Frank Erdmann und Pflegerin Sandra Kallenbach sowie die beiden leitenden Ärztinnen Dr. Ulrike Heinsohn und Dr. Constanze Meentzen.

Wie funktioniert die Dialyse?

Unter einer Dialyse versteht man die künstliche Blutwäsche bei Patienten mit schweren Nierenerkrankungen, bei denen die Nieren selbst nicht mehr ihre Reinigungsfunktion wahrnehmen.

Die Niere hat eine Vielzahl von Funktionen. Insbesondere ist sie für die Ausscheidung von Abfallstoffen zuständig, die den Körper vergiften können, wenn sie nicht ausgeschieden werden. Darüber hinaus reguliert sie den Mineralstoffhaushalt des Körpers und steuert den Blutdruck über die Flüssigkeitsausscheidung im Urin.

Zur Vorbereitung wird dem Patienten ein Medikament verabreicht, das die Blutgerinnung hemmt, da das Blut ansonsten außerhalb des Körpers schnell verklumpen würde. Anschließend wird das Blut in einen sogenannten Dialysator geleitet, in dem es von einer Spülflüssigkeit (Dialysat) umflossen wird. Blut und Dialysat trennt eine dünne Membran, die zum Beispiel für Schadstoffe durchlässig ist. Die schädlichen Stoffwechselprodukte aus dem Blut folgen dem Konzentrationsgefälle zwischen den beiden Flüssigkeiten und wandern in das Dialysat hinüber. Das gereinigte Blut wird dann in den Körper zurückgeleitet. Es ist auch möglich, beispielsweise Mineralstoffe aus dem Dialysat in das Blut zu übertragen

Die weltweit erste „Blutwäsche“ über semipermeable Membranen beim Menschen wurde 1924 von Georg Haas in Gießen durchgeführt.

Vor 19 Jahren bekam der heute 59-Jährige seine erste Dialyse, beinahe genauso lange ist auch schon Kallenbach an seiner Seite. Die Pflegerin begleitet Wiggers seit fast 18 Jahren durch die Dialyse-Behandlung. „Wir feiern Feste wie Weihnachten oder auch Geburtstage zusammen“, erzählt Kallenbach. „Man lebt ein Stück des Lebens zusammen, lernt die Patienten kennen und erfährt viel Privates.“ Ihr Kollege Frank Erdmann ist seit 14 Jahren im Team. Auch er kennt Wiggers nur zu gut.

Der 59-Jährige wohnt in Seefeld und ist bis vor einem Jahr noch selbst die Strecke bis nach Brake gefahren. Nun fährt ihn ein Taxi die rund 21 Kilometer bis ins Krankenhaus. Ihm sei empfohlen worden, die Strecke nicht mehr selbst zu fahren, verrät er. Wiggers arbeitet trotz seiner Erkrankung als Werksschutzfachkraft im Kernkraftwerk Unterweser. „Nach der Dialyse gehe ich zur Arbeit“, erzählt er. Zurzeit hätte er aber Urlaub. Da er im Schichtdienst arbeitet, kann er nicht immer ab 6 Uhr bei der Dialyse sein. „Hier sind aber alle sehr flexibel“, sagt Wiggers.

Eine kleine Familie

Im St.-Bernhard-Hospitals gibt es drei Dialyse-Schichten – eine am Morgen, eine mittags und eine am Nachmittag. Das Dialyse-Team arbeitet stetig daran, die Behandlungen so gut wie möglich in den Alltag der Patienten zu integrieren. „Wir sind bemüht die Dialyse an das soziale Leben unserer Patienten anzupassen und ihnen möglichst viele Freiheiten zu geben“, erklären Heinsohn und Meentzen. So sei es auch Arbeitnehmern möglich, die Behandlungen in Anspruch zunehmen. „Wenn Herr Wiggers von der Nachtschicht kommt, bringt er häufig Brötchen und Croissants mit“, sagt Uilkje Huisman, stellvertretende Stationsleiterin. Sie selbst ist von Anfang an in der ambulanten Dialysestation des St.-Bernhard-Hospitals tätig. Seit 1996 wird hier nämlich schon Patienten geholfen. „Es ist ein bisschen so wie in einer kleinen Familie“, sagt Huisman. „Wir haben hier ein klasse Team und versuchen den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.“ 16 Dialyse-Plätze gibt es in der Abteilung, sechs im Erdgeschoss, zehn weitere unterm Dach.

Neuer Träger

Seit dem 1. Juli ist die Nephrologische Praxis und Dialyse im St. Bernhard-Hospital unter neuer Trägerschaft. Die Operasan Brake MVZ GmbH ist nun für die Abteilung zuständig. „Ansonsten ändert sich aber nichts“, betont Meentzen. „Wir bleiben dem Krankenhaus weiterhin eng verbunden.“

Niklas Benter
Volontär, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003
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