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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Das Leben selbst verantworten

04.09.2018

Brake In jüngeren Jahren machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken für den Fall, wer für sie entscheiden soll, wenn man den eigenen Willen nicht mehr selbst äußern oder durchsetzen kann. Dabei kommt es nicht selten vor, dass schon junge Frauen und Männer nach einem schweren Unfall, einen Schlaganfall oder einer anderen Krankheit für einige Zeit oder sogar für immer mit starken geistigen und/oder körperlichen Funktionseinschränkungen leben müssen.

Für diesen Fall empfehlen in der Pflege engagierte Hilfsorganisationen, frühzeitig Regelungen für den Notfall festzulegen. Die Caritas nennt hier vor allem die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht. Mit diesen Unterlagen kann man unter anderem bestimmen, wem im Notfall wichtige Entscheidungen für das persönliche Leben übertragen werden und welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden dürfen.

Wichtig ist, dass die Regelungen vorab mit dem Partner und dem nahen sozialen Umfeld einvernehmlich besprochen und schriftlich fixiert werden. Neben medizinisch und rechtlich relevanten Punkten sollte dabei auch geregelt werden, wer zum Beispiel für eine vorübergehende oder dauerhafte Pflege verantwortlich sein soll.

Das Ganze bringt Klarheit

„So ist sichergestellt, dass die Beteiligten wissen, was in einem Notfall zu tun ist und was auf sie zukommen könnte“, erklärt die selbstständige Pflegeberaterin Marion Zimmermann aus Brake. Entsprechende Vereinbarungen erleichtern es den meisten Betroffenen, bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit schnell handlungsfähig zu sein. „Das Ganze bringt Klarheit und kann unnötige Belastungen in dieser ohnehin schwierigen Situation vermeiden.“

Wenn man dagegen völlig unvorbereitet ist, stellt sich zusätzlich zu den Sorgen um den Partner oder nahen Angehörigen oft auch eine Überforderung ein, die mit erheblichen Folgeproblemen verbunden sein kann. Ohne klare anderweitige Regelungen kann es beispielsweise dazu kommen, dass das Amtsgericht einen Betreuer einsetzt, der nichts mit der Familie zu tun hat. Da Ehepartner und Kinder nicht automatisch mit einer Versorgungsvollmacht ausgestattet sind, kann damit auch eine fremde Person betraut werden.

Mit einer Vorsorgevollmacht kann man dafür sorgen, dass genau derjenige stellvertretend für den Betroffenen entscheiden darf, den dieser zuvor benannt hat. Das kann anstelle der Familie auch der Lebenspartner, eine langjährige Freundin oder eine andere Vertraute sein. Dabei müsse aber bedacht werden, dass die Aussagen eindeutig formuliert sind und auch die finanziellen Angelegenheiten genau geregelt sind.

Insbesondere für den Fall, dass etwa zur Finanzierung der Pflege ein Darlehen aufgenommen oder ein Immobiliengeschäft getätigt werden muss, empfiehlt die Caritas die Vorsorgevollmacht von einem Notar beglaubigen und beurkunden zu lassen. Der Bevollmächtigte sollte sich im Klaren sein, dass er eine große Verantwortung trägt. Das gilt vor allem für die Gesundheit des Vollmachtgebers, weil der Bevollmächtigte auch befugt ist, in ärztliche Maßnahmen einzuwilligen – oder auch nicht.

Jederzeit änderbar

Eine Vorsorgevollmacht wird gültig, wenn aus medizinischer Sicht festgestellt wurde, dass der Betroffene seine Angelegenheiten nicht mehr selbstständig regeln kann. Dann muss letztlich das mit dem Fall betraute Amtsgericht entscheiden, wann die Vorsorgevollmacht zum Tragen kommt. Die Vollmacht kann jederzeit verändert oder dem Bevollmächtigten entzogen werden, wenn man wieder in der Lage ist, selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Die Regelungen der Patientenverfügung beschränken sich auf medizinische Maßnahmen. Neben der Bereitschaft zu einer Organspende und dem Wunsch in vertrauter Umgebung zu sterben, kann man damit zum Beispiel festlegen, ob und welche lebensverlängernden medizinischen Interventionen zur Lebensverlängerung erfolgen sollen. Letztlich sei so sichergestellt, dass der Wille des Betroffenen unabhängig von seinem gesundheitlichen Zustand bis zuletzt berücksichtigt wird.

PflegendeTöchter oder Söhne sind häufig noch berufstätig. Sie geraten durch die Pflegebedürftigkeit in eine Doppelrolle, weil sie auch für die eigenen Kinder sorgen müssen. Nicht selten kommen dann Zweifel auf, ob man die neue Situation bewältigen kann. Andere pflegende Angehörige muten sich einfach zu viel zu, betont Marion Zimmermann: „Viele verhalten sich so, als wenn der Tag für sie mindestens 25 Stunden haben müsste und fallen irgendwann in ein tiefes körperliches und seelisches Loch, weil die Kraft komplett aufgebraucht ist.“

Präventiv kann die Inanspruchnahme qualifizierter Hilfe sinnvoll sein. „Das gilt gerade in der Vorbereitung und der Übergangszeit in eine Pflegesituation, weil dann viele Dinge neu und unbekannt sind“, berichtet Marion Zimmermann. Neben psychischem Beistand können bei einer Pflege zu Hause vor allem Tipps für die Alltagsbewältigung nützlich sein. So könne eine erfahrene Pflegeberaterin schnell erkennen, welche Pflegeleistungen beantragt werden sollen und welche Hilfsmittel die Pflegeperson braucht.

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