Bremen - Corona hat allen Menschen viel abverlangt – und trotz der zunehmenden Zahl geimpfter Menschen setzt die Pandemie noch immer Maßstäbe. Zwar gibt es inzwischen Lockerungen in den allermeisten Bereichen, dennoch hat der gut einjährige Verzicht auf liebgewordene und zumeist auch gesundheitsfördernde Gewohnheiten seinen Tribut gefordert. Sport, soziale Kontakte oder kulturelle Erlebnisse – alles nur in Maßen oder eben gar nicht. „Der Einfluss der Corona-Einschränkungen auf die Gesundheit der Menschen ist immens. Alle wichtigen Faktoren für ein gesundes und langes Leben wurden laut Studien negativ beeinflusst. Ich schätze, dass Menschen in Einzelfällen – ohne ein schnelles Entgegenwirken – dadurch über zehn Lebensjahre verlieren könnten”, sagt Prof. Dr. Sven Voelpel von der Jacobs University in Bremen.
Das Alter als messbare Größe
„Das biologische Alter ist in der Forschung eine relevante Messgröße, denn es zeigt das tatsächliche Alter eines Menschen unter Berücksichtigung aller körperlichen und seelischen Komponenten. Primär spielen dabei die Ernährung, Bewegung aber auch die innere Einstellung eine entscheidende Rolle, wie schnell wir altern.” So haben Studien gezeigt, dass genau die Gewohnheiten, die das biologische Alter positiv beeinflussten, während der Pandemie teilweise aufgegeben wurden.
Doch für den bekannten Altersforscher, der mit seinem Team an Methoden arbeitet, die innere Uhr zu verlangsamen oder gar zurückzudrehen, ist auch klar: „Negative Auswirkungen auf die biologische Uhr durch die Pandemie-Einschränkungen sind fast vollständig reversibel.“ Es lohnt sich also, bewusst gegenzusteuern, indem man ruhende Kontakte wieder auffrischt, sich zum wöchentlichen Kartenspiel trifft oder ins Theater geht.
Gesundheitskonto mit sieben Faktoren
Bereits in seinem Buch „Die Jungbrunnen-Formel – Wie wir bis ins hohe Alter gesund bleiben“ (rowohlt) hat Prof. Sven Voelpel veranschaulicht, wie wir mit einfachsten Mitteln körperlich und geistig fit bleiben und so das biologische Alter hinauszögern können. Dafür werden sieben Faktoren der Lebensführung berücksichtigt, welche sich als ausschlaggebend erwiesen haben: Ernährung, Bewegung, Atmung, Schlaf, Soziales, Entspannung und innere Einstellung. Dabei richtet Voelpel den Blick auf den in 1980er Jahren vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky geprägten Begriff der „Salutogenese“. Nicht das Verhindern von Krankheiten soll demzufolge im Vordergrund stehen, sondern die Gesundheit und die dafür maßgeblichen Rahmenbedingungen, vergleichbar mit denen eines Bankkontos. „Alles, was wir in diesen sieben Bereichen tun und lassen, beeinflusst unsere Gesundheit: Sie ergibt sich letztlich aus der Summe sämtlicher Einzelfaktoren. Solange das Gesundheitskonto sich im ,Haben’ bewegt, kann der Körper von diesem Puffer zehren, ohne gleich ins Minus zu rutschen.“
Geringer Aufwand, große Wirkung
Von der Ernährungsumstellung bis zu mehr Bewegung im Alltag – oftmals sind es nur kleine Schrauben, an denen man drehen muss, um für mehr Wohlbefinden zu sorgen. Schon eine einzige täglich genommene Vitalstoffmischung kann dem Körper sogleich mehr Nährstoffe zufügen – und schon ist man auf Dauer einfach fitter. Wer beispielsweise gern mit Kurkuma würzt, um in den Genuss des antientzündlichen Wirkstoffs Curcumin zu kommen, der sollte eine Prise schwarzen Pfeffer hinzugeben: Die Aufnahme des Curcumins verbessert sich um das Zehn- bis Zwanzigfache. „Auch grüner Tee ist für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt und die Kombination mit Zitrone macht es möglich, die in ihm enthaltenen Antioxidantien noch besser aufzunehmen“, so Voelpel, der auch bei der Bewegung auf mehr Kleinigkeiten im Alltag setzt – anstelle eines ausgefeilten langen Fitnessprogramms, das nur einmal die Woche stattfindet, sollte man auf Ganzheitlichkeit mit Bewegung zu unterschiedlichen Intensitäten über den Tag verteilt setzen und so Muskeln, Faszien, Bänder und Gelenke gleichermaßen fordern und dadurch die Beweglichkeit fördern.
Dabei schwört Prof. Voelpel auch auf Übungen mit dem Eigengewicht, beispielsweise Klimmzüge, Liegestütze oder Crunches. „Hier darf man ruhig kreativ werden und beim Zähneputzen ein paar Kniebeugen machen oder auf dem Weg zur Haltestelle einen Sprint einlegen.“
