CLOPPENBURG - Die beiden jeweils waagerecht im Beckenbereich angesiedelten Leisten erfüllen zwei wesentliche Funktionen. Im Übergangsbereich vom Bauch zum Bein sorgen sie zum einen für eine stabile Verbindung und sichern zudem, dass die Bauchdecke dicht bleibt. Geschützt werden vor allem die besonders sensiblen Bereiche, wo die Leisten- oder auch Haltebänder etwa von Blutgefäßen und Nervensträngen durchdrungen werden.
Bei einem Bruch sind diese Durchlasskanäle zu weit geworden. Als Folge wird die schützende Bauchdecke durchlässig. In die entstandene Lücke können beispielsweise Bauchfellgewebe oder auch Teile des Darms eindringen.
Der dann gebildete – von außen zumeist als Schwellung im Unterleibsbereich wahrnehmbare – sogenannte Bruchsack sorgt zwar längst nicht immer sofort für schmerzhafte Beschwerden, sollte aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen werden, betont der Chefarzt der Klinik für Viszeralchirurgie im St.-Josefs-Hospital Cloppenburg, Dr. Hendrick Faust: „In schwerwiegenden Fällen muss sofort operiert werden.“
Mangelhafte Durchblutung
Der Notfall könne dann eintreten, wenn ein im Bruchsack eingeklemmter Darm mangelhaft durchblutet wird oder platzt, betont der Chefarzt, der in Cloppenburg pro Jahr etwa 240 Leistenbrüche operiert: „Dann muss es sehr schnell gehen, damit eine lebensbedrohliche Situation abgewendet werden kann.“
Leistenbrüche seien deshalb so häufig, weil die menschliche Anatomie gerade in diesem Bereich eine Schwachstelle habe. Der aufrechte Gang des Menschen sorge dafür, dass die Leisten enormen Belastungen ausgesetzt seien, betont Dr. Faust: „Anders als beim Menschen kommt es bei Tieren, die ja als Vierfüßler unterwegs sind, nur selten zu Leistenproblemen.“ Beim Menschen sorge das auf dem Unterleib lastende Gewicht dagegen für Dauerdruck auf die Leisten.
Der erworbene Bruch entstehe dann, wenn eine überlastete oder zu schwache Bauchmuskulatur dem Dauerdruck nicht mehr standhalten könne. Da eine Erschlaffung des Bindegewebes mit zunehmenden Lebensjahren natürlich sei, komme es im Alter vermehrt zu Leistenbrüchen. Auslöser können zum Beispiel ungewohnte, starke körperliche Anstrengungen sein.
Ist der Bruch erst einmal da, bildet er sich nicht mehr von allein zurück, sondern muss durch eine Operation beseitigt werden. Ansonsten würde der von der Bauchmuskulatur nicht mehr verkraftbare Dauerdruck für eine stetige Vergrößerung der undichten Stelle und damit ein im wahrsten Sinne des Wortes wachsendes Problem sorgen.
Die Operation selbst sei für einen geübten Chirurgen – und damit auch für den Patienten – in der Regel unproblematisch und nach 30 bis 45 Minuten abgeschlossen. Dank moderner Operationsverfahren liege die Rezidivrate – also der Anteil der Patienten, bei denen sich erneut ein Bruch einstelle – im St.-Josefs-Hospital unter einem Prozent. „In der Regel ist der Leistenbruch eine gut planbare Operation, die sehr gut ambulant und minimal-invasiv durchgeführt werden kann“, betont Dr. Faust.
Technik mit Kunststoffnetz
Er wendet in den meisten Fällen die sogenannte TEPP-Technik an, bei der ein spezielles Kunststoffnetz zur Stabilisierung des Problembereichs in die Bauchdecke eingearbeitet wird. Das Eindringen in den Bauchraum sei bei dieser besonders schonenden OP-Methode nicht notwendig. Der Operateur komme mit wenigen, allenfalls zehn Millimeter kleinen Schnitten durch die Fettschicht und die Bauchmuskulatur aus, um das Kunststoffnetz an der Bruchstelle platzieren zu können.
Wenn es sich nicht um einen Notfall handele und die Gesamtkonstitution des Patienten befriedigend sei – also keine schweren Begleiterkrankungen etwa im Herz-/Kreislaufsystem vorliegen – könne das Problem ambulant gelöst werden. Ein am Vormittag operierter Patient wache dann schon kurz nach Ende der Operation wieder auf und könne noch am selben Tag wieder nach Hause gehen. Der Körper sei schon nach kurzer Zeit wieder voll belastbar. Nach abgeschlossener Wundheilung könnten die Patienten meistens schon eine Woche nach dem Eingriff wieder arbeiten gehen und Sport treiben, berichtet Dr. Faust: „Zum Beispiel fühlte sich ein von mir an der Leiste operierter Oberliga-Fußballer so schnell wieder fit, dass er bereits eine Woche danach wieder auf dem Platz stand.“
