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Lungenfibrose Trockener Husten und Atemnot

Klaus Hilkmann

Cloppenburg - Ein trockener Reizhusten, unerklärliche Probleme beim Einatmen und schnell eintretende Erschöpfungszustande nach körperlichen Belastungen: Wer immer wieder unter entsprechenden Symptomen leidet, könnte an einer Lungenfibrose erkrankt sein, die ein Sammelbegriff für mehr als 100 verschiedene, zumeist sehr seltene Lungenerkrankungen ist.

Alle Erkrankungsformen haben die Gemeinsamkeit, dass es durch Entzündungen oder Überreaktionen des Immunsystems zu einem Umbau des Lungengewebes kommt. Das dann entstehende, zwischen den Lungenbläschen und den umgebenden Blutgefäßen sitzende Bindegewebe verhärtet und versteift sich während des Krankheitsverlaufs zunehmend. Infolge des Umbauprozesses entstehen Vernarbungen anstelle des funktionsfähigen Gewebes.

Gasaustausch gestört

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung nimmt der Anteil des vernarbten und somit funktionslosen Organgewebes immer weiter zu. Es stellt sich Atemnot ein – zunächst nach körperlich anstrengenden Tätigkeiten und in späteren Erkrankungsstadien auch in Ruhe. Im schlimmsten Fall müssen Betroffene mit einem tödlichen Verlauf rechnen. Darüber hinaus begünstigt eine chronische Lungenfibrose das Entstehen beziehungsweise die Verschlimmerung verschiedener anderer Erkrankungen wie Lungenhochdruck oder eine Schwäche der rechten Herzhälfte. Zudem besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Lungeninfektionen.

Symptom von Lungenfibrose: trockener Husten.

Der Grund für die mit einer Lungenfibrose verbundenen Probleme ist, dass es der Sauerstoff in einem geschädigten Lungengewebe schwerer hat in die Blutgefäße zu gelangen als bei einem gesunden Menschen. „Die so verursachte Störung des natürlichen Gasaustausches bewirkt eine eingeschränkte Sauerstoffaufnahme“, erklärt Dr. Thomas Möller, Chefarzt der Pneumologie am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg. Dazu kommt erschwerend, dass sich die Lunge in den betroffenen Bereichen zunehmend versteift. Betroffene müssen beim Einatmen vermehrt Kraft zur Dehnung der Lunge aufwenden. Trotzdem reicht der aufgenommene Sauerstoff nicht für eine normale körperliche Leistungsfähigkeit aus.

Gerade ältere Menschen nehmen die Probleme mitunter als vermeintliche Begleiterscheinung des Alterungsprozesses hin, berichtet Dr. Möller: „Lungenfibrose-Patienten leben häufig längere Zeit mit einer verringerten Lebensqualität, da die Erkrankung zumeist schleichend verläuft.“

Ein Arzt werde oft erst aufgesucht, wenn sich schon nach wenigen Treppenstufen oder einem kurzen Spaziergang starke Atemprobleme einstellen. Genau das ist auch deshalb schlecht, weil eine Lungenfibrose ohne eine frühzeitige ärztliche Abklärung und Behandlung nicht nur zu einer Verringerung der Lebensqualität, sondern auch zu einer erheblichen Reduzierung der Lebenserwartung führen kann.

Funktion geht verloren

So hat das durch die Entzündung vernarbte Gewebe seine Funktion für das Atmungsorgan für immer verloren. Im Spätstadium einer Fibrose ist das Lungengewebe so weitreichend vernarbt, dass es seine Stoffwechselfunktion nicht mehr wahrnehmen kann. In diesen Fällen kann man das Leben des Betroffenen nur noch mit einer Lungentransplantation erhalten. Weil die Heilung einer Lungenfibrose nicht möglich ist, kommt es auf eine frühzeitige Therapie an, um mögliche Ursachen rechtzeitig bekämpfen und ausschalten zu können.

„Mit einer gezielten Behandlung der Grunderkrankung lässt sich das Fortschreiten der Lungenfibrose häufig erheblich bremsen oder sogar zum Stillstand bringen“, betont Dr. Möller. Der Medizin stehen dafür heute mehrere Medikamente zur Verfügung, die der ansonsten unaufhaltbaren Versteifung des Lungengewebes entgegenwirken. Bei Patienten mit einer idiopathischen Lungenfibrose wird die Wirkung mittels Medikamenten erzielt, die die überzogene Immunreaktionen des Körpers abschwächen. Das hat bei einem positiven Verlauf der Therapie den Effekt, dass die Entzündungsreaktionen schwächer ausfallen und insgesamt reduziert werden.

Die Linderung der Beschwerden ist insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium einer Lungenfibrose wichtig. Mit von außen zugeführtem Sauerstoff – etwa über eine dauerhaft getragene Nasenbrille oder durch nur bei Bedarf eingesetzten transportablen Sauerstoffgeräten – lässt sich eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit erzielen. Auch dosiertes Training etwa in einer Lungensportgruppe tut vielen Lungenfibrose-Patienten gut. Zudem kann man mittels Atemgymnastik lernen, die beim Einatmen geforderte Muskulatur sowie die verbliebene Lungenkapazität effektiv nutzen zu können.

Der persönliche Lebensstil ist mitentscheidend für den Krankheitsverlauf, erklärt Dr. Thomas Möller: „Sehr wichtig ist vor allem, dass der Patient die Aufnahme schädlicher Stoffe so weit wie möglich vermeidet.“ Dazu gehört zum Beispiel, dass schadstoffbelastete Orte gemieden werden und Rauchen – sowohl aktiv wie auch passiv – absolut tabu ist. Zudem sollte man etwa durch eine Grippeimpfung für eine Minimierung des Infektionsrisikos sorgen.

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