Cloppenburg - Die bei Erwachsenen jeweils zehn bis zwölf Zentimeter langen, zwischen der Hinterwand des Bauchfells und der Rückenmuskulatur gelegenen Nieren erfüllen bei gesunden Menschen mehrere lebenswichtige Funktionen. Einerseits sorgen sie wie ein Klär- und Entwässerungswerk des Körpers dafür, dass giftige Stoffwechselprodukte mit dem Urin ausgeschieden werden. Darüber hinaus sind die paarweise angeordneten Organe unter anderem daran beteiligt, dass eine verträgliche Regulierung des Wasser-Elektrolyt-Haushalts sowie des Säure-Basen-Gleichgewichts erfolgt.
Zudem werden in den Nieren verschiedene Hormone produziert, die an der Blutdruckregulierung und der Bildung roter Blutkörperchen beteiligt sind. Auch der Knochenstoffwechsel ist auf eine normale Nierenfunktion angewiesen. Akute Funktionsstörungen der Nieren können etwa durch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien oder eine Vergiftung ausgelöst werden.
Auch ein Aufstau der Nieren bei urologischen Erkrankungen – bei Männern durch eine starke Vergrößerung der Prostata – kann zu einer akuten Störung der Nierenfunktion führen. Mitunter kommt auch ein genetischer Defekt oder eine Störung des Immunsystems als Auslöser eines Nierenversagens infrage.
Die mit Abstand häufigste Ursache einer langfristigen Nierenerkrankung sind ein schlecht eingestellter Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Besonders tückisch ist für Betroffene, dass die Schädigung der Nieren bei einem chronischen Verlauf zumeist schleichend und zunächst weitgehend ohne spezifische Symptome voranschreitet.
Wenig Urinausscheidung
„Eine chronische Nierenerkrankung bleibt oft lange Zeit unbemerkt und wird bei vielen Betroffenen erst als Zufallsbefund erkannt“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Stephan Lüders, Chefarzt des Nephrologischen Zentrums im St.Josefs-Hospital Cloppenburg. Wenn Symptome wie Wassereinlagerungen, ein deutlich vermindertes Ausscheiden von Urin oder eine Blutarmut mit dauernder Abgeschlagenheit und Müdigkeit auftreten, liegt meistens bereits eine schwerwiegende Schädigung des Entgiftungs- und Regulierungsorgans vor.
Das Fortschreiten einer Funktionsstörung lässt sich mit einer zielgerichteten Medikation und einem gesünderen Lebensstil zwar bremsen oder sogar stoppen. Eine komplette Erholung chronisch geschädigter Nieren ist meistens aber nicht möglich. In weit fortgeschrittenen Stadien kommt es im schlimmsten Fall zum Funktionsausfall beider Nieren, was eine Nierenersatztherapie nötig macht.
Lange Wartezeit
Betroffene sind dauerhaft mehrfach in der Woche auf eine Dialyse angewiesen, bei der das Blut von schädlichen Abbauprodukten befreit wird. Infrage kommt hier eine Blut- oder eine Bauchfelldialyse. Bundesweit sind über 60000 Menschen dialysepflichtig – mit einer seit Jahren steigenden Tendenz. Ein Leben ohne Dialyse ist bei einem dauerhaften Ausfall der Nierenfunktion nur mittels einer Transplantation möglich. Die Wartezeit für ein passendes Spenderorgan ist in Deutschland mit derzeit acht bis zehn Jahren allerdings sehr lang.
Als Grund für die Zunahme chronischer Nierenerkrankungen verweist die Gesellschaft für Nephrologie auf den starken Anstieg von Bluthochdruck und Diabetes. Aktuelle Studien zeigen, dass mindestens ein Viertel aller Nierenerkrankungen im Zuge eines Diabetes Typ 2 entstehen, der auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen ist.
