Brake - Wie hoch die Komplikationsgefahr bei einer Erkrankung des Herz-/Kreislaufsystems ist, hängt nach Angaben der Deutschen Herzstiftung vor allem von der Art und Schwere der kardiovaskulären Vorerkrankung ab. Eine bakterielle oder virale Infektion bedeute immer eine zusätzliche Belastung für herzkranke Menschen.. Ein bereits geschwächtes Herz-/Kreislaufsystem könne dadurch überfordert und destabilisiert werden. Bei älteren Menschen komme oft erschwerend hinzu, dass ihre im Zuge des Alterung ganz natürlich nachlassenden Kraftreserven nicht mehr ausreichen, um der zusätzlichen Arbeitsbelastung entgegenwirken zu können.
Bei einer kardiovaskulären Erkrankung wird die Situation mitunter schon bei ansonsten harmlosen Erregern problematisch, wenn die Atemwege durch eine Virusinfektion angegriffen werden. Bei einer Corona-Infektion kommt hinzu, dass die in der Lunge eingedrungenen Krankheitserreger über die gleichen Rezeptoren einen Zugang in die Herzzellen finden wie herzwirksame Blutdruckmittel und dort für weitere Schädigungen sorgen können.
Mehrere Organe
Dieses Wechselspiel kann sich besonders negativ auswirken, da dadurch die Rezeptorendichte auf der Zelloberfläche verändert wird, erklärt Dr. Andreas Reents, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie und Angiologie im St. Bernhard-Hospital Brake: „Über diesen Einschleungsmechanismus können bei einer Corona-Infektion neben der Lunge auch das Herz und weitere Organe geschädigt werden, auf deren Zelloberflächen sich dieser Rezeptor befindet.“ Als Folge können mehrere Organe angegriffen werden, wodurch sich die Grunderkrankung verschlimmert und lebensbedrohlich für den Betroffenen werden kann.
Zur Gruppe der Risikopatienten zählen insbesondere Menschen mit Herz-, Nieren- und Leberschäden, einem Diabetes oder mit Bluthochdruck. Auch wer in Folge einer Herzschwäche unter einer Funktionseinschränkung der Atemwege leidet, lebt in Zeiten von Corona mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial. Das Gleiche gilt für Menschen, die zugleich Probleme mit dem Atem- sowie dem Herz-/Kreislaufsystem haben – etwa, wenn neben einer Herzerkrankung auch Asthma oder COPD vorliegen. Nicht zuletzt müssen auch Patienten mit einem angeborenen Herzfehler und einer Herztransplantation besonders auf sich Acht geben.
Regeln strikt einhalten
Dazu gehört aus medizinischer Sicht neben einer besonders strikten Einhaltung der geltenden Hygiene- und Schutzregeln, dass sich Menschen mit einer Herzerkrankung gerade in Zeiten von Corona ausreichend mit den jeweils benötigten Medikamenten versorgen und möglichst die Telemedizin als Alternative für den Arztbesuch nutzen.
Bei einem Verdacht auf eine Covid 19-Infektion sollte man nicht unangemeldet in eine Arztpraxis gehen, sondern sich vorher telefonisch beim örtlichen Gesundheitsamt, dem ärztlichen Notdienst oder beim Hausarzt anmelden. Auf Notfälle ist das St. Bernhard-Hospital Brake gutvorbereitet, betont Dr. Reents: „Wir sind derzeit ausreichend mit Schutzkleidung, Intensivbetten sowie Beatmungsgeräten ausgestattet und und hoffen, dass die Kapazitäten auch in Zukunft ausreichen.“
