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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Lesertelefon „auf Reisen In Corona-Zeiten“: „Corona-Schutzmaßnahmen allein reichen nicht“

27.06.2020

Dazu informierten erfahrene Reise- und Tropenmediziner. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Schützen die allgemeinen Corona-Maßnahmen nicht auch vor der Ansteckung mit anderen Krankheiten?

Prof. Dr. Tomas Jelinek: Abstandsgebot, Handhygiene und Maskenpflicht schützen in erster Linie gegen Tröpfcheninfektionen. Krankheitserregern, die auf anderem Weg in den Organismus gelangen, beugen sie nicht vor. Bei einer Hepatitis A-Infektion werden die Viren beispielsweise über die Nahrung aufgenommen. Auch gegen die Übertragung von Bakterien oder Viren durch Mücken- oder Zeckenstiche helfen die Corona-Schutzmaßnahmen nicht. Vor einer Reise sollten also immer auch die Risiken bedacht und abgedeckt werden, die in der Urlaubsregion tatsächlich eine Rolle spielen.

Wir wollen mit dem Auto das östliche Mittelmeer bereisen – von Kroatien bis Albanien. Besteht dort eine konkrete Ansteckungsgefahr mit Hepatitis A- und B-Viren?

Prof. Dr. Karl-Heinz Herbinger: Eindeutig ja. Der gesamte Mittelmeerraum gilt als Risikogebiet für eine Hepatitis A-Infektion, die nicht von ungefähr auch den Namen „Reisegelbsucht“ trägt. Die Ansteckung erfolgt über verunreinigte Nahrungsmittel wie Muscheln, ungeschältes Obst, Salat oder Gemüse. Eine Gefahr geht zudem von verunreinigtem Wasser aus, etwa in Eiswürfeln oder Speiseeis. Weil es so gut wie unmöglich ist, sich sicher vor dem Kontakt mit dem Virus zu schützen, sollte vor Abreise eine Impfung erfolgen. Diese kann als Kombinationsimpfung auch den Schutz gegen Hepatitis B-Viren abdecken, die weltweit vorkommen und durch Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Ich habe leichtes Asthma. Was muss ich mit Blick auf eine mögliche Corona-Infektion beachten?

Prof. Herbinger: Die Impfprävention von Atemwegserkrankungen ist aufgrund der Corona-Pandemie verstärkt in den Blick gerückt. Vor einer zusätzlichen Erkrankung mit Krankheitserregern, die vor allem die Lunge betreffen, sollte man sich möglichst frühzeitig mittels einer Impfung schützen. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, den Status im Hinblick auf die Pneumokokken-, Pertussis- (Keuchhusten) und Influenzaimpfung zu überprüfen. Das gilt für praktisch alle chronisch Kranken, insbesondere wenn sie älter sind. Unabhängig davon sollte natürlich jeder Asthmatiker optimal medikamentös eingestellt sein.

Wie ist die Gefahr durch Mücken einzuschätzen?

Prof. Jelinek: Zu den neu eingewanderten Mückenarten in Europa gehört vor allem die Tigermücke (Aedes), die potenziell Infektionen wie Dengue, Chikungunya oder Zika übertragen kann. In verschiedenen Mittelmeerländern ist dies vereinzelt bereits vorgekommen. Solche Infektionen werden in Europa auf absehbare Zeit zwar seltene Einzelfälle in den Sommermonaten bleiben, dennoch ist Mückenschutz in vielen Gebieten zunehmend sinnvoll – allein schon, um die lästigen Stiche zu verhindern.

Welche Infektionsrisiken können in europäischen Ländern noch bestehen?

Dr. von Schrader-Beielstein: Ein Risiko, das häufig übersehen wird, ist die mehrheitlich durch Hundebisse übertragene Tollwut. Zwar ist die Übertragungsgefahr in Europa relativ gering, aber die Folgen einer unbehandelten Infektion sind dramatisch: Sie verläuft fast immer tödlich. Kommt es zum Kontakt mit einem möglicherweise tollwutinfizierten Tier, ist zeitnahe medizinische Hilfe entscheidend, um die Wunde zu versorgen und bei fehlendem Impfschutz zusätzlich eine passive Immunisierung durchzuführen.

Muss ich reisemedizinisch empfohlene Impfungen privat zahlen?

Prof. Herbinger: Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen Reiseschutzimpfungen als freiwillige Leistung. Dabei richten sie sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) sowie den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie sich vorab bei Ihrer Krankenversicherung erkundigen.

Worauf sollte ich achten, wenn ich meine Mutter (65) auf einer Reise begleite?

Prof. Herbinger: Alle Erwachsenen sollten einmalig bei der nächsten regulären Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie mit einem Kombinationsimpfstoff auch gegen Pertussis (Keuchhusten) und – je nach Reiseziel – gegen Polio (Kinderlähmung) geimpft werden. Die Abstände für diese Auffrischimpfungen sollten zehn Jahre nicht überschreiten. Des Weiteren sollten alle Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose (Herpes zoster) geimpft sein.

NWZonline.de/gesundheit
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