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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Schwimmbad, Badeseen & Strand: Wie gefährlich ist das Coronavirus beim Baden?

18.06.2020

Kiel Mit schönem Wetter und dem Sommerbeginn an diesem Wochenende nimmt die Badesaison an Nord- und Ostsee Fahrt auf. Vermutlich viele, die baden wollen, sind unsicher, wie groß das Ansteckungsrisiko des neuartigen Coronavirus im Wasser ist. Und: Gibt es Unterschiede zwischen gechlortem Wasser, Süß- und Salzwasser, stehenden oder fließenden, flachen oder tiefen Gewässern?

„Im Wasser selbst gilt das Übertragungsrisiko nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als äußerst gering wegen der starken Verdünnung oder wegen der Chlorierung“, sagte Prof. Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten. Dies sei aber nur ein Aspekt. „Von großer Bedeutung ist die Situation am Strand und die Dichte der Menschen im Wasser.“

Wie Fickenscher betont das Umweltbundesamt (UBA) die zentrale Bedeutung, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten: „Da das Tragen von Mund-Nasen-Schutz beim Baden nicht praktikabel ist, kommt der Einhaltung der Sicherheitsabstände im Wasser und an Land eine maßgebliche Bedeutung für den Schutz von Infektionen zu.“

Eine Übertragung über das Wasser hält das UBA für äußerst unwahrscheinlich. „Bisher gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation keine Hinweise darauf, dass dieses Virus über den Wasserweg übertragen wird. Grundsätzlich sollten aber Personen, die an einem akuten Infekt der Atemwege oder an einer Durchfallerkrankung leiden, nicht baden gehen, um andere Badende nicht zu gefährden.“

Der Eintrag von Coronaviren in Badegewässer ist laut UBA durch Infizierte zwar möglich. „Ob auf diesem Weg eine Ansteckung möglich ist, ist nicht geklärt.“ Wie Fickenscher resümiert auch das UBA: „Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist unter anderem wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering.“ Hauptübertragungswege seien direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen über virushaltige Tröpfchen, die beim Husten und Niesen freigesetzt werden sowie Schmierinfektionen über die Hände auf die Schleimhäute.

„Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen“, prognostizierte das UBA bereits im März. Fickenscher ergänzte, auch über Kläranlagen dürften kaum Coronaviren in Badegewässer gelangen. Denn Sars-CoV-2 könne als ein behülltes Virus nicht lange in Wasser überleben. Corona-Aspekte beim Baden kompakt:

Chlorwasser

Hier sehen die Experten die geringste Ansteckungsgefahr, sie betonen aber die Bedeutung der Abstandsregeln auch im Schwimmbecken oder Pool.

Salzwasser

Fickenscher sind keine Studien bekannt, ob das neuartige Coronavirus im Süß- oder im Salzwasser länger überleben kann. Generell hat dieses Virus vermutlich keine lange Überlebenszeit in Wasser.

Flache/Tiefe Gewässer

„Je größer die Verdünnung ist, desto geringer sind Ansteckungsrisiken im Wasser“, betonte Fickenscher. Insofern sei bei vielen Badenden in einem sehr flachen Uferbereich auch das theoretische Risiko, sich im Wasser anzustecken, etwas höher. Entscheidend sei aber am Wassersaum oder in flachen Gewässern, ob die Abstandsregeln eingehalten werden. „Denn im Grunde ist die Situation dort ja wie an Land“, sagte Fickenscher.

Seen & Flüsse

Auch hier lässt sich laut Fickenscher keine eindeutige Aussage machen. „Aber natürlich ist bei fließenden Gewässern davon auszugehen, dass die Verdünnung schneller passiert als in stillen Gewässern wie Seen oder Badeteiche – und damit das Ansteckungsrisiko im Wasser selbst geringer ist.“

Tipps

Die Abstandsregeln an Land und im Wasser einhalten, überfüllte Badestellen meiden“, rät Fickenscher als zentrale Verhaltensregel. „Es ist auch weniger riskant, im Freien zu schwimmen als in Hallen, da Aerosole als Übertragungswege im Freien praktisch keine Rolle spielen. Und das größte theoretische Ansteckungsrisiko lauert wegen der Feuchte und den Aerosolen dort, wo Duschen in Sanitärräumen zu eng nebeneinander stehen“, sagte Fickenscher.

NWZonline.de/gesundheit
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