Oldenburg - Aktuelle Studien zeigen, dass in Deutschland pro Jahr rund 150 000 Menschen an einem plötzlichen Herztod sterben, womit dieser die häufigste Todesursache außerhalb von Kliniken ist. Auch wenn die Betroffenen überleben, muss ein Teil von ihnen mit schwerwiegenden Folgen rechnen. Denn bei einem Herzstillstand sind schon nach drei bis fünf Minuten vor allem im Gehirn bleibende Schäden unausweichlich. Der Grund ist, dass bei einem Ausfall oder einer schweren Rhythmusstörung der Herzfunktion kein Blut in die Organe gepumpt wird. Als Folge werden die Organe nicht mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Zudem können dann während des Stoffwechsels anfallende Schadstoffe und Kohlendioxid nicht mehr über den Blutkreislauf abtransportiert werden.
Zerstörerische Wirkung
„Wenn das Herz nicht mehr schlägt, kommt es innerhalb weniger Minuten zu irreparablen Schäden in den Organen“, betont Prof. Dr. Andreas Weyland, Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie/Intensiv-/Notfallmedizin/Schmerztherapie im Klinikum Oldenburg. Wenn die im Zuge des Stoffwechsels produzierten Schadstoffe nicht mehr aus den Organen abtransportiert werden, entfalten sie dort eine zerstörerische Wirkung. Im Akut-Fall bewirkt ein Zusammenbruch des Kreislaufs, dass sich der Betroffene schon nach wenigen Sekunden nicht mehr auf den Beinen halten kann, weil das Gehirn von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten und bereits nach zehn bis zwölf Sekunden nicht mehr funktionstüchtig ist.
Bei der Wiederbelebung kommt es daher in erster Linie darauf an, den Kreislauf so schnell wie möglich wieder in Gang zu bringen. Professionelle Helfer und auf entsprechende Notfälle spezialisierte Krankenhäuser verfügen über das Know-how und die technischen Geräte, um viele Menschen zurück ins Leben holen zu können. „Bei umgehend eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen kann der Kreislauf in 30 bis 50 Prozent der Fälle wiederhergestellt werden“, berichtet Prof. Dr. Weyland. Allerdings verstirbt ein Teil dieser Patienten später doch an den Folgen des Kreislaufstillstands oder der auslösenden Erkrankung.
Dessen ungeachtet kann ein Teil der Herzstillstand-Betroffenen das Krankenhaus nach einiger Zeit komplett wiederhergestellt verlassen. Voraussetzung ist, dass die Rettungskette vom Ersthelfer, dem professionellen Rettungsdienst und den Notärzten bis hin zur Notfallaufnahme und der Kardiologischen Abteilung im Krankenhaus perfekt ineinandergreift und ohne unnötigen Zeitverlust funktioniert. Die Überlebens- und Regenerationschancen steigen ab dem Moment, in dem der Patient von medizinischen Profis erreicht wird.
Im Oldenburger Stadtgebiet dauert es nach aktuellen Erhebungen ab der Alarmierung durchschnittlich sieben Minuten, bis der Rettungswagen den Notfallort erreicht, was die im niedersächsischen Rettungsdienstgesetz festgelegte Höchstdauer von maximal 15 Minuten deutlich unterschreitet. In der Stadt Oldenburg erfolgen pro Jahr etwa 100 Reanimationen durch Notärzte oder Rettungsdienste.
Sieben Minuten zu lang
Bei einem Herzstillstand ist allerdings auch eine kurze Wartezeit von sieben Minuten zu lang. „Ohne umgehend eingeleitete Rettungsmaßnahmen eines Ersthelfers hat der Betroffene nur eine vergleichsweise geringe Überlebenschance“, erklärt Prof. Dr. Weyland. Für eine Wiederherstellung des Kreislaufs sei eine möglichst schnell eingeleitete, kontinuierliche Herzdruckmassage durch den Ersthelfer von entscheidender Bedeutung. Eine Laienreanimation führe etwa in jedem zweiten Fall zum Erfolg. Ohne die schnelle Hilfe gelinge die Wiederherstellung des Kreislaufs dagegen nur bei jedem dritten Patienten.
Im Notfall sei man daher unbedingt auch dann zur Soforthilfe aufgefordert, wenn man sich unsicher fühlt oder nicht weiß, was zu tun ist. So sei die Rettungsleitstelle auch auf eine sogenannte Telefonreanimation vorbereitet, bei der dem Ersthelfer genaue Anweisungen gegeben werden, so Prof. Dr. Weyland: „Das Schlimmste für den Patienten ist, nichts zu tun.“
Die Überlebenschance sinkt mit jeder Minute eines anhaltenden Herzstillstands um etwa zehn Prozent. Bereits nach zehn Minuten bewegt sie sich gegen Null. Allerdings gibt es vereinzelt Patienten, die noch nach deutlich längerer Zeit ohne eigenständige Herztätigkeit reanimiert wurden und das Ganze ohne größere Folgeschäden überstanden haben.
Der entscheidende Effekt einer Herzdruckmassage besteht darin, dass man damit das Blut durch rhythmische Kompression des Brustkorbs in Bewegung und zu den Organen bringt. Die im Blut enthaltenen Sauerstoffreserven stellen dann sicher, dass die Organe zumindest notdürftig versorgt und funktionstüchtig bleiben. Allerdings gelingt dies nur für begrenzte Zeit.
Der Rettungsdienst ist vor allem darauf ausgerichtet, die akute Lebensgefahr für den Patienten abzuwenden. Nach der Wiederherstellung der Kreislauftätigkeit durch verschiedene Maßnahmen wird der Betroffene sofort in eine spezielle Aufnahmeklinik gebracht. Dort gilt es zunächst, die Ursache für den Herzstillstand zu ermitteln und zu beseitigen.
