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Karies Dauerangriff auf die Zähne

Klaus Hilkmann

Oldenburg - Eine Karies-Erkrankung begleitet viele Menschen schon seit der frühen Kindheit. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland rund jedes zweite Kind bis zum Grundschulalter mindestens einen Kariesbefall an den Milchzähnen hatte. Bei jedem dritten Zwölfjährigen musste auch die zweite, bleibende Zahnreihe bereits wegen eines oder mehrerer Kariesbefälle behandelt werden. Im weiteren Lebensalter potenzieren sich die Folgeschäden. Bei Erwachsenen zwischen dem 35. und 44. Lebensjahr mussten im Schnitt 15 Zähne wegen eines Kariesbefalls mit einer Füllung oder Krone versehen oder sogar gezogen werden.

Löcher in Schutzschicht

Eine auch als Zahnfäule bezeichnete Karies wird durch die Einwirkung von Bakterien verursacht, die im Rahmen natürlicher Stoffwechselvorgänge entstehen und sich als klebriger Belag auf dem Zahnschmelz ansammeln. In Verbindung mit dort ebenfalls festgesetzten Nahrungsresten können sich die Bakterien rasant vermehren, weil sie aus der Nahrung verschiedene Zuckerstoffe gewinnen können, die ein gutes Wachstum ermöglichen. Das Problem für die Zahngesundheit ist dann, dass im Zuge dieses Prozesses auch aggressive Säuren entstehen, die den wie ein Schutzschild wirkenden Zahnschmelz angreifen und mit der Zeit immer weiter auflösen.

Wenn der Zahnbelag nicht regelmäßig entfernt wird, ist der eigentlich sehr harte Zahnschmelz einem Dauerangriff ausgesetzt, dem die äußerste Schutzschicht des Zahnes früher oder später nicht mehr standhalten kann. Als Folge entstehen Löcher im Zahnschmelz, durch die im Mundraum kursierende Stoffe ungehindert auf die darunter liegenden Strukturen – zunächst auf die Zahnkrone – einwirken können. „Ist der Schmelz porös geworden, können die Bakterien in den Zahn eindringen und ihn von innen heraus zerstören“, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Ohne eine frühzeitige zahnärztliche Behandlung müssen Betroffene mit schweren, oft sehr schmerzhaften Schäden und Entzündungen rechnen. Beim Zahnarztbesuch ist die Schädigung des betroffenen Zahns oft schon so weit fortgeschritten, dass er entfernt werden muss.

Häufigste Karies-Ursache ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Problematisch ist zum Einen zu seltenes oder falsches Zähneputzen, weil die schädigenden Beläge dann zu lange an den Zähnen haften bleiben. Erschwerend hinzu kommt der häufige Verzehr stark gesüßter Speisen und Getränke, berichtet Doctorandus Johanna Kant, 1. Vorsitzende des Bundesverbands der Kinderzahnärzte und Mitinhaberin einer Praxis für Kinder- und Jugendzahnheilkunde und Prophylaxe in Oldenburg: „Jedes Mal, wenn wir etwas Süßes essen oder trinken, können die in den Zahnbelägen sitzenden Bakterien den Zucker aufnehmen und in Säure umwandeln.“

Nach Mahlzeiten putzen

Da die im Speichel enthaltenen Mineralstoffe den Zahnschmelz für gewisse Zeit gegen entsprechende Angriffe schützen können, kann man Schädigungen mit einer sorgfältigen Zahnpflege entgegenwirken, betont Kant: „Wer seine Zähne täglich jeweils nach den drei Hauptmahlzeiten mit einer fluoridhaltigen Zahncreme putzt, hat gute Chancen auf gesunde und kariesfreie Zähne bis ins hohe Alter.“

So lange die Karies nur oberflächlich ist, kann sie heute mit sehr schonenden Behandlungsmethoden gestoppt werden, zu denen neben verschiedenen Versiegelungstechniken auch die sogenannte Kariesinfiltration gehört, bei der die Entmineralisierung des Zahnschmelzes aufgehalten wird. Auch durch das Auftragen fluoridhaltiger Gele kann dem Entstehen von Karies entgegengewirkt werden.

Eine weitergehende Behandlung ist erforderlich, wenn die Karies durch den Zahnschmelz zum Zahnbein vorgedrungen ist. Das Loch wird dann vom Zahnarzt sorgfältig gereinigt, mit gut verträglichem, langfristig haltbarem Material gefüllt und anschließend dicht verschlossen. Geschieht das nicht, kann die Karies bis zum Zahnnerv vordringen, was oft zu heftigen Schmerzen führt.

Viele Menschen unternehmen lange Zeit nichts gegen eine Karies, weil sie sich vor einem Zahnarztbesuch fürchten. Damit diese Angst erst gar nicht bei Kindern entsteht, ist neben einer kindgerechten Behandlung durch das Praxis-Team wichtig, dass die jungen Patienten den Zahn-Check beim Zahnarzt als normal empfinden, betont Zahnärztin Johanna Kant: „Die Eltern sollten kein großes Aufheben darum machen.“ Leider komme es aber auch immer wieder vor, dass Eltern die eigenen Ängste auf ihr Kind übertragen.

Die Kariesbehandlung muss auch bei weitergehenden Schäden nicht mit Schmerzen verbunden sein. Bei Kindern ist es wichtig, dass der Zahnarzt vorab erklärt, welche Behandlung geplant ist und wie diese ablaufen wird. Spätestens ab dem Kindergartenalter kann der betroffene Zahn lokal betäubt werden. „Er schläft ein“, erklärt Kant. Zusätzlich ist eine Sedierung mit Lachgas möglich. Bei schweren Schädigungen kann insbesondere bei kleineren Kindern eine Behandlung unter Vollnarkose sinnvoll sein.

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