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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Wenn kein Schritt mehr geht

10.10.2017

Delmenhorst Die Wirbelsäule besteht inklusive Hals-, Brust- und Lendenwirbeln sowie Bandscheiben aus insgesamt 57 festen und beweglichen Einzelteilen und verleiht dem Körper zugleich Mobilität und Stabilität. Die einzelnen Wirbelkörper sind mit einem komplexen Band- und Sehnenapparat miteinander verbunden. Dazwischen sitzen die Bandscheiben, die von außen einwirkende Kräfte wie ein Stoßdämpfer abpuffern.

In Verbindung mit dem Muskel- und Gelenksystem ermöglicht uns die in zwei S-förmigen Krümmungen verlaufende Wirbelsäule den aufrechten Gang sowie Beweglichkeit in alle Richtungen. Inmitten der Wirbelsäule bildet sich durch die Anordnung und Form der einzelnen Wirbelknochen ein vom Kopf bis zum Becken reichender Hohlraum, der im Schädel direkt an das Gehirn angebunden ist.

Folge von Verschleiß

Dieser Spinalkanal enthält neben Blutgefäßen und Nervenbahnen auch wesentliche Teile des zentralen Nervensystems (ZNS), das im Gehirn und im Rückenmark ein geschlossenes System bildet und an der Steuerung aller lebenswichtigen Funktionen beteiligt ist. Innerhalb des Kanals fließt neben dem durch eine Vielzahl von Nervenbahnen gebildeten Rückenmark der Liquor durch die gesamte Wirbelsäule. Diese Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit hat einerseits die Funktion, das ZNS zu polstern und somit bei Erschütterungen von außen zu schützen. Zudem werden damit im Gehirn und im Rückenmark entstandene Schadstoffe abtransportiert.

Eine Spinalkanalstenose entsteht abgesehen von eher seltenen angeborenen Fällen im Laufe des Lebens infolge von Verschleiß. Die damit verbundenen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule bilden sich in der Regel nicht durch schwere körperliche Arbeit oder Leistungssport. Als Ursachen kommen vielmehr vor allem über viele Jahre gebildete knöcherne Auswüchse an den Gelenken infolge einer Arthrose infrage, die oft mit einer Wirbelsäulen-Osteochondrose – dem Verschleiß des Zwischenwirbelraums – korrespondieren. Ein weiterer Grund kann das sogenannte Wirbelgleiten sein, bei dem sich benachbarte Wirbelkörper unnatürlich gegeneinander verschieben.

Ungeachtet der Ursache hat eine Spinalkanalstenose für die Betroffenen oft sehr unangenehme Auswirkungen, betont Dr. Dirk Meyer, Chefarzt der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie und spinale Neurochirurgie im Josef-Hospital Delmenhorst: „Durch die Verengung entsteht ein schmerzhafter Druck auf alle im betroffenen Bereich verlaufenden Nervenbahnen. Das kann unter anderem dazu führen, dass schon kurze Gehstrecken zu einer Qual werden und die Mobilität zunehmend verloren geht.“

Fachgesellschaften schätzen die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf rund ein Prozent der Bevölkerung, wobei das Erkrankungsrisiko bis zum 60. Lebensjahr eher gering ist. Danach steigt es aber mit dem Alterungsprozess der Wirbelsäule deutlich an. Frauen müssen häufiger als Männer mit schwerwiegenden Beschwerden rechnen.

Schleichender Prozess

Eine Spinalkanalstenose baut sich meistens über einen längeren Zeitraum in einem schleichenden Prozess auf. Weil die Symptome vielfältig sind und unterschiedlich ausgeprägt sein können, sind sie von den Betroffenen schwer zu spezifizieren und werden mitunter als Begleiterscheinung eines hohen Lebensalters einfach hingenommen. Anders ist das, wenn starke Beschwerden für einen erheblichen Verlust an Lebensqualität sorgen, erklärt Dr. Meyer: „Für viele Menschen ist es unerträglich, wenn sie immer weniger zu Fuß erledigen können. Mitunter ist schon der kurze Weg zum Bäcker eine unüberwindliche Strecke.“

Da meistens die Lendenwirbelsäule betroffen ist, klagen Patienten insbesondere über Schmerzen im unteren Rückenbereich, die beim Laufen in die Beine ausstrahlen und dann Gangstörungen verursachen. Charakteristisch ist auch, dass beim Radfahren mit einer nach vorn gebeugten Körperhaltung häufig keine Probleme auftreten. Der Grund ist, dass sich die Wirbelsäule dabei streckt und somit der Spinalkanal mit seinen Strukturen mehr Platz gewinnt.

Bei Menschenmit einer ausgeprägten Wirbelsäulenkanal-Verengung sind die Beschwerden oft so stark, dass selbst kleine Spaziergänge unmöglich sind. Während bei der vom Symptombild sonst vergleichbaren gefäßbedingten Schaufensterkrankheit ein kurzer Halt im Stehen ausreichen kann, führt eine solche Erholungspause bei einer Spinalkanalstenose oft nicht zu einer ausreichenden Besserung, so Dr. Dirk Meyer: „Die Betroffenen müssen sich hinsetzen, weil sie einfach nicht mehr weiter können.“

Eine sorgfältige Anamnese, bei der die Probleme genau geschildert werden, bringt oft bereits im ersten ärztlichen Gespräch sichere Hinweise auf eine Spinalkanalstenose. Zur Absicherung des Verdachts eignen sich vor allem bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie oder eine Computertomografie, mit denen man den verengten Bereich des Wirbelkanals erkennen kann. In selteneren Fällen kann darüber hinaus eine Untersuchung des Rückenmarks mittels eines Röntgen-Kontrastmittels – die Myelografie – erforderlich sein.

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