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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Die unerkannten Krankmacher

26.11.2013

Neuenkirchen Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie betont, dass jeder fünfte Hausarzt-Patient unter körperlichen Beschwerden leidet, für die es keine ausreichende organische Erklärung gibt. Als Folge haben die Betroffenen oft eine lange Krankheitsgeschichte mit zahlreichen erfolglosen Therapieversuchen hinter sich.

Viele von ihnen haben die Hoffnung auf Besserung verloren und belassen es bei einer Behandlung der Symptome, was mitunter die Abhängigkeit von Schmerz- und Beruhigungsmitteln sowie Medikamenten oder Suchtmitteln bedeutet, ohne dass sich eine dauerhafte Besserung einstellt. Studien zeigen, dass es durchschnittlich sechs Jahre dauert, bis eine psychosomatische Störung identifiziert und eine qualifizierte Behandlung eingeleitet wird.

Die Erscheinungsformen psychosomatischer Erkrankungen sind ebenso komplex wie vielfältig. Typisch sind vor allem chronisch auftretende, in ihrer Form und Stärke wechselnde körperliche Störungen, die sehr unterschiedliche Körperteile und Systeme des Organismus betreffen können.

Große Bandbreite

Die Bandbreite der Akut-Beschwerden und Erkrankungsfolgen reicht von immer wiederkehrenden, unerklärlichen Schmerzen und/oder Funktionsstörungen des Atmungssystems oder des Darms bis hin zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und zum Infarkt. In vielen Fällen werden die körperlichen von psychischen Störungen begleitet, berichtet Dr. Lothar Neitzel, Leitender Arzt der Clemens-August-Klinik, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Neuenkirchen-Vörden: „Rund 33 Prozent der Patienten, die mit einer psychosomatischen Störung zu uns kommen, leiden auch unter einer depressiven Störung.“ Betroffene unterliegen dann häufig unter extremen, nicht vorhersehbaren Stimmungsschwankungen, Ängsten, Konzentration- und Antriebsstörungen sowie massiven Schlafstörungen. Nicht selten ist das Ganze mit anderen Störungen verbunden, wie etwa einer Suchterkrankung, wenn der Patient versucht, sich mit Alkohol oder Drogen selbst zu „behandeln“.

Als eine Kategorie der Psychosomatik nennt die Medizin die Psychosomatose, die meistens durch mitunter lange zurückliegende Traumata oder Gefühle wie Angst oder Schuld ausgelöst wird. Körperlich wahrnehmbare Folgen sind vor allem Asthma im Bereich des Atemsystems sowie Störungen des Herz-Kreislaufsystems und des Magen-Darmtrakts. Unter anderem zählen Morbus Krohn und Colitis Ulcerosa zu den typischen Erkrankungen.

Eine zweite große Gruppe sind somatoforme Störungen, bei denen psychogene Probleme immer wieder körperliche Beschwerden nach sich ziehen. Da die rein körperlichen Untersuchungen häufig keinen Befund und somit auch keine Erklärung für die Beschwerden bringen, bleibt die Ursache in vielen Fällen sehr lange im Dunkeln. Häufige Symptome sind wiederkehrende Atemnot und Erschöpfungszustände sowie Kopf- und Rückenschmerzen. Betroffene können aber auch unter ständigen Attacken mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall leiden.

Überall Schmerzen

Die durch eine psychosomatische Erkrankung ausgelösten Schmerzsymptome können sich aber auch – etwa bei einer Fibromyalgie – auf den gesamten Körper verteilen. Die Fibromyalgie ist als somatoforme Schmerzstörung zu 95 Prozent psychogen bedingt. Nicht zuletzt deswegen ist die störungsspezifische Psychotherapie die Hauptbehandlungsstrategie in der psychosomatischen Medizin. Die Grundlage für viele psychosomatische Erkrankungen wird häufig schon im Mutterleib gelegt, erklärt Dr. Neitzel: „Wenn die Mutter ihr Baby nicht haben möchte, wird das über die Nabelschnur vom mütterlichen Körper auf den Fötus übertragen.“ Dann werden zu wenig sogenannter Bindungshormone ausgeschüttet, was zu einer frühen Bindungstraumatisierung führen kann. Vor allem wenn sich dieser Mangel an Nähe und Wärme im Kindesalter fortsetzt, werden die Bindungsdefizite verfestigt, so Dr. Neitzel: „Das ist dann häufig die Grundlage für schwere psychische und psychosomatische Erkrankungen wie etwa einer Depression.“

Viele Betroffeneleiden lebenslang unter einer frühen strukturellen Bindungsstörung. „Eigentlich geht es immer um den Wunsch nach Geborgenheit, Nähe und Bestätigung“, erklärt Dr. Lothar Neitzel. Wer zu wenig dieser elementaren Grundbedürfnisse befriedigen kann, läuft diesem Defizit mitunter bis ins hohe Alter hinterher, so Dr. Neitzel: „Dadurch wird eine Stressachse in Gang gesetzt, die den Körper und die Psyche stark belastet und häufig die Ursache für immer wieder aufs Neue auftretende psychosomatische Beschwerden ist.“

Die auf uns einwirkenden Stressoren hatten schon bei den Urzeitmenschen unmittelbare Auswirkungen auf das Denken, Fühlen und Handeln. Äußere Einflüsse, die starke Urgefühle wie Angst ansprechen, lösen im Körper automatisch die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die über das Blut in alle Organe und Zellsysteme sowie ins Gehirn transportiert werden. Als Folge kann sich eine Vielzahl körperlicher und psychischer Reaktionen einstellen, die später zu Erkrankungen führen.

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