München/Berlin - Obst und Gemüse, jeden Tag so viel, bis man satt ist. Begleitend trinkt man Kräutertees und Wasser. Kaffee und Alkohol sind tabu. Das gilt auch für Nahrungsmittel wie Wurst, Fleisch sowie Milch- und Getreideprodukte. Das ist Basenfasten.

Nach Überzeugung der Verfechter dieser Fastenform wird der Körper durch Basenfasten von Grund auf entsäuert und entschlackt. „Viele fühlen sich nach Ende einer Basenfasten-Kur voller Schwung und Energie“, erklärt die Münchner Diplom-Ökotrophologin und Heilpraktikerin Susanne Kirstein.

Oft verlieren die Fastenden auch an Körpergewicht – das wird als angenehmer Nebeneffekt wahrgenommen. Außerdem soll das Basenfasten einen günstigen Einfluss auf Krankheiten wie Osteoporose, Kopfschmerzen oder Haarausfall haben.

Die Verfechter des Basenfastens gehen davon aus, dass der Körper durch zu viel Wurst, Fleisch, Kaffee und Alkohol, aber auch durch Fastfood, Umweltgifte und Stress „übersäuern“ kann. Diese sogenannten Säuren sollen sich unter anderem im Bindegewebe ablagern und dafür sorgen, dass der natürliche Säure-Basen-Haushalt im Körper aus der Balance gerät.

Dieses Ungleichgewicht könne die Nährstoffversorgung der Zellen beeinträchtigen und somit etwa zu Schlafstörungen, Gicht oder Muskelschmerzen führen. Um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen, werden eine Zeit lang ausschließlich sogenannte basische Lebensmittel – Obst und Gemüse – verzehrt.

Die Theorie ist umstritten. „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass der menschliche Körper bei ansonsten gesunden Menschen durch Ernährung übersäuern kann“, betont Prof. Andreas Michalsen. Er ist Chefarzt für Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus in Berlin. Nach seinen Angaben ist auch die Annahme, dass eine solche Übersäuerung Krankheiten auslösen kann, nicht erwiesen. „Fest steht allenfalls, dass zu viel Fleisch und Wurst Osteoporose fördert.“

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält nichts von der Annahme, dass der Körper übersäuern kann. „Verschiedene Puffersysteme unseres Körpers regulieren die Säure-Basen-Konzentration im Blut und halten sie konstant“, betont DGE-Sprecherin Antje Gahl. Ähnlich äußert sich Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED): Die Vorstellung einer „Übersäuerung“ des Körpers gab es nach ihren Worten nur bei dem bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschenden Bild zum Säure-Basen-Haushalt. „Nach heutigem Fachwissen entwickelt sich beim gesunden Menschen keine Übersäuerung durch die Ernährung“, so Morlo.

Also bringt das Basenfasten nichts? „Doch“, sagt Michalsen. Basenfasten ist aus seiner Sicht „zweifelsohne eine Wohltat für den Körper und kann dazu führen, dass neue Energie freigesetzt wird“. Nur die Theorie dahinter sei eben wissenschaftlich nicht bewiesen. Besonders effektiv könne das Basenfasten im Kreis von Gleichgesinnten sein.

Siebentägige Fastenkuren werden in vielen Wellness-Hotels oder in Fastenzen­tren angeboten. „In der Regel gibt es zwei Entlastungstage sowie fünf reine Fastentage“, sagt Susanne Kirstein. Mit den Entlastungstagen wird der Körper langsam auf das Fasten vorbereitet.

An den fünf Fastentagen nehmen die Fastenden morgens, mittags und abends Obst und Gemüse zu sich – und zwar so viel, wie sie mögen. Gemüse wird als Brühe oder Suppe verabreicht, alles ist frisch gekocht. Zusätzlich gibt es frisch gepresste Säfte aus Gemüse und Obst. Die Fastenden sollen außerdem viel Wasser und Kräutertees trinken. Wer keine Zeit hat, fürs Basenfasten ins Hotel oder in eine Akademie zu gehen, kann dies auch zu Hause machen - vorausgesetzt man ist gesund.