Dr. Romy Ermler (Bild) ist Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer.
Kann eine Parodontitis Begleiterkrankungen auslösen?
ErmlerJa. Eine Parodontitis ist eine chronische Entzündung, die Einfluss auf Stoffwechselprozesse im ganzen Körper hat. Etliche ernsthafte Erkrankungen hängen damit zusammen, können sich verschlechtern bzw. werden getriggert. Das sieht man besonders deutlich bei Diabetes. Aber auch Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma, Nierenerkrankungen, Frühgeburten sowie die Schwere einer Corona-Erkrankung sind oft mit einer Parodontitis verknüpft. Allgemeinerkrankungen können sich verbessern, wenn die Parodontitis behandelt.
Warum wird das Herz-/Kreislaufsystem dadurch belastet?
ErmlerPatienten mit Parodontitis können ein bis zu 49 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall haben. Die Forschung geht unter anderem davon aus, dass Bakterien durch die Parodontitis in den Blutkreislauf gelangen, die die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen. Entzündungsmoleküle können über die Blutgefäße des Zahnfleisches in die systemische Zirkulation – den großen Blutkreislauf – gelangen.
