Oldenburg - Gute Erfolge sind nach aktuellen wissenschaftlichen Studien in der Schmerztherapie nachgewiesen. „Doch auch in vielen anderen Bereichen wie etwa bei Magen-/Darmproblemen, Schlafstörungen oder in der Suchttherapie wird die Akupunktur mit großem Erfolg als begleitende Behandlung eingesetzt“, betont Ralph Reck, Arzt für Naturheilverfahren und Traditionelle Chinesische Medizin mit Praxis in Oldenburg.
Das Prinzip beruht darauf, dass der Körper seine Informationen über Nervenbahnen bezieht und in die Muskeln sowie die verschiedenen Regionen verteilt. Dieser Energiefluss erfolgt auf genau festgelegten Längsbahnen – den sogenannten Meridianen –, die miteinander verbunden sind. Wenn der Energiefluss gestört oder unterbrochen ist, kommt es zu Beschwerden oder Erkrankungen.
Energiefluss anregen
Die für die Energieversorgung zuständigen Meridiane verlaufen auf unterschiedlich langen Bahnen. Zum Beispiel können akute Schmerzzustände bei einer Akupunktur-Behandlung oft über deutlich kürzere Bahnen angesteuert werden als tiefsitzende Muskelverspannungen oder Beschwerden, die ihren Ursprung im Stammhirn haben. Von dort werden vom Appetit bis zum Herzschlagrhythmus und der Schlafqualität eine Vielzahl von Körperfunktionen gesteuert, auf die der Verstand keinen Einfluss hat – die dafür aber über die Meridiane erreicht werden können.
Mit dem Ansetzen einer Akupunkturnadel auf einen bestimmten, mit dem jeweiligen Problembereich korrespondierenden Punkt kann der stockende Energiefluss auf dem passenden Meridian angeregt und verbessert werden. Konkret werden dafür die wie ein elektrisches Leitungssystem funktionierenden Nervenbahnen genutzt, mit denen vom Gehirn bis in die Finger- und Zehenspitzen der gesamte Körper durchzogen ist. Das Ansetzen einer Nadel auf einem der insgesamt 365 bekannten Akupunkturpunkte löst eine Stimulation der über das Rückenmark bis ins Gehirn geleiteten Nerven aus. Der so ausgelöste Reflexreiz reicht bis zu der angesteuerten Zone und signalisiert dem Organismus, dass es genau in diesem Bereich ein Problem gibt. Das körpereigene Abwehrsystem regelt dann das Nötige, erklärt Ralph Reck: „Die Akupunktur unterstützt damit die Selbstheilungskräfte des Körpers.“ Die Behandlung könne nicht nur bei akuten Beschwerden helfen.
Die für die Akupunktur verwendeten Nadeln bestehen meistens aus rostfreiem Edelstahl und sind je nach Art der Beschwerden unterschiedlich dick und lang. Zum Teil reicht schon der Einsatz sehr feiner, knapp fünf Zentimeter kurzer Nadeln für eine deutliche Beschwerdelinderung aus. Bei hartnäckigen, tief sitzenden muskulären Verspannungen kann mitunter die Behandlung mit größeren Kalibern erforderlich sein, um den Problembereich zu erreichen.
Intensive Schulung nötig
Wo die einzelnen Akupunkturpunkte entlang des Körpers zu finden sind, ist in Schaubildern aus der Traditionellen Chinesischen Medizin genau aufgezeichnet. Zum Beispiel verläuft der für den Magen verantwortliche Meridian mit seinen wichtigsten Punkten direkt unterhalb des Knies an der Außenseite des linken Unterschenkels. „Mit etwas Übung kann man oft schon mit einer Ansteuerung der Punkte per Fingerdruck eine Linderung akuter Magenprobleme erreichen“, berichtet Ralph Reck. In seiner TCM-Praxis reichen bei rund 80 Prozent der Behandlungen die 125 wichtigsten Akupunkturpunkte aus. Um die Nadeln exakt setzen zu können, ist allerdings eine intensive Schulung erforderlich. Die Akupunktur-Fortbildung umfasse mindestens 150 Fortbildungsstunden sowie eine anschließende Prüfung vor der Ärztekammer.
Bevor Ralph Reck eine Akupunkturnadel setzt, klärt er in einem intensiven Patientengespräch ab, ob diese Therapie geeignet und erfolgversprechend ist. Wenn keine Ausschlusskriterien vorliegen, wird im Rahmen einer körperlichen Untersuchung als Nächstes der Problembereich genau eingegrenzt. Bei Schmerzpatienten kann der Arzt zum Beispiel durch leichtes Streichen über die Haut und wenn nötig auch mit sanftem Druck feststellen, wo die Schmerzquelle sitzt. Anhand dieser Voruntersuchung kann der Akupunkteur dann entscheiden, wohin, wie tief und wie lange die Nadeln gesetzt werden müssen.
Viele Patienten können mittels Akupunktur dauerhaft von oft langjährigen Beschwerden befreit werden, berichtet Ralph Reck: „Häufig stellt sich die Wirkung schon unmittelbar nach der Behandlung ein.“ Eine Akupunktur dauert in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. In dieser Zeit sollte der Patient in einem möglichst angenehmen Umfeld entspannt und ruhig gelagert sein. Damit die Nadel möglichst schmerzfrei in die Haut eindringen und eine optimale Wirkung erzielen kann, wird sie synchron zur Atmung des Patienten appliziert. Zudem kann die Einstichstelle und ihre Umgebung vor der Behandlung leicht massiert werden. Pro Akupunktur-Behandlung können bis zu ein Dutzend Nadeln eingesetzt werden.
Am Handgelenk befindet sich der so genannte Glückspunkt, der in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Shen Men beschrieben wird, was ins Deutsche übersetzt Tor des Geistes bedeutet. Eine auf diese Stelle gesetzte Akupunkturnadel erzeugt beim Patienten eine positive Stimmung, die ihn über den gesamten Tag begleiten kann.
