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„Entscheidend ist die Lebenseinstellung“

Kai Hippen

Steinhausen - Rund 100 Zuhörer waren am Donnerstagabend zum Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) in die „Altdeutsche Diele“ nach Steinhausen gekommen, um sich über Salutogenese zu informieren. Dahinter steht die Frage: „Wie entsteht Gesundheit?“ Referent war GELB-Sprecher Dr. Joachim Hensel.

Er zitierte den deutschen Philosophen Hans-Georg Gadamer: Gesundheit sei schwer zu definieren, etwas Verborgenes: „Ein Zustand der inneren Angemessenheit und der Übereinstimmung mit sich selbst, Rhythmik des Lebens, ein ständiger Vorgang, in dem sich immer wieder Gleichgewicht stabilisiert.“

Ärzte würden sehr viel lernen über die Entstehung von Krankheiten und über Lindern, Zurückdrängen, Erträglichmachen. Hensel: „Aber vor lauter Lernen und Kümmern über die Krankheit haben wir Ärzte wohl die Gesundheit vergessen.“

Dabei gebe es das selten gelehrte Fach Salutogenese, Entstehung von Gesundheit: „Das müsste vor Pathogenese, der Entstehung der Leiden, in der Ausbildung der Ärzte drankommen.“

Eigene Kraftquellen

Denn Gesundheit sei von Anfang an da im Menschen: „Wir sind alle mit einem heilen Kern geboren worden. Die Bedingungen des Lebens haben dann oft die Schale dieses Kernes geritzt oder sogar zerstört. Wir wissen gut, welchen Eigenanteil wir Menschen an diesen Verletzungen unserer Gesundheit haben. Mit unserer Ernährung, unserer Lebensführung und unserer Umweltvergiftung.“

Dabei falle auf, dass es Menschen gebe, die auch in extremen Situationen gesund bleiben und nicht krank werden wie viele um sie herum. Hensel: „Mein Konzept zur Gesunderhaltung gibt es nicht bei der Krankenkasse, es ist nicht für Geld zu haben. Dieses Konzept ist eine grundsätzliche Lebenseinstellung, die Konsequenz, Mitarbeit, tägliches Tun und eigene Information erfordert.“

„Welche Faktoren besitzt ein Mensch, dass er trotz vieler potenziell gesundheitsgefährdender Einflüsse und extremer Belastungen nicht krank wird?“ Hensel brachte den Begriff Resilienz ins Spiel, den man mit Widerstandfähigkeit übersetzen kann, das Vermögen, Krisen zu meistern durch Rückgriff auf eigene Kraftquellen.

Der zweite wichtige Begriff: Kohärenz, die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können, das Gespür und Merken, dass das Leben einen Sinn hat. Mit den Kriterien des Soziologen Aaron Antonovsky: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit der eigenen Lebensführung.

Die Entstehung von Gesundheit scheint Hensel zufolge also im Nichtmateriellen zu liegen. Zu den Faktoren gehören laut Hensel sogenannte Stressoren, durchaus auch negative Erlebnisse, die trotzdem gesunderhaltend wirken können. „Der Mensch, der in sich Gesundheit entstehen lassen will, muss die Kraft aufbringen, einen eigenen, inneren, abrufbaren Schatz zu aktivieren, der in belastenden Situationen zur Verfügung steht.“ Das werde mit Anbindungen an Mitmenschen unterstützt, in der Familie, in einer Kirchengemeinde, in Tätigkeiten mit Sozialkompetenz: „Der Mensch braucht das Gegenüber, er wird am Du zum Ich“ (Martin Buber).

Verhalten gibt Ausschlag

Hensel: „Gesundheit ist ein ganzheitliches Problem. Sie entsteht durch ein Zusammenwirken von physischen, psychischen und sozialen Faktoren. Diese Faktoren werden beeinflusst durch das Verhalten des Menschen selbst.“ Ressourcen, also Quellen für den Gewinn an Gesundheit, seien immaterielle Dinge, die man nicht kaufen könne, Liebe sowie Freundschaft. „Durch ein selbstvergessenes Weggebensein an das Leben entsteht Gesundheit“ (Gadamer).

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