Oldenburg - Zu viel Hitze, eine Unterzuckerung oder eine Überforderung des Körpers – wenn jemand bewusstlos wird, ist schnelle Hilfe gefragt. Als Ersthelfer kann man in einer solchen Situation bereits einiges tun, dennoch sollte so schnell wie möglich auch ein Notruf abgesetzt werden. „Funktioniert in einem solchen Fall die Atmung, sollte man den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen und den Mund öffnen, damit eventuell Erbrochenes abfließen kann“, weiß Heike Dierks, Trainerin für Erste-Hilfe-Kurse und Leiterin des Fachbereichs Ausbildung im Ortsverband Oldenburg der Johanniter und empfiehlt gleichzeitig: „Um in einer solchen Situation angemessen handeln zu können, können Erste-Hilfe-Kurse sehr hilfreich sein. Am besten frischt man sie alle zwei Jahre auf, da es hier immer wieder auch Neuerungen gibt, aber auch, um das Erlernte zu trainieren und im Notfall sicherer und beherzter eingreifen zu können.“
Bei einem Schlaganfall können Sehstörungen vorkommen, Lähmungserscheinungen oder allgemeine Benommenheit. Um herauszufinden, ob jemand einen Schlaganfall erlitten hat, gibt es den FAST-Test aus dem englischsprachigen Raum.
Der Notruf sollte schnellstmöglich erfolgen, da mit jeder verstrichenen Minute unwiederbringlich Gehirnzellen absterben können.
Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
Time: Zögern Sie nicht, wählen Sie sofort die 112 und schildern Sie die Symptome.
Bei Atemstillstand
Sehen, hören oder fühlen: Hat man die Atmung kontrolliert und festgestellt, dass diese nicht funktioniert, dann ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung notwendig, die auch ein Ersthelfer vornehmen kann. Verschiedene Ursachen können der Auslöser sein, beispielsweise ein Herzinfarkt. „Woran viele nicht denken: Auch jüngere Menschen können einen solchen erleiden“, sagt Heike Dierks. Besonders hygienisch ist die Beatmung mit kleinen Hilfsmitteln. So kann man beispielsweise ein Beatmungstuch nutzen, das sich als „Lifekey“ auch am Schlüsselbund befestigen lässt und somit immer verfügbar ist. Eine andere Möglichkeit, die beispielsweise im Verbandskasten dauerhaft einen Platz finden könnte, ist eine stabile Maske. „Der Vorteil: Man muss während der Beatmung nicht die Nase zuhalten, da fühlt man sich auch sicherer.“ Und so funktioniert die Wiederbelebung: 30-mal mit übereinandergelegten Händen etwa fünf bis sechs Zentimeter tief auf den Brustkorb der kollabierten Person drücken. Danach zwei Mal beatmen und so im Wechsel fortfahren. „Es ist ganz normal, dass der Rhythmus beim Drücken mit der Zeit langsamer wird. Dennoch bitte auf alle Fälle weitermachen. Selbst wenn man sich verzählt, ist dies nicht so schlimm, als wenn man aufhören würde.“
Probleme in der Brust
Nicht immer ist Bewusstlosigkeit oder ein Atemstillstand bei einem Schwächeanfall oder Herzinfarkt die Folge. Bricht jemand plötzlich zusammen, hat Schmerzen in der Brust oder Probleme beim Atmen, ist in erster Linie Entlastung für den Oberkörper angesagt. „Dieser sollte am besten hoch liegen, um die Atmung zu unterstützen. Kleidung kann zusätzlich ein Gefühl der Enge geben und sollte daher gelockert werden. Auch frische Luft tut gut, daher ruhig ein Fenster öffnen“, so Heike Dierks. Gibt es keine Möglichkeit, den Oberkörper höher als den Rest zu lagern, kann man sich hinter die betroffene Person knien, so dass sie sich anlehnen kann. Gerade eine solche Situation ist oft mit viel Angst verbunden, so dass beruhigende Worte sehr hilfreich sind – auch um die Atmung unter Umständen weiter zu stabilisieren. Gerade, wenn der Betroffene unruhig und ängstlich ist, kann dies die Atmung schneller und flacher werden lassen, sodass er zusätzlich mit noch weniger Sauerstoff versorgt wird.
Herzinfarkt oder Angina pectoris?
Die Symptome hier sind sehr ähnlich, denn bei beiden sind die für Versorgung des Herzmuskels mit Blut und Sauerstoff zuständigen Herzkranzgefäße verengt. Die Angina pectoris ist allerdings ein vorübergehendes Notfallbild, das sich durch Schonung und Ruhe nach einiger Zeit wieder normalisiert. Sie kann jedoch auch Vorbote eines Herzinfarkts sein, bei dem die Herzkranzgefäße durch ein Blutgerinnsel komplett verschlossen werden. Für beide Formen typisch ist der stechende Schmerz hinter dem Brustbein.
Wenn der Körper krampft
Hier geht es zunächst um den Schutz des Krampfenden. Da er seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hat, kann er sich leicht verletzen. Daher sollten zunächst störende Gegenstände beiseite geräumt werden. Ein Polster unterm Kopf tut gut. Liegt die betroffene Person im Bett oder auf einem Sofa, sollte der Ersthelfer auch dafür sorgen, dass sie nicht herausfällt. Angst vor einem Zungenbiss? Trotzdem keinesfalls etwas zwischen die Zähne schieben, denn dies kann zu weiteren Verletzungen führen, beispielsweise durch Holzsplitter. Auch festhalten ist nicht sehr sinnvoll, hingegen kann die stabile Seitenlage nach dem Krampfen beruhigend wirken.
Trost tut gut
In einer Notsituation fühlt sich der Betroffene sehr hilflos. Umso wichtiger ist es, dass der Ersthelfer eine gewisse Ruhe ausstrahlt, auch während des Telefonats mit dem Rettungsdienst. Die aufgeregte Ansage, dass es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte, beunruhigt zusätzlich. Viel wichtiger sind nun beruhigende Worte auch vorsichtiger Körperkontakt kann tröstend wirken, Sprechen und Zuhören ebenso.
