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Zahnheilkunde Fester Biss bis ins hohe Alter

Klaus Hilkmann

Oldenburg - In Deutschland ist schon jetzt abzusehen, dass im Jahr 2030 rund ein Drittel der Bevölkerung 60 Jahre und älter sein wird. Auch die Zahl der über 80-Jährigen wird in den nächsten Jahrzehnten ansteigen. Für die Zahnmedizin ergeben sich daraus zahlreiche Veränderungen, betont der Oldenburger Zahnarzt Axel Zahn: „Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten zu gebrechlich oder zu krank für einen Routinebesuch beim Zahnarzt sind. Deswegen werden Zahnärzte in Zukunft deutlich häufiger für Kontroll- und Prophylaxebehandlungen zu den Patienten fahren müssen.“

Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Zahnpflege und die Behandlung von Zahnerkrankungen vernachlässigt wird oder ganz unterbleibt. Die Folge ist, dass die im Alter ohnehin durch jahrzehntelangen Gebrauch strapazierte Zahnsubstanz weiter geschädigt wird – häufig so stark, dass nicht mehr genügend Zähne für eine normale und bekömmliche Nahrungsaufnahme erhalten werden können, was wiederum Verdauungsprobleme und zahlreiche Folgeerkrankungen verursachen kann.“

Angst vor den Kosten

Neben den mit dem Verlust der Zähne verbundenen Funktionsbeeinträchtigungen sorgt bei vielen Patienten der bei jedem Blick in den Spiegel sichtbare optische Mangel für einen hohen Leidensdruck. Trotzdem scheuen sich gerade viele Menschen, die im Alter auf Hilfe angewiesen sind, den Zahnarzt um einen Besuch zu Haus oder im Alten-/Pflegeheim zu bitten, berichtet Axel Zahn: „Viele Patienten fürchten sich vor dem Zahnarzt und haben zudem Angst vor finanziellen Belastungen, weil sie nicht wissen, dass die Kosten für einen erforderlichen Hausbesuch in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.“

Der seit mehr als 20 Jahren auf Alterszahnheilkunde spezialisierte Zahnarzt Axel Zahn besucht pro Woche zehn bis 15 Patienten. Er arbeitet regelmäßig mit sechs Alten- und Pflegeheimen sowie dem Oldenburger Hospiz zusammen. Die Terminvereinbarung erfolgt auf Anfrage: „In der Regel schaffen wir es, nach spätestens 48 Stunden vor Ort zu sein. Wenn der Patient unter Zahnschmerzen leidet, versuchen wir, ihm noch am gleichen Tag zu helfen.“

Für den Besuch im Alten- oder Pflegeheim nimmt Axel Zahn einen Instrumentenkoffer mit, der neben speziellen Bürsten, Pinzetten, Zangen und kleinen Bohrern unter anderem auch Gels, Salben und Medikamente zur Schmerzlinderung enthält. Die Behandlung ziele stets darauf ab, den Menschen auch im hohen Alter eine möglichst große Lebensqualität zu erhalten. „Dabei kommt es nicht in erster Linie auf die Schönheit, sondern auf die Funktionsfähigkeit der Zähne an“, so Axel Zahn. Für das Zerkleinern und Kauen der Nahrung reichen jeweils zehn gut erhaltene Zähne im Unter- und im Oberkiefer aus.

Absprache mit Hausarzt

Zwar spreche auch im Alter nichts gegen den Einbau von Implantaten oder aufwendig angefertigten Prothesen. Bei der Entscheidung über den richtigen Zahnersatz sollten aber stets die Bedürfnisse und der gesundheitliche Allgemeinzustand des Betroffenen im Vordergrund stehen. So seien Zahnbehandlungen gerade im Alter auch eine zusätzliche Belastung. Was man dem jeweiligen Patienten zumuten kann, sollte in jedem Einzelfall in enger Absprache mit dem Hausarzt genau abgewogen werden.

Bei Vorsorgebesuchen im Alten- oder Pflegeheim steht neben einer Überprüfung der Mundschleimhaut, des Zahnfleisches sowie der Zähne und/oder der Zahnprothese die Optimierung der Mundhygiene im Vordergrund. Wenn nötig kann auch ein lockerer Zahn gezogen werden, falls die Voruntersuchungen keine Komplikationen erwarten lassen. Bei der Mundhygiene sei auch die Einbindung des Pflegepersonals sowie der pflegenden Angehörigen wichtig, weil viele Patienten bei der morgens und abends erforderlichen Säuberung auf Hilfe angewiesen sind – inklusive dem fachgerechten Einsetzen und Herausnehmen der Zahnprothese. Wenn das im Alltagsstress vergessen wird, kann es zu gefährlichen Situationen kommen, betont Axel Zahn: „Wenn der Patient die Prothese verschluckt, kann er daran ersticken.“

Bei einem Großteil der Patienten, die Axel Zahn im Alten- oder Pflegeheim sowie im Hospiz besucht, reicht eine kurze und schonende Behandlung vor Ort aus. Wenn eine aufwendigere Zahnbehandlung nötig ist, müssen aber auch bettlägerige Patienten in die Zahnarztpraxis kommen. Axel Zahn sorgt dann dafür, dass der Hin- und Rücktransport problemlos mit dem Taxi oder mit einem Krankentransport erfolgen kann.

Falls der Patient unter schwerwiegenden Nebenerkrankungen leidet oder – zum Beispiel wegen einer Demenzerkrankung – nicht ausreichend bei der Behandlung kooperieren kann, sollte die Zahnbehandlung in einem Krankenhaus mit einer eigenen Abteilung für Zahn- und Kieferchirurgie erfolgen, betont Axel Zahn: „Dort hat man nicht nur alle Möglichkeiten für eine optimale Zahnbehandlung. Darüber hinaus kann man in einem leistungsfähigen Krankenhaus sofort angemessen auf Zwischenfälle und Komplikationen reagieren, mit denen man bei sehr alten oder sehr kranken Risikopatienten immer rechnen muss.“

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