Friesoythe - Wer deutlich zu viele Pfunde auf die Waage bringt, lebt jeden Tag mit zusätzlichen körperlichen und oft auch psychischen Belastungen, die erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen können. „Adipositas ist eine chronische Krankheit, die definiert ist als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts“, erklärt die Deutsche Adipositas Gesellschaft.
Betroffene müssen nicht nur bei jedem Schritt mehr Gewicht bewältigen als ihrem Knochen- und Muskelapparat sowie dem Herz-/Kreislaufsystem guttut. Viele empfinden zudem einen hohen seelischen Leidensdruck, weil sie unzufrieden mit ihrem Aussehen und ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit sind.
Entsprechend groß ist häufig das Bedürfnis, lästige Fettpolster möglichst schnell und dauerhaft loszuwerden. Vor allem für Frauen und Männer mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 35 und mehr ist der Weg in Richtung Normalgewicht zumeist beschwerlich und langwierig. Der mit vielen Diäten verbundene JoJo-Effekt sorgt zudem oft dafür, dass es nach einem zwischenzeitlichen Gewichtabbau immer wieder zu einem Rückschlag kommt.
Die Ursache ist meistens, dass der Adipositas-Patient nach einiger Zeit in alte Verhaltensmuster zurückfällt und seinem Körper wie zuvor mehr Energie zuführt als dieser verarbeiten kann, betont Dr. Ralf Weise, Leiter des Adipositas-Zentrums Nord-West im St. Marien-Hospital Friesoythe: „Ein nachhaltiger Gewichtsabbau kann nur funktionieren, wenn man mit Disziplin und Geduld aktiv an einer Lebensstiländerung mitwirkt und sich im Alltag an die gesetzten Regeln hält.“
Ein Langzeitprojekt
Wichtig ist auch, dass die Ziele für die Gewichtsreduktion realistisch sind und mit geeigneten Maßnahmen angegangen werden. Das gilt vor allem für Menschen mit sehr starkem Übergewicht. Für die ist die Adipositas-Therapie ein Langzeitprojekt, das nur mit ärztlicher und therapeutischer Hilfe gelingen kann.
Ab einem bestimmten Level lässt sich ein gesundheitlich verträgliches Abnehmziel mit einem Bewegungs- und Ernährungsplan allein nicht mehr erreichen. Bei einem Adipositas-Grad 1 mit einem BMI zwischen 30 und 34,9 gilt das noch nicht. Für Patienten mit einem BMI von 40 und mehr empfehlen Fachgesellschaften dagegen einen chirurgischen Eingriff als wesentlichen Teil der Therapie.
Eine Hilfe können darüber hinaus verschiedene Präparate sein, die den täglichen Kampf gegen überzählige Pfunde erleichtern. Einige davon werden schon seit vielen Jahren durchaus erfolgreich eingesetzt. Zum Beispiel sorgen Appetitzügler für eine verminderte Magenentleerung, berichtet Dr. Weise.
Verzicht auf Dickmacher
„Der positive Effekt ist, dass man weniger Essen muss, um ein ausreichendes Sättigungsgefühl zu erreichen.“ Zusammen mit mehr körperlicher Bewegung sowie einem weitgehenden Verzicht auf Dickmacher wie fett- und zuckerreiche Speisen sei ein moderater Gewichtsabbau möglich.
Ähnliches gilt für Abnehmspritzen, die in Deutschland im Rahmen der ärztlich kontrollierten Behandlung von Adipositas- und Diabeteserkrankungen eingesetzt werden können. Bei dem zugelassenen GLP-1-Analoga handelt es sich um ein Präparat, das die Wirkung eines gleichnamigen Darmhormons nachahmt. Das führt letztlich dazu, dass der Heißhunger auf Kohlenhydrate wegfällt und das Verlangen nach oft sehr Kalorien-reichen Speisen geringer wird.
