Friesoythe - Knotige und harte Schwellungen, starke Schmerzen bei Belastungen sowie eine vorübergehende Morgensteifigkeit der betroffenen Gelenke: Menschen mit einer Arthrose in den Fingern haben jeden Tag ähnliche Probleme. Insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium können die typischen Symptome das Alltagsleben zur Qual machen.
Die zumeist symmetrisch, aber in unterschiedlicher Ausprägung an beiden Händen auftretende Erkrankung bildet sich besonders häufig an den Endgliedern. Sie kann in selteneren Fällen aber auch als Erstes an den Mittelgelenken der Finger entstehen. Die Fingerpolyarthrose ist eine eigenständige Erkrankung und zählt ab 60 zu den am häufigsten diagnostizierten Arthroseformen.
Schleichender Verlauf
Die durch eine Fingerpolyarthrose verursachten Beschwerden sind zwar auf den ersten Blick mit denen der rheumatoiden Arthritis vergleichbar. „Es handelt sich aber um zwei unterschiedliche Erkrankungen, die verschiedene Ursachen haben und jeweils anders behandelt werden müssen“, betont Dr. Michael Renno, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie im St.-Marienhospital Friesoythe.
Da die für die Erkrankung charakteristischen Verformungen bei einer rheumatoiden Arthritis in der Regel zunächst an den Grundgelenken und nicht an den Endgelenken der Finger auftreten, könne ein spezialisierter Facharzt die beiden Erkrankungen meistens schon nach einer kurzen Diagnostik zuverlässig unterscheiden und eine zielführende Behandlung einleiten.
Ein Hauptkennzeichen einer Polyarthrose ist, dass sie gleichzeitig an mehreren Gelenken auftritt. Sie verläuft schleichend und führt nach und nach zu einer Abnutzung des Gelenkknorpels. Neben den Fingergliedern können auch andere Gelenke betroffen sein. Das Entstehen einer Fingerpolyarthrose wird in erster Linie durch eine starke Beanspruchung der Gelenke begünstigt. „Besonders oft sind Menschen betroffen, die in einem körperlich fordernden Beruf jeden Tag fest mit den Händen zufassen müssen“, erklärt Dr. Renno.
Eine wichtige Rolle spielt zudem die genetische Disposition. Eine für Rheumaerkrankungen verantwortliche Störung des Autoimmunsystems trägt nicht zu einer Polyarthrose der Fingergelenke bei.
Die Polyarthrose ist nicht heilbar, kann aber mittels einer qualifizierten Behandlung oft aufgehalten und deutlich gelindert werden. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem mittleren Lebensalter kontinuierlich an. Weil der Leidensdruck häufig lange Zeit erträglich ist oder als vermeintliche Begleiterscheinung des Alters hingenommen wird, verzichten viele Betroffene auf ärztliche Hilfe. Fachgesellschaften schätzen, dass in Deutschland rund 40 Prozent der Männer und mehr als 50 Prozent der Frauen ab 60 mit einer Fingerpolyarthrose leben.
Sorgfältige Anamnese
Der behandelnde Arzt kann eine Fingerpolyarthrose zumeist nach einer kurzen Diagnostik sicher identifizieren, berichtet Dr. Renno. Neben einer genauen Begutachtung der betroffenen Gelenke ist vor allem eine sorgfältige Anamnese wichtig, bei der dem Arzt berichtet wird, wie und in welchen Situationen sich die Beschwerden bemerkbar machen und ob es vergleichbare Fälle in der Familie gibt. Weitere Erkenntnisse kann eine Röntgenaufnahme bringen.
Bei der Behandlung einer Arthrose an den Fingergelenken sollten zunächst alle konservativen Optionen ausgeschöpft werden. Dazu kann unter anderem eine strahlentherapeutische Behandlung und eine Umstellung der Ernährung gehören – insbesondere der weitgehende Verzicht auf Schweinefleisch. Helfen kann bei einem akuten Schmerzschub auch der ärztlich kontrollierte Einsatz schmerzlindernder Medikamente. Wenn das Gelenk instabil geworden ist und sich ansonsten keine Schmerzreduzierung erreichen lässt, müsse ein operativer Eingriff erwogen werden.
