Friesoythe - Auf der Notfallstation wird nach einem Unfall zunächst die Wunde inspiziert und so weit gesäubert, dass keine Infektionsgefahr mehr besteht. Ob ein abgetrennter Finger wieder angenäht wird, hängt abgesehen von den Erfolgsaussichten des Eingriffs vor allem davon ab, welcher Finger betroffen und wie alt der Patient ist.
Bei einem abgetrennten Daumen hat die Rekonstruktion in der Regel höchste Priorität, weil dieser Finger entscheidend für die Funktionsfähigkeit der Hand ist. So sind viele Alltagstätigkeiten, die ein festes Zufassen erfordern, ohne die Daumen nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.
Entsprechende Probleme sind bei den anderen Fingern weniger stark ausgeprägt. Vor allem bei älteren Betroffenen kann etwa die Amputation eines Endgelenks am Zeigefinger die beste Lösung sein. Die Funktion könne durch den benachbarten Mittelfinger weitgehend kompensiert werden, erklärt Dr. Michael Renno. Die Hand könne dann meistens schon nach vier bis sechs Wochen wieder vollständig genutzt werden. Bei einer Rekonstruktion muss man damit inklusive Nachsorge- und Reha-Maßnahmen bis zu sechs Monate warten. Eine Wiederherstellungs-OP dauert mindestens zwei Stunden pro Finger. Danach sei zur Kontrolle für zwei bis drei Tage ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus nötig.
