Friesoythe - In Deutschland steigt die Zahl der Übergewichtigen seit Jahren an. Aktuelle Studien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zeigen, dass fast 60 Prozent der Männer und mehr als ein Drittel der Frauen zu viel Pfunde mit sich herumschleppen. Eine Ausnahme gibt es nur bei Kindern im Einschulalter. In dieser Altersgruppe wurde bei den jüngsten Erhebungen ein leichter Rückgang beim Übergewicht registriert.
Als übergewichtig gilt man ab einem Body Mass Index (BMI) über 25. Menschen mit einem BMI über 30 werden in der Medizin als adipös oder fettleibig bezeichnet. Spätestens ab diesem Wert müssen Betroffene mit schweren Begleit- und Folgeerkrankungen rechnen. Der BMI lässt sich leicht errechnen, indem das Körpergewicht in Kilogramm durch die zum Quadrat genommene Körpergröße in Metern geteilt wird. So ergibt sich zum Beispiel bei einem Körpergewicht von 80 Kilogramm und einer Körpergröße von 1,85 Metern ein BMI von 23,4. Dieser Wert ist nach der Definition der DGE als normalgewichtig einzustufen.
Wer über Jahre zu dick ist, lebt mit einem deutlich erhöhten Risiko, dass sich etwa ein Diabetes mellitus Typ 2, eine Arterienverkalkung, eine Fettleber oder bösartige Tumoren entwickeln. Dazu kommen weitere Probleme wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie Erkrankungen der Niere, Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse.
Erhöhtes Infarktrisiko
„Starkes Übergewicht zählt nicht nur zu den Hauptursachen für schwere Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems, die etwa einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verursachen können“, erklärt Dr. Ralf Weise, Chefarzt des Adipositas-Zentrums Nord-West im St. Marien-Hospital Friesoythe: „Adipositas belastet zudem den Bewegungsapparat und begünstigt auch bestimmte Krebsarten.“
Dass der menschliche Organismus darauf konditioniert ist, Fettdepots für schlechte Zeiten anzulegen, hat sich in seiner Entwicklungsgeschichte bewährt. Dieser Mechanismus hat sich auch in der Neuzeit nicht geändert. Dass automatisch Fettspeicher entstehen, wenn mehr Nahrung aufgenommen als verbraucht wird, war bei den Steinzeitmenschen überlebenswichtig. In Zeiten der Wohlstandsgesellschaft ist das anders. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Übergewicht und daraus resultierende Adipositas-Erkrankungen heute ein entscheidender Faktor für eine verminderte Lebensqualität und Lebenserwartung sind.
Birnen- und Apfeltyp
Fettpolster sind im wahrsten Sinne des Wortes belastend. Sie können sich je nach Veranlagung in unterschiedlichen Körperregionen bilden. Bei dem vor allem bei Frauen verbreiteten Birnentyp lagert sich das Fett – und damit die überzähligen Pfunde – vermehrt unter der Haut, im Gesäß und an den Oberschenkeln ab. Der bei Männern häufigere Apfeltyp ist durch eine vermehrte Ansammlung von viszeralem Fett im Bauchraum und dort angesiedelten Organen wie der Leber und der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet. Zum Apfeltyp zählende Menschen leben mit einem besonders stark erhöhten gesundheitlichen Risiko.
Einerseits erzeugt das Fett dann vermehrt Druck im Bauchraum. Die dort liegenden Organe verfetten zudem selbst und werden bis hin zur Funktionsunfähigkeit geschädigt. In den USA haben die Folgen von starkem Übergewicht inzwischen den Alkoholkonsum als Ursache Nummer 1 für das Entstehen einer irreparablen Leberzirrhose abgelöst.
