Oldenburg - Das Herz stellt wie ein Hochleistungsmotor sicher, dass der Organismus ständig durchblutet wird und die Organe ihre lebenswichtigen Funktionen ausführen können. Die für die dauernde Blutzirkulation erforderliche Pumpleistung wird durch elektrische Impulse koordiniert und reguliert, die normalerweise im Sinusknoten als zentrales Erregungszentrum gebildet werden.
In einfachen Worten erklärt, werden die Impulse durch bestehende elektrische Leitungsbahnen durch das Herz geleitet. Dort verursachen sie geordnete und einheitliche Muskelkontraktionen, durch die das Blut durch den Körper gepumpt wird. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen wiederholt sich dieser als Herz- beziehungsweise Pulsschlag wahrnehmbare Prozess 50- bis 70- mal in der Minute. Bei Kleinkindern kann eine höhere, bei älteren Menschen eine niedrigere Schlagfrequenz normal sein.
Atemnot und Müdigkeit
Bestimmte Herzrhythmusstörungen können in Folge einer Herzschwäche entstehen, für die es zahlreiche Gründe wie etwa einen Infarkt oder einen Herzklappenfehler geben kann. Bei dieser als Herzinsuffizienz bezeichneten Erkrankung wird durch die verminderte Pumpleistung die Blutzirkulation und damit auch die Sauerstoffversorgung der Muskulatur und der Organe vermindert.
Typische Warnzeichen einer Herzinsuffizienz sind unter anderem eine Abnahme der Leistungsfähigkeit, schnelles Erschöpftsein, Müdigkeit und Atemnot schon bei geringen Belastungen. Auch immer wiederkehrende Schwindelanfälle bis hin zur Ohnmacht sowie Herzstolpern oder Herzrasen weisen auf Herzrhythmusstörungen hin.
Wenn diese Arrhythmien im Bereich der Herzkammern entstehen, können sie lebensbedrohlich sein. Bei einer sogenannten ventrikulären Tachykardie oder bei Kammerflimmern schlägt das Herz mit so hohen Frequenzen, dass dadurch die Pumpleistung immer weiter abnimmt und weniger Blut in den Kreislauf gelangt. Als Folge können lebenswichtige Organe wie vor allem das Gehirn über Minuten mangelhaft oder gar nicht mit Blut und insbesondere Sauerstoff versorgt werden. Dieses Szenario führt leider häufig zum Tod.
Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz versterben viel häufiger an malignen Herzrhythmusstörungen wie ventrikulären Tachykardien und Kammerflimmern als an einem reinen Pumpversagen des Herzens, erklärt Prof. Dr. Albrecht Elsässer, Direktor der Klinik für Kardiologie im Klinikum Oldenburg: „Betroffene leben mit einem stark erhöhtem Risiko für einen plötzlichen Herztod.“
Die Therapie der Herzinsuffizienz-Patienten besteht zunächst darin, die Ursache wie eine Durchblutungsstörung oder einen Klappenfehler zu beseitigen. Zudem erfolgt eine standardisierte medikamentöse Therapie, durch die ein Fortschreiten der Herzfunktionsstörung aufgehalten werden soll. Bei Patienten, die auch unter Herzrhythmusstörungen leiden, reicht das allein oft nicht aus.
Permanente Kontrolle
Ihnen kann ein seit mehr als zehn Jahren bewährtes, stetig weiterentwickeltes System helfen, das aus einem Aggregat und mehreren Sonden besteht. Dieser Defibrillator oder ICD wird meistens in örtlicher Betäubung im Bereich des oberen linken oder rechten Brustmuskels eingesetzt. Die Sonden werden über die Venen im Herz verankert.
Das Gerät überwacht permanent den Herzrhythmus und reagiert wie ein genau programmierter Computer auf eine plötzlich Arrhythmie – und zwar so, dass ein bis zu 40 Joule und 800 Volt starker Stromstoß abgegeben wird, durch den die ventrikuläre Tachykardie oder das Kammerflimmern sofort beendet wird.
„Das Gerät schützt den Patienten vor dem plötzlichen Herztod“, so Elsässer. Darüber hinaus ist das batteriebetriebene Aggregat von außen über ein Funksignal auslesbar, so dass alle aufgetretenen Herzrhythmusstörungen und Aktionen des Defibrillators erfasst und kontrolliert werden können. Der Arzt kann so auf einem Blick erkennen, in welchem Ausmaß rhythmusbedingte Herzprobleme aufgetreten sind und durch eine Umprogrammierung jederzeit eine patientenindividuelle Einstellung vornehmen. Betroffene sind zwar schwer krank, können aber deutlich sicherer leben.
Ein Teil der Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz kann von einem Gerät profitieren, das noch mehr bietet als der Defibrillator. Dieses CRT-ICD-System besteht aus dem im Brustbereich implantierten Aggregat und drei Elektroden, die im Bereich der Herzkammer sowie im rechten Vorhof platziert werden. Neben dem Erkennen und Beenden von Herzrhythmusstörungen verfügt dieses System über eine weitere Funktion. „Es sorgt dafür, dass die Koordination der Herzaktion so verbessert wird, dass sich die linke und die rechte Herzkammer gleichzeitig mit Blut füllen und dieses auch synchron aus dem Herzen ausgeworfen wird, betont Prof. Dr. Albrecht Elsässer.
Da so die Pumpleistung verbessert werden kann, verringern sich die mit einer schwachen Herzleistung verbundenen Beschwerden. Die Patienten gewinnen an Leistungsfähigkeit und können ihren Alltag besser bewältigen. Allerdings profitieren nur Patienten vom System, bei denen die Herzkammern asynchron arbeiten.
