Von Klaus Hilkmann
Frage:
Was erwartet Eltern, die zu Ihnen kommen?Tüting:
Zunächst erkläre ich ihnen, was auf sie zukommt. Häufig ist das nicht so einfach, weil einige noch regelrecht geschockt darüber sind, dass ihr Kind unter einer Hörschädigung leidet. Die Eltern müssen vorab wissen, was ihr Kind hört und was nicht. An die Vorgespräche schließen sich Tests an, als dessen Ergebnis verschiedene Hörgeräte ausprobiert werden.Frage:
Wie gehen Sie vor?Tüting:
Ein einjähriges Kind war normalerweise vorher bei einem Pädaudiologen, der schon erste Messungen durchgeführt hat. Wir haben dann schon einen Anhaltspunkt, wo im Hochfrequenzbereich in etwa die Reaktions- oder Hörschwelle des Kindes liegt. Zusätzliche Daten können wir gewinnen, indem wir im Rahmen der Beobachtungsaudiometrie unter anderem die Reaktions- und Verhaltensmuster testen. Wir können dabei z.B. an der Atmung oder dem Saugreflex erkennen, ob das Kind etwas gehört hat. Auch mit diesem Verfahren kann man die Hörschwelle des Kindes aber nicht zu 100 Prozent bestimmen. Das ergibt sich später in einem Mess-Prozess.Frage:
Ist das Ganze für das Kind unangenehm?Tüting:
Nein. Ich erlebe es täglich, dass die Kinder sehr gern zu uns kommen. Ab dem zweiten Lebensjahr verbinden wir die Untersuchung mit einer Spielhandlung. Zum Beispiel legen wir Klötze und eine Box auf den Tisch. Die Kinder halten sich einen Klotz ans Ohr und dürfen ihn in die Box legen, wenn sie ein leises Fiepen hören. Das Spiel macht den Kindern viel Spaß. Sie merken gar nicht, dass das ein Hörtest ist.Frage:
Wie oft muss das Hörgerät justiert werden?Tüting:
Das hängt sehr vom Alter und der Hörschädigung des Kindes ab. Weil sie dann noch sehr schnell wachsen und die Ohrpassstücke nicht mehr passen, müssen die Kinder im Säuglingsalter alle zwei bis vier Wochen zu uns kommen. Wenn die Kinder älter werden, ist die Überprüfung zumeist nur noch alle drei Monate nötig.Die Hörgeräteakustikmeisterin Nicole Tüting (Bild) aus Vechta ist als Pädakustikerin auf die Versorgung von Kindern mit Hörgeräten spezialisiert.
