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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Helfen, wo ihr selbst geholfen wurde

19.01.2019

Gemeinde Hatten /Seattle (washington /Usa) Das Stethoskop in der Hand, die dunkelrote Berufskleidung sitzt wie angegossen: Für Mariah McHenry hat das Jahr 2019 in Seattle (USA) denkbar positiv begonnen. Sie ist seit wenigen Tagen staatlich geprüfte Krankenschwester. „Der Abschluss meiner Ausbildung und jetzt eine Krankenschwester zu sein, ist wie ein Traum, der in Erfüllung geht“, sagt sie zur NWZ. Was ihr nicht anzusehen ist – ihre Lebensgeschichte unterscheidet sie deutlich von vielen Kolleginnen. Mariah war im Alter von zehn Jahren an Blutkrebs erkrankt.

Stipendium vor der OP

Der Abschluss an der Washington State University befähigt die 22-Jährige jetzt, dort zu helfen, wo sie selbst entscheidende Hilfe erhalten hat – in der Kinder-Onkologie. Mariah kann dies nur deswegen tun, weil der Hatter Reinhard Seitz (62) vor 20 Jahren eine Typisierungsaktion für seinen damaligen Arbeitgeber angestoßen hatte und auch selbst mitmachte. 2007 wurde er so als potenzieller Stammzellspender von Mariah McHenrys Ärzten über das DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) entdeckt. Seine Werte passten nicht perfekt, Seitz war aber immerhin so etwas wie eine „Neun von Zehn“, wie er es formuliert.

Sechs Jahre versuchten die Ärzte noch mit anderen Therapien Mariahs lebensbedrohliche Krankheit zu besiegen. Bereits im Alter von zehn Jahren war bei einer Untersuchung im Mary-Bridge-Kinderkrankenhaus festgestellt worden, dass der Körper des Mädchens viel zu wenig eigene Zellen produzierte. Ein paar Jahre später erkannten die Ärzte außerdem, dass ihr Immunsystem begonnen hatte, die eigenen roten Blutkörperchen anzugreifen und zu zerstören.

2013, als es keine Alternative mehr gab, folgte die Stammzellspende. Wie in den meisten Fällen, wurden die Zellen aus dem Blut des Spenders ausgefiltert. So hat es der Hatter selbst erlebt: „In der Klinik in Köln saß ich drei Stunden in einer Art Zahnarztstuhl. Meine Stammzellen wurden ausgewaschen und für den sofortigen Flug in eine spezielle Kühlbox verfrachtet.“

Und Mariah? Obwohl körperlich sehr geschwächt, bestand sie eine Woche vor der alles entscheidenden Stammzelltransplantation im Seattle Children’s Hospital noch als eine von nur 20 Prüflingen unter 443 Bewerbern einen Test, der ihr ein Stipendium für die weitere Ausbildung garantierte – bemerkenswerte Disziplin und Lebensmut.

Wiedersehen in 2020

Spender und Empfänger bleiben in den ersten Jahren anonym. Erst im Januar 2016 durften sich die US-Amerikanerin und der Hatter via Facebook und Skype besser kennenlernen. Als sie sich im Juli 2018 dann zum ersten Mal in Deutschland trafen, war das für Mariah McHenry, ihre Mutter Kim Boulton und Reinhard Seitz ein sehr bewegender Moment. Der Kontakt ist trotz der großen Distanz zwischen Deutschland und den USA weiterhin sehr eng. „Wir tauschen uns manchmal sogar mehrmals in der Woche aus“, erzählt Seitz. „Für 2020 ist ein Wiedersehen in den USA geplant“, freut er sich.

Der Weg zur Stammzellspende

Die Registrierung: Mit den zugeschickten Wattestäbchen nehmen Sie einen Abstrich ihrer Wangenschleimhaut und schicken diese samt Einverständniserklärung an das DKMS-Labor zurück. Die Untersuchungsergebnisse werden in einer Datei gespeichert und anonymisiert für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung gestellt. Dann heißt es, abzuwarten.

Wer darf spenden? Spender werden kann jeder gesunde Erwachsene im Alter von 17 bis 55 Jahren.

Ein Treffer – was nun? Sie erhalten einen ausführlichen Gesundheitsfragebogen, damit mögliche Ausschlusskriterien frühzeitig erkannt werden. Anschließend erfolgt eine Bestätigungstypisierung, die z.B. der Hausarzt anhand einer Blutprobe vornehmen kann. Das Blut wird auf bestimmte Infektionserreger wie z.B. HIV oder Hepatitisviren geprüft.

Die Stammzellspende: Erfolgt in 80 Prozent der Fälle operationslos über die Blutbahn. Der Spenderkörper bildet sie innerhalb von 14 Tagen wieder neu.

Mehr Infos unter www.dkms.de/de/spender-werden

Der Hatter ist stolz darauf, dass Mariah ihren staatlich geprüften Abschluss jetzt in Händen hält, und er weiß, wie viel Glück sie gehabt hat. Immer noch ist es in den USA nicht selbstverständlich, dass Menschen krankenversichert sind. Mariah war es, weil ihre Mutter als Lehrerin arbeitet. Angesichts der Behandlungskosten von etwa 1 Million Dollar wurde es trotz der Versicherung ein finanzieller Kraftakt für die Familie. Kim Boultons Lehrerkollegen spendeten ihre garantierte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, um die Behandlung zu unterstützen.

Mutmachendes Vorbild

Durch ihr Schicksal und die Art, wie sie es gemeistert hat, ist Mariah McHenry mittlerweile für andere Menschen ein mutmachendes Vorbild geworden. Auf Social-Media-Plattformen wie Instagram hat sie mittlerweile fast 900 Follower. Ihre Beiträge auf Facebook werden von hunderten Lesern „geliket“.

2019 wird nicht nur wegen ihres Traumjobs Krankenschwester ein entscheidendes Jahr für Mariah. In diesem Jahr wird sie von den Ärzten noch einmal gründlich gecheckt. Läuft alles glatt und gibt es keine auffälligen Werte, gilt sie als endgültig geheilt. Alle, die sie kennen, drücken ihr dafür die Daumen.

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Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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