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Genauer Einbau dank „OP-Navi“

Von Klaus Hilkmann

Frage:

Kann ein künstliches Kniegelenk alle natürlichen Funktionen übernehmen?

Dr. Perka:

Nein. Wir nähern uns diesem Zustand zwar immer mehr an. Bestimmte Funktionen bleiben aber limitiert. Viele Patienten haben etwa Probleme, in die tiefe Hocke zu gehen. Auch reicht die Stabilität bei größeren körperlichen Belastungen oft nicht aus. Zum Beispiel sind die beim Tennis üblichen schnellen Bewegungen mit abrupten Richtungswechseln und Beschleunigungen mit einem künstlichen Gelenk nur eingeschränkt möglich.

Frage:

Warum ist das so?

Dr. Perka:

Ganz einfach, weil wir nicht alle Strukturen ersetzen können. Zum Beispiel muss bei einem Ersatz häufig das vordere Kreuzband geopfert werden, was zu einer Funktionseinschränkung führt. Wir können eigentlich nur die Gelenkgleitfläche ersetzen. Die Bänder, Sehnen und Muskeln und das Gewebe rundherum bleiben dagegen dieselben.

Frage:

Warum ist ein Kniegelenkersatz besonders aufwendig?

Dr. Perka:

Zum einen ist die Belastung des Kniegelenks erheblich. Ein leichtes Stolpern beim Gehen wirkt sich zum Beispiel mit dem acht- bis zehnfachen Körpergewicht aus. Außerdem ist das Kniegelenk vergleichsweise kompliziert aufgebaut. Es handelt sich dabei um ein Scharniergelenk mit einer eingebauten Drehkomponente. Das mit einem Ersatzteil für den gesamten Bewegungsumfang nachzuempfinden, ist mechanisch sehr schwierig. Nicht zuletzt führt die Vielzahl von Bewegungsvarianten zu Materialverschleiß. Das heißt, dass das eingesetzte Material einer enorm hohen Belastung ausgesetzt ist.

Frage:

Welche Fortschritte hat es in der Implantationstechnik gegeben?

Dr. Perka:

Wichtigster Fortschritt war in den vergangenen Jahren, dass Knieprothesen heute mit Hilfe der Kniegelenksnavigation fast milimetergenau eingebaut werden können. Der Operateur kann mit Hilfe des Computerbildschirms noch genauer arbeiten. Zudem stehen uns deutlich mehr Prothesen-Varianten zur Verfügung, und wir können mit der neuesten Generation der Kniegelenke eine höchstmögliche Beugung erreichen. Außerdem stehen uns inzwischen auch Allergiker-geeignete Ersatzgelenke zur Verfügung.

Frage:

Kann ein 50-Jähriger sicher sein, sein neues Kniegelenk lebenslang nutzen zu können?

Dr. Perka:

Sicher nicht. Die Kniegelenke, die wir heute haben, ahmen bestimmte Funktionen nach. So wird die Funktion des hinteren Kreuzbandes durch einen Kunststoffzapfen übernommen. Hier entstehen aggressive Abriebpartikel, was zu Entzündungen führen kann. Aus diesem Grund ist heute auch bei optimaler Implantation durchschnittlich nach 15 bis 20 Jahren eine Wechseloperation notwendig.

Prof. Dr. Carsten Perka (Bild) ist Inhaber des bundesweit einzigen Lehrstuhls für Endoprothetik und regenerative Medizin an der Berliner Charité-Klinik.

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