Oldenburg - Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems sind in Deutschland noch vor Krebs und Infektionserkrankungen die häufigste Todesursache. Bei herzkranken Menschen kommt es im Akut-Fall auf jede Minute an. Dank immer besserer medizinischer Interventionsmöglichkeiten können heute die meisten Herz-Patienten gerettet werden, wenn sie rechtzeitig von einem Notarzt versorgt werden und das auslösende Problem umgehend – am besten in einer kardiologischen Klinik – beseitigt wird.
„Wenn der Patient das Herzkatheter-Labor lebend erreicht, hat er eine gute Überlebenschance“, berichtet Dr. Stephan Böhmen, Chefarzt der Kardiologie im Reha-Zentrum Oldenburg, die zusammen mit dem Akut-Bereich über 150 Betten verfügt, in denen pro Jahr über 2000 Patienten behandelt werden.
Ruhe zur Erholung
Nach einer erfolgreichen Herz-OP ist in technisch und personell sehr gut ausgestatteten Einrichtungen wie dem Herzzentrum in der Regel ein fünf- bis siebentägiger Verbleib in der kardiologischen oder kardiochirurgischen Akut-Klinik erforderlich. Bei einem guten Regenerations- und Wundheilungsverlauf wechselt der Patient anschließend in eine spezielle Station des Reha-Zentrums, das zusammen mit der Klinik für Kardiologie und Kardiochirurgie zum Herzzentrum des Klinikums Oldenburg gehört.
„Der Patient hat dort die Ruhe, sich unter ärztlicher Kontrolle optimal erholen zu können“, betont Dr. Böhmen. Nach einer Woche im Zweibettzimmer der Akutstation seien die Patienten in der Regel so weit wiederhergestellt, dass die eigentliche Rehabilitationsmaßnahme beginnen könne.
Rund 70 Prozent der Herz-Patienten müssen wegen einer koronaren Herzerkrankung behandelt werden, die unter anderem Herzrhythmusstörungen, eine Herzinsuffizienz oder einen Infarkt verursachen kann. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen liegen Erkrankungen der Herzklappe vor. Bei den restlichen Herzpatienten können sehr unterschiedliche kardiologische Erkrankungsgründe vorliegen. Für fast alle gilt, dass die Erkrankung mit der Beseitigung des Akut-Problems nicht ausgestanden ist.
Denn ein etwa nach einem Infarkt zur Gefäßerweiterung eingesetzter Stent oder ein als Umleitung um ein verstopftes Gefäß gelegter Bypass sorgen nur kurzfristig für Sicherheit, erklärt Dr. Böhmen: „Die auslösenden Probleme sind danach noch da. Wenn diese nicht konsequent behandelt werden, kann der gleiche Vorfall schon kurze Zeit später an einer anderen Stelle des Herzens erneut auftreten.“
Ein infolge einer koronaren Herzerkrankung entstandener Akut-Vorfall sei meistens das Ergebnis einer seit Jahren fortgeschrittenen Gefäßverkalkung. Die dann entstandenen Ablagerungen an den Gefäßwänden sorgen für eine mangelhafte Durchlässigkeit der blutzuführenden Gefäße und damit für eine immer schlechtere Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur. Im schlimmsten Fall entsteht früher oder später eine Gefäßverstopfung, die stets mit einer unmittelbaren Lebensgefahr verbunden ist.
Dauerhafte Kontrolle
Die kardiologische Akut-Klinik hat in diesen und vergleichbaren Fällen in erster Linie die Aufgabe, den Patienten am Leben zu halten und durch den Einbau geeigneter Hilfsmittel wie einen Stent oder Bypass die Voraussetzung für eine möglichst gute Lebensperspektive zu schaffen. Die Reha ist anschließend der richtige Ort, die oft schon viele Jahre andauernde Problematik aufzuklären und eine zielführende Behandlung einzuleiten. Viele Herz-Patienten erkennen erst nach dem Akut-Vorfall, das sie unter einer schweren chronischen Erkrankung leiden, die eine dauerhafte medizinische Kontrolle und Versorgung erfordert.
In Deutschland orientieren sich kardiologische Reha-Kliniken am sogenannten Bio-Psycho-Sozialen Konzept. Bei diesem ganzheitlichen Therapieansatz steht der ganze Mensch mit all seinen Ängsten und Wünschen im Mittelpunkt der medizinischen Versorgung. In der Praxis bedeutet das, dass der Patient körperlich und psychisch aufgebaut wird, so dass er fit für ein möglichst selbstbestimmtes Leben wird. Dazu gehört auch, den Weg für die Zeit nach der Reha zu ebnen.
Die im Normalfall dreiwöchige kardiologische Reha beginnt mit einer eingehenden Anamnese, zu der neben einer körperlichen Untersuchung ein umfassendes Gespräch zwischen dem Arzt und dem Patienten gehört. Auf dieser Grundlage werden gemeinsam das Behandlungsziel und der Therapieplan für die Reha festgelegt, berichtet Dr. Stephan Böhmen.
Der tägliche Behandlungsplan umfasst einen genau auf die jeweilige Leistungsfähigkeit abgestimmten Mix unter anderem mit sportlichen Aktivitäten, Info-Vorträgen oder Ernährungsschulungen. Reha-Ziel sei immer, dass der Patient wieder so viel Lebensfreude und Sicherheit gewinnt, dass er seinen Alltag mit möglichst wenig Nachteilen selbst bewältigen kann.
Die Dauer der Reha hängt vor allem davon ab, ob die anfangs festgelegten Ziele erreicht wurden. Falls der Patient nach drei Wochen körperlich oder psychisch noch nicht weit genug ist, kann aus medizinischer Sicht eine Verlängerung der Reha sinnvoll sein. Das Gleiche gelte, wenn sich abzeichnet, dass eine Fortsetzung der Reha weitere Fortschritte erwarten lässt.
