Hude - „Der hat wieder Rücken!“, heißt es manchmal etwas spöttisch, wenn Mitmenschen über Rückenschmerzen klagen – frei nach Hape Kerkelings Kultfigur Horst Schlämmer. Aber diese Schmerzen können einem das Leben zur Hölle machen. Und betroffen sind viele Menschen. Schnell werden Schmerztabletten als Allheilmittel eingeworfen. Betroffene kümmern sich oft wenig um die möglicherweise fatalen Nebenwirkungen der Medikamente, wenn sie auf Dauer genommen werden. Die Hauptsache ist, dass der Schmerz erträglich wird.
Teufelskreis
Nach neuesten Studien gibt es aber für viele Betroffene durchaus Möglichkeiten, aus dem Teufelskreis der Rückenschmerzen mit geringem Aufwand auszubrechen, meint der Huder Physiotherapeut Jürgen von Maydell. Er möchte bei einem Informationsabend, den er am 11. Februar anbietet, über Zusammenhänge aufklären.
Von Maydell beteiligt sich an dem deutschlandweiten Wissensprojekt „Background“ des Physio-Aktiv-Netzwerks, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Betroffenen vor allem mit verständlich aufbereiteten Wissenspaketen und konkreten Handlungsvorschlägen dabei zu helfen, die „tragende Säule ihres Körpers“ in den Griff zu kriegen.
Von Maydell ist Mitglied dieses Netzwerks, dem nach seinen Angaben rund 150 Praxen in ganz Deutschland angehören. 67 Praxen haben sich, so von Maydell, an einer bundesweiten Studie unter der Leitung von Dr. Klaus Baum beteiligt. Mehr als 1100 Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen im unteren Lebenwirbelbereich hätten mitgemacht.
Die Auswertung der Studie habe ein erstaunliches, deutliches Ergebnis hervorgebracht: Wer bei auftretenden Rückenschmerzen frühzeitig mit einem speziellen Kraft-Ausdauer-Training starte, könne innerhalb von nur acht Wochen bis zu 80 Prozent Schmerzreduktion erreichen. Das sei durch den Vergleich von sofort und erst nach acht Wochen mit dem Training beginnenden Probanden belegt worden.
Von Maydell weiß auch aus eigener Erfahrung mit Patienten seiner Praxis, dass gezieltes Training an den Geräten zum Muskelaufbau die Schmerzen lindern kann. „35 Minuten, zweimal die Woche zum Zirkeltraining“, sagt von Maydell. Das reiche schon aus. Mit relativ geringem Zeitaufwand könne man eine Menge erreichen. Die Erkenntnis, dass Bewegungsmangel und einseitige Belastungen die Muskeln schwächen oder überstrapazieren, ist nicht neu.
Die Schmerzthematik
Trotz massiver Auswirkungen auf den Alltag, hätten sich viele Rückenschmerzpatienten aber noch nicht ausgiebig mit der Schmerzthematik und den Hintergründen ihrer Probleme beschäftigt, verweist Jürgen von Maydell auf Aussagen des Schirmherrn des aktuellen Wissensprojektes, Professor Dr. Klaus Baum.
„Rückenschmerzen müssen kein Dauerzustand sein. Die Grundlage für Veränderung ist Wissen“, heißt es in der Einladung zu dem Info-Abend mit Jürgen von Maydell in Hude.
Zur Aufklärungskampagne des Netzwerks Physio-Aktiv gehören neben den Infoabenden auch kostenlose Online-Wissensprogramme und ausführliche Erklärvideos zu den Hintergründen.
