• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Diagnose Krebs: Lichtblick in einer schweren Zeit

30.08.2019

Im Nordwesten Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt, ist das nicht nur für die Betroffenen selbst ein großer Schock. Es ist auch für die Angehörigen ein Wechsel zwischen Hoffen und Bangen: Wird mein Partner die Krankheit überleben oder wird er sterben – und wann?

Kinder fallen durchs Netz

In dieser schweren Zeit sind die Kinder besonders hilflos, sagt Angela Paradies. Von einem Tag zum anderen ist nichts mehr so, wie es war. Sie kennt die Situation der Familien, ist Psychoonkologin im Klinikum Oldenburg und arbeitet seit über 20 Jahren in der Onkologie. Die Eltern sind stark eingebunden, pendeln zwischen Arbeit, Zuhause und dem Krankenhaus. „Die Kinder fallen oft durch das Netz“, so Paradies.

Da es keine offiziellen Anlaufstellen für Kinder in dieser Situation gibt, gründete sie 2015 den Verein „Lichtblick“. Im Nordwesten gibt „Lichtblick“ seitdem psychologische und psychosoziale Hilfe für Kinder krebserkrankter Eltern und deren Familien. In der Psychologie sage man, der Körper speichert die Erinnerung, sagt die Psychoonkologin. Die Symptome der betroffenen Kinder reichen von Unruhe in der Schule, Schock, Angst, Starre, bis zum Zittern.

Paradies rät, offen mit dem Thema Krebs umzugehen: „Kinder spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Auch, wenn ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt wird.“ Dann fangen sie an, an sich selbst zu zweifeln.

Besser sei es, in altersgerechter Sprache kleine Informationen zu geben. „Kinder fragen dann von allein nach“, sagt Paradies. Auf ihre Fragen sollten sie dann ehrliche Antworten bekommen. Eltern sollten ihren Kindern die Wahrheit aber nicht schonungslos aufdrücken.

Permanent angespannt

Bei einer Krebserkrankung in der Familie herrsche bei allen – Eltern und Kindern – permanente Anspannung. „Viele haben ganz lange Hoffnung. Man weiß nicht, wie es endet – das kann dann ganz schnell kommen“, sagt die Psychoonkologin. Es sei ein Leben in Angst, die sich nach überstandener Krankheit auch erst sieben bis acht Jahre später verliert.

In dieser schweren Zeit fehle den Kindern das innere Gleichgewicht. Um das wieder in Einklang zu bringen, geht sie mit den Kindern beispielsweise Stand-Up-Paddeln. Oft müssen die Kinder auch ihre Aufmerksamkeit schnell wechseln – von der Schule zum Hobby, zum kranken Elternteil, zum Freundeskreis. Beim Jonglieren lernen die Kinder, immer einen Ball im Blick zu haben, die anderen Bälle aber nicht aus den Augen zu verlieren. Zusammen gehen die Kinder Klettern, machen eine Entspannungstherapie oder Ausflüge, sogar nach Norderney.

Bei „Lichtblick“ bekommen die Kinder schnell Hilfe, und das ist auch nötig, weiß die Psychoonkologin. Normalerweise warten Kinder mindestens wochen- oder monatelang auf einen Therapieplatz. „Dann kann es bereits zu spät sein, möglicherweise ist das Elternteil bereits verstorben.“ Dann seien die Kinder endgültig traumatisiert.

„Wenn man Kinder nicht auffängt, fangen sie an, Verantwortung im Übermaß zu übernehmen“, sagt Paradies. Sie schlüpfen beispielsweise in die Rolle des Vaters oder der Mutter. Dadurch entstehe eine totale Überforderung. Manche Kinder versuchen aber auch, ihre kranken Eltern zu beschützen. Sie habe einen Fall erlebt, bei dem die vierjährigen Zwillingstöchter sich gleich nach der Schule an das Bett der kranken Mutter setzten. Wie zwei Löwen, die ihre Mutter bewachten, erinnert sich Paradies.

Beratung für Eltern

Aber auch die Eltern werden bei „Lichtblick“ beraten – etwa, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollten. Mal kommen die Familien zum Verein, mal besucht Angela Paradies sie zu Hause. Zum Angebot von „Lichtblick“ gehören auch Gruppenstunden. Alle zwei Wochen finden diese für die Kinder statt, die Eltern treffen sich einmal im Monat.

Wenn ein Elternteil den Kampf gegen den Krebs verliert, begleitet der Verein die Familie, solange es gewünscht wird. Eventuell wird dann auch der Oldenburger Verein „Trostreich“ empfohlen. Dieser unterstützt trauernde Kinder nach dem Verlust eines geliebten Menschen.

Die Kinder sollen erkennen: Anderen geht es in dieser Situation genauso. Und wenn ein Elternteil stirbt – das Leben geht weiter. „Kinder können den Tod verkraften“, sagt Paradies. „Sie müssen aber darauf vorbereitet sein.“


Mehr Infos gibt es unter   www.lichtblick-ol.de 
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Tonia Hysky Redakteurin / Newsdesk
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2097
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.