Der Begriff Hormon kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt so viel wie antreiben. Insulin, das Hormon, um das es an dieser Stelle gehen soll, treibt in unserem Körper so manches an und dreht an vielen Schrauben unseres Stoffwechsels.
1921 wurde es das erste Mal gewonnen und als Medikament eingesetzt. Bis dahin mussten Menschen sterben, wenn ihr Körper Insulin nicht selber herstellen konnte, denn es ist notwendig, um Kohlenhydrate – also Zucker, Kartoffeln, Brot und so weiter – in unserem Körper zu verarbeiten. Fehlt Insulin, steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Genuss von Kohlenhydraten ins Unermessliche an.
Seit einigen Jahrzehnten interessiert sich die medizinische Wissenschaft für die Frage, was uns dick macht. Anfangs glaubte man, diese komplizierte Frage einfach beantworten zu können: mehr Fett = mehr Kalorien = mehr Gewicht. Heute weiß man, dass diese einfache, monokausale Gleichung nicht stimmt. Es sind die Kohlenhydrate, die uns dick machen, vor allem der Zucker.
Die Erklärung liefert unser Stoffwechsel, die sogenannte Biochemie: Man kann sich den Stoffwechsel wie mehrere ineinander greifende Zahnräder vorstellen. Darüber ein Trichter, in den die Nahrung eingefüllt wird. Von dort aus fällt sie in das erste Zahnrad und dann, einmal unten angekommen, in das nächste. Kohlenhydrate durchlaufen in aller Regel drei Zahnräder, die sich in ihren Fachbegriffen Glycolyse, Citratzyklus und Fettsäurebiosynthese nennen. Als Produkt entstehen am Ende Fettsäuren, aus denen Körperfett wird.
Das Funktionieren und die Geschwindigkeit der Zahnräder werden durch Hormone gesteuert. Das sogenannte Schlüsselhormon für die drei genannten Zahnräder ist wieder unser Insulin, das, wie Sie bereits wissen, immer dann ausgeschüttet wird, wenn wir Kohlenhydrate essen. Insulin steuert also die Herstellung von Körperfett aus Kohlenhydraten.
Aus der Sicht unseres Stoffwechsels ist Abnehmen – das Verbrennen von Fett – ganz einfach: Das letzte Zahnrad, die Herstellung von Fett, muss sich in entgegengesetzter Richtung drehen, dann erreichen wir den Abbau von (Körper-)Fett. Und unser Körper kann das, er kann genau dieses Rädchen in die gewünschte Richtung drehen lassen und so Fett abbauen. Jedoch gibt es ein Hormon, das diesen Prozess, die sogenannte Lipolyse, blockiert. Sie ahnen schon, welches Hormon das ist, nämlich Insulin. Aus diesem Grund wird Insulin von vielen Experten heute als Dickmacherhormon bezeichnet.
Theoretisch kann unser Körper, wieder aus Sicht der Biochemie, ganz ohne Kohlenhydrate auskommen. Sogar unser Gehirn ist nicht auf die Energie aus Kohlenhydraten angewiesen. Am Ende der Fettspaltung (Lipolyse) werden sogenannte Ketonkörper gebildet, die unser Körper als Energieträger für unser Gehirn verwenden kann.
Insulin ist also gut und schlecht zugleich. Es ist lebensnotwendig. Will man aber Gewicht verlieren, ist es gut zu wissen, wie man es austricksen kann.
