Vor über 400 Jahren beschrieb ein französischer Arzt den epidemieartigen Ausbruch einer schweren Hustenerkrankung in Paris, den Keuchhusten (Pertussis). Der Name kommt vom keuchenden Luftholen zwischen den Hustenstößen.

Keuchhusten verläuft typischerweise in drei Stadien. Er beginnt mit einem ein- bis zweiwöchigen ersten Stadium mit Schnupfen und Husten. Dann folgt das charakteristische zweite Stadium mit anfallsweise auftretenden Hustenstößen in Serie. Die oft nächtlichen Hustenattacken gehen typischerweise mit Hervorwürgen von zähem Schleim und Erbrechen einher. Dieses Stadium dauert vier bis sechs Wochen. Im dritten Stadium klingen die Hustenanfälle allmählich ab. Der typische Keuchhusten dauert sechs bis zwölf Wochen. Keuchhusten tritt ganzjährig auf.

Keuchhusten kann gerade bei jungen Säuglingen dramatisch verlaufen. Bei ihnen treten nicht selten schwere, lebensbedrohliche Atempausen auf, anfangs häufig ohne die typischen Hustenanfälle. Bei Säuglingen unter sechs Monaten kann es außerdem zu epileptischen Anfällen und Gehirnerkrankungen kommen.

Keuchhusten wird durch kleine Stäbchenbakterien, Bordetellen, verursacht. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion mit einer Ansteckungsrate bis zu 90 Prozent. Ansteckend ist man mit Erkrankungsbeginn bis etwa drei Wochen nach Beginn des zweiten Stadiums. Durch eine frühzeitige antibiotische Behandlung bis zu drei Wochen nach Hustenbeginn kann der Krankheitsverlauf verkürzt und abgeschwächt werden.

Die Schutzimpfung gegen Keuchhusten gehört zu den öffentlich empfohlenen Impfungen für alle Altersgruppen in Deutschland. Im ersten Lebensjahr werden drei Injektionen im Alter von zwei, drei und vier Monaten in Kombinationsimpfstoffen verabreicht. Auffrischimpfungen werden im Alter von elf bis 14 Monaten, fünf bis sechs Jahren und neun bis 17 Jahren empfohlen. Die Impfung ist mit den seit über 20 Jahren verwandten azellulären Impfstoffen gut verträglich.

Dennoch nimmt die Häufigkeit der Keuchhustenerkrankungen in Deutschland wieder zu. Etwa 15 000 Erkrankungen pro Jahr werden registriert, davon etwa 400 Säuglinge im ersten Lebensjahr. Es wird eine Zunahme der Erkrankungen und Komplikationen bei ungeimpften Säuglingen beobachtet. Ein hoher Anteil aller Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle betreffen junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten. Auch in der Oldenburger Kinderklinik werden jedes Jahr Säuglinge mit Keuchhusten stationär behandelt.

Die steigenden Erkrankungszahlen weisen auf einen nachlassenden Impfschutz hin. Die Impfquoten für die empfohlene Auffrischimpfung im Jugendalter sind weiterhin unzureichend. Für alle Erwachsenen empfiehlt die Ständige Impfkommission, die nächste fällige Tetanus-Diphtherie-Impfung einmalig in Kombination mit einem Keuchhusten-Impfstoff zu verabreichen. Auch diese Empfehlung wird bislang unzureichend umgesetzt.

Fazit: Erwachsene impfen und so zusätzlich Säuglinge schützen.