Oldenburg - In den ersten zwei Lebensjahren wächst das menschliche Gehirn am schnellsten, parallel dazu entwickelt sich der Mensch am schnellsten. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Stillen, auch ergänzend zur Säuglingsnahrung, die Darmflora eines Säuglings so verändert, dass es sich positiv auf die Gehirnentwicklung auswirkt.
Eine am 13. Dezember 2023 veröffentlichte US-amerikanische Studie untersuchte in Stuhlproben von 112 Säuglingen im Alter von ein bis sechs Monaten das Metabolom, also die Gesamtheit der Stoffwechselbestandteile (Metaboliten). Metaboliten sind kleine Moleküle, die zum Beispiel von Darmbakterien als Nebenprodukt der Nahrungsverstoffwechselung produziert werden. Es werden tausende verschiedener Metabolite im Stuhl gefunden. Sie können in den Blutkreislauf gelangen und zum Gehirn und anderen Organen transportiert werden. Die 112 Säuglinge waren für unterschiedlich lange Zeiträume gestillt oder nur mit Säuglingsnahrung ernährt worden. Im Alter von zwei Jahren wurde die motorische, sprachliche und geistige Entwicklung aller Kinder getestet.
Die Studie ergab, dass das Metabolitenmuster in Stuhlproben von Säuglingen in verschiedenen Ernährungsgruppen sich deutlich unterscheidet. Im Alter von einem Monat waren zum Beispiel 17 bestimmte Metaboliten umso häufiger anzutreffen, je mehr ein Baby gestillt wurde. 40 andere waren häufiger, je mehr ein Baby mit Säuglingsnahrung gefüttert wurde. Bei genauerer Betrachtung spezifischer Metaboliten identifizierten die Forscher 14 Metabolite, die auch mit Unterschieden in den Testergebnissen im Alter von zwei Jahren assoziiert waren.
Je mehr Metaboliten, die mit der Muttermilch in Zusammenhang stehen, ein Baby im Stuhl hatte, desto besser schnitt es später bei den Testungen der geistigen Entwicklung im Alter von zwei Jahren ab. Ein besonders nützlicher Metabolit war Cholesterin: Je mehr ein Baby im Alter von einem Monat und sechs Monaten gestillt wurde, desto mehr Cholesterin hatte es im Stuhl und desto besser schnitten die Kinder mit zwei Jahren in den Testungen ihrer geistigen Entwicklung ab. Cholesterin ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Bildung von Nervenzell-Bestandteilen.
Auch kleine Mengen Muttermilch, die neben einer kommerziellen Säuglingsnahrung gegeben werden, können sich positiv auf die spätere Entwicklung auswirken. Andererseits zeigt ein Kind, das nicht gestillt wurde, nicht deshalb später Entwicklungsdefizite. Frühe Ernährungsgewohnheiten sind nur einer von vielen Faktoren, die zur Gehirnentwicklung beitragen. Hersteller von Säuglingsnahrung sollten der Fertignahrung noch stärker als bisher Muttermilch-spezifische Metabolite zufügen, um eine gesunde Gehirnentwicklung zu fördern.
Gerade bei Schwierigkeiten zu Stillen, sollte eine Mutter darin unterstützt werden, das Baby mit so viel Muttermilch wie möglich zu ernähren. Bedenklich ist, dass in Deutschland die Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit und das Wissen über den positiven Effekt des Stillens für die Gesundheit von Kindern sinken. Mehr Informationen unter: https://www.kinderaerzte-im-netz.de
