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Palliativmedizin Lebensqualität im Vordergrund

Klaus Hilkmann

Oldenburg - Eine palliative Behandlung ist auf Patienten mit einer schweren fortschreitenden Erkrankung fokussiert, bei denen alle Therapiemöglichkeiten ausgereizt sind und die nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben. Bei der Pflege und der medizinischen Betreuung dieser Patientengruppe steht der Erhalt einer möglichst hohen Lebensqualität im Vordergrund. Konkret ist vor allem die Linderung der mit der Erkrankung verbundenen Symptome wichtig, berichtet Dr. Norbert Kaiser, Facharzt für Allgemeinmedizin in Oldenburg, der seit mehr als 15 Jahren Palliativpatienten betreut: „Viele Betroffene leiden immer wieder unter Übelkeit, Erbrechen, Luftnot, Angst und großen Schmerzen. Dazu kommen häufig Müdigkeit und Schwäche sowie psychische Probleme bis hin zu Panikattacken und Depressionen. Wir versuchen, die Menschen so gut es geht von diesen Beschwerden zu befreien.“ Nicht zuletzt gehöre zur Palliativversorgung auch, dass man dem Betroffenen ein würdevolles Sterben ermöglicht.

Den Schmerz lindern

Hausbesuche bzw. regelmäßige Behandlungstermine im Hospiz gehören für Palliativmediziner zum normalen Alltag, weil viele Patienten nicht mehr in der Lage sind eine Arztpraxis aufzusuchen. Elementare Behandlungsbausteine sind für Dr. Kaiser neben Symptom lindernden Medikamenten auch Elemente aus der alternativen Medizin wie zum Beispiel Akupunktur, Waschungen, Massagen oder Entspannungsübungen. Sehr wichtig sei zudem, dass man sich genügend Zeit nimmt. „Gerade diese Patienten müssen das Gefühl haben, dass sie nicht allein sind.“ Nicht selten erfordere der gesundheitliche Zustand eines Schwerstkranken eine tägliche ärztliche Behandlung. Aus zeitlichen Gründen sei der Hausarzt damit allein mitunter genauso überfordert wie Pflegekräfte und/oder pflegende Angehörige. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn zu der eigentlichen Erkrankung neurologisch-psychische Probleme kommen. Dann gehe es oft nicht mehr ohne ein Palliativ-Care-Team, das speziell für diese Fälle ausgebildet ist – am besten unter Mitwirkung des Hausarztes. Diese Betreuungsform wird als spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) bezeichnet.

Die meisten Palliativpatienten leiden unter einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung ohne Aussicht auf Besserung. Um den Erhalt der Lebensqualität bei der pflegerischen und medizinischen Versorgung sicherstellen zu können, sollte der Patient mit seinen Bedürfnissen und Wünschen bei der Therapiegestaltung von Anfang an so weit wie möglich eingebunden werden. Allerdings müsse in jedem Einzelfall genau abgewogen werden, was aus medizinischer Sicht sinnvoll und vertretbar ist. So sollte es nicht dazu kommen, dass ein mit Opiaten gegen starke Schmerzen oder akute Luftnot versorgter Patient in Folge der scherzlindernden und beruhigenden Wirkung des eingesetzten Medikaments zu sehr in seiner Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt ist.

Intensive Aufklärung

Entsprechende Fälle seien in der palliativen Versorgung gar nicht so selten, betont Dr. Kaiser: „Als Ärzte müssen wir immer die Qualität des Lebens in der Vordergrund stellen. Mitunter bewegen wir uns hier auf einem schmalen Grad.“ Bei der Palliativbehandlung sei deshalb stets eine intensive und aktuelle Aufklärung der Betroffenen und ihrer Angehörigen über alle Therapiebestandteile erforderlich.

Die ärztliche Behandlung reicht allein nicht für eine optimale Versorgung von Palliativpatienten aus. Das heute als bestmögliche Betreuungsform empfohlene, ganzheitliche Palliativ-Care-Konzept ist von Teamarbeit gekennzeichnet. Die Ärzte arbeiten dabei mit ebenfalls speziell geschultem Pflegepersonal, Psychologen, Physiotherapeuten, Seelsorgern und natürlich auch den pflegenden Angehörigen zusammen. Dazu kommen ehren- und hauptamtliche Hospizmitarbeiter. Die Aufnahme in ein Hospiz sei immer dann empfehlenswert, wenn die Versorgung im häuslichen Umfeld nicht mehr möglich ist, so Dr. Kaiser: „Oft sind die pflegenden Angehörigen überfordert, jeden Tag mit vollem Einsatz für einen sehr schwer kranken Menschen da sein zu müssen.“

Der gesundheitliche Zustand eines Palliativpatienten kann sich mitunter in kurzer Zeit so verschlechtern, dass eine kontinuierliche Betreuung durch speziell geschultes Pflegepersonal nötig ist. Ein stationäres Hospiz kann diese Anforderungen rund um die Uhr erfüllen. Ein ambulanter Hospizdienst kann in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und Pflegediensten in vielen Fällen helfen, dass der Patient wie gewünscht möglichst lange in seinem gewohnten häuslichen Umfeld verbleiben kann. Andererseits würden viele Menschen schnell erkennen, dass ihnen der Wechsel in ein Hospiz gut tut, berichtet Dr. Norbert Kaiser: „Dort können die Patienten ebenfalls sicher sein, dass sie sehr fürsorglich begleitet werden.“

Mit der Palliativmedizin hat sich Dr. Kaiser schon während seiner internistischen Ausbildung intensiv befasst. Dort hatte er auch in hämatologischen und onkologischen Abteilungen mit schwer kranken Krebspatienten gearbeitet. In Oldenburg hat Dr. Kaiser die Praxis einer Ärztin übernommen, die seinerzeit bereits Patienten im Hospiz betreut hatte.

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