Prof. Dr. Michael Karaus (Bild) ist Chefarzt der Abteilung Innere Medizin im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende.

Warum ist Rauchen ein Risikofaktor für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung?

KarausEs ist seit vielen Jahren bekannt, dass Rauchen den klinischen Verlauf von Morbus Crohn-Patienten negativ beeinflusst. Bei Rauchern treten häufiger Krankheitsschübe auf, und diese lassen sich schlechter behandeln. Für Colitis ulcerosa-Patienten konnte dieser Zusammenhang nicht nachgewiesen werden. Die Unterschiede sind schwer zu erklären. Daher ist über den Mechanismus, wie das Rauchen den Morbus Crohn beeinflusst, keine sichere Aussage möglich.

Kann man sich mit dem Ernährungsverhalten vor einer CED schützen?

KarausNein. Die Ernährung kann aber helfen, Symptome zu lindern, da Nahrungsunverträglichkeiten vermehrt bei CED-Patienten auftreten, was bei der Kost berücksichtigt werden sollte. Bei einem akuten Schub ist eine leichte ballaststoffarme Kost indiziert. In beschwerdefreien Zeiten sollte man sich möglichst ausgewogen ernähren, wobei es keine Verbote gibt.

Sind neue Behandlungsmöglichkeiten in der wissenschaftlichen Pipeline?

KarausEs gibt viele neue Substanzen in der Erforschung, die Mut machen, dass die Darmentzündung bei einer CED noch besser eingedämmt werden kann. Das sind insbesondere die sogenannten Biologica, die schon in den vergangenen zehn Jahren die Therapiemöglichkeiten enorm erweitert haben. Zudem gibt es hoffnungsvolle Ergebnisse, dass über die Beeinflussung der Darmflora vor allem die Colitis ulcerosa gebessert werden kann.