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Lesertelefon Lebensqualität bei fortgeschrittenem Parkinson

Nachlassende Wirkung der Medikamente

Warum wirken die Medikamente mit der Zeit nicht mehr so gut?

Prof. Dr. med. Candan Depboylu: Es scheint zwar, als ob die Wirkung der Medikamente nachlässt – in Wirklichkeit ist es aber die Krankheit, die fortschreitet. Der Dopaminmangel macht sich mehr und mehr bemerkbar. Wenn Symptome trotz fortlaufender Therapie stärker werden, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt eine Anpassung der Medikation erwogen werden. Keinesfalls sollte man diese ohne Rücksprache mit dem Arzt ändern, da es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann.

Die Dauer, in der L-Dopa bei mir gut wirkt, wird immer kürzer…

Prof. Depboylu: Das Zeitfenster, in dem Medikamente wie L-Dopa gut wirken, wird mit Fortschreiten der Erkrankung kleiner, so dass Alternativen erwogen werden müssen. Ziel ist dabei ein möglichst konstanter Wirkstoffspiegel im Blut. Dazu eignen sich Tabletten mit verzögerter Wirkstoffabgabe oder Pflaster, die den Wirkstoff über die Haut abgeben. Je nach Symptomatik kommen auch zwei Verfahren mit einer Medikamentenpumpe in Betracht. Für einige Patienten kann die Tiefe Hirnstimulation in Frage kommen.

Pumpentherapie

Wie unterscheiden sich die beiden Arten der Pumpentherapie?

Prof. Dr. med. Rüdiger Hilker-Roggendorf: Bei der Apomorphinpumpe wird ein sogenannter Dopaminagonist unter die Haut infundiert, während die Levodopa-Pumpe den Wirkstoff Levodopa über eine Bauchdeckensonde in den Dünndarm bringt. Levodopa gilt allgemein als das wirksamste Parkinson-Medikament. Beide Therapien wirken nach Transport über den Blutkreislauf in das Gehirn an den sogenannten Dopamin-Rezeptoren. Durch die gleichmäßige Freisetzung der Wirkstoffe im Körper kann bei vielen Patienten eine kontinuierliche Wirkung auf die Parkinson-Symptome erzielt werden. So lassen sich insbesondere die nach oraler Tabletten-Einnahme zu beobachtenden Wirkschwankungen und Überbewegungen bessern.

Was spricht für eine Apomorphin-Pumpe?

Prof. Hilker-Roggendorf: Die Apomorphin-Pumpe kann ohne größere Vorbereitungen und ohne die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs beginnen und getestet werden. Sie ist in der Regel etwas leichter zu bedienen und zu tragen. Zudem ist das Pumpensystem technisch weniger störanfällig.

Und wann ist die L-Dopa-Pumpe eine mögliche Wahl?

Prof. Hilker-Roggendorf: Die L-Dopa-Pumpe ist sehr wirksam und allgemein hinsichtlich des Wirkstoffs gut verträglich. Sie kommt vor allem bei älteren Patienten mit schweren Wirkschwankungen der Parkinson-Tabletten als Option in Betracht. Voraussetzung ist eine gute pflegerische Betreuung und Unterstützung.

Wie ist die Handhabung der Pumpentherapien im Alltag?

Prof. Hilker-Roggendorf: Für beide Formen der Therapie gilt: Ein intaktes soziales Umfeld des Patienten mit entsprechender Unterstützung ist für den langfristigen Therapieerfolg mit entscheidend. Bei entsprechender Hilfe, auch durch ambulante Spezialsprechstunden in erfahrenen Kliniken, können Patienten und Angehörige mit den Pumpentherapien in der Regel gut zurechtkommen.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Wie funktioniert die THS?

Prof. Dr. med. Michael Barbe: Bei der Tiefen Hirnstimulation werden zwei Elektroden in das Gehirn von Patienten eingesetzt. Die Elektroden sind über Kabel, die unter der Haut liegen, mit einer Batterie verbunden, die im Brustbereich ebenfalls unter der Haut eingesetzt wird. An der Spitze der Elektroden wird dann elektrischer Strom abgegeben, der sich positiv auf die Beschwerden der Patienten auswirkt.

Für welche Patienten kommt eine THS in Frage?

Prof. Barbe: Die Patienten sollten gut auf L-Dopa ansprechen und es sollten keine psychiatrischen Probleme oder eine Demenz vorliegen. Ganz wichtig sind auch die Erwartungen der Patienten vor der Operation: Nur wenn diese realistisch erfüllt werden können, ist den Patienten nach der Operation auch wirklich geholfen. Operiert werden können Patienten mit Zittern sowie mit Wirkschwankungen, wenn diese durch Medikamente nicht gut zu beherrschen sind. Patienten sollten sich frühzeitig an einem THS-Zentrum vorstellen, um sich dort auch hinsichtlich anderer Therapieoptionen beraten zu lassen.

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