LOHNE - Die „Pollen-Saison“ beginnt stets während der ersten sonnigen Tagen des Jahres, mit der dann beginnenden Blüte der Haselnuss und der Erle. Ab März treiben dann die nächsten Frühblüher wie etwa Ulmen, Pappeln und Eschen aus. Die Hauptsaison – und damit die Hauptleidenszeit für Pollenallergiker – beginnt im April, wenn Birken ihren Blütenstaub in besonders großer Zahl verströmen. Im weiteren Jahresverlauf sind u. a. Weiden, Rotbuchen, Roggen und Gräser sowie am Ende der Saison im Oktober zudem Wegerich, Brennnesseln, und Beifuß aktive Pollenverbreiter.

Abwehrreaktion möglich

Die Pollenallergie kann ausgelöst werden, wenn Blütenpollen mit den Schleimhäuten in der Nase oder an den Augen in Kontakt kommen. „Ursache ist eine negative Reaktion des Organismus auf bestimmte Bestandteile der Pollen“, betont der Allergologe und Arzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Dr. Georg Prochaska aus Lohne. Je nach Aktivität des Immunsystems könne es zu Abwehrreaktionen kommen, die zu typischen Allergikersymptomen wie Augenjucken- und tränen, Niesen und Schnupfen, Hautreizungen, Migräne, Atemnoterscheinungen sowie Schlafstörungen führen können. In besonders schwerwiegenden Fällen leiden Betroffene unter asthmatischen Anfällen, die mitunter lebensbedrohlich sind.

Um die pollengeplagten Patienten zunächst von ihrem Leidensdruck zu befreien, leitet der Arzt in der Regel zunächst eine Akutversorgung mit Medikamenten wie Antihistaminika oder Kortisonpräparaten ein, die kurzfristig für eine deutliche Besserung der zum Teil äußerst unangenehmen Symptome sorgen könnten. Von der Allergie befreit werde der Betroffene dadurch aber nicht, erklärt Dr. Prochaska: „Eine dauerhafte Lösung ist nur durch eine Hyposensibilisierung möglich.“

Erfolgsquote von 80 Prozent

Bei dieser Anti-Allergie-Therapie bekomme der Patient in regelmäßigen Abständen – zumeist einmal wöchentlich – eine kontinuierlich gesteigerte Menge genau der Pollen unter die Haut gespritzt, auf die er allergisch reagiere. Der positive Effekt sei in den meisten Fällen, dass der Körper gegen diese Pollen immunisiert werde. Erste deutliche Verbesserungen würden sich oft schon nach 15 bis 20 Wochen einstellen. Die Therapie dauere insgesamt – je nach Art und Stärke der Pollenallergie – zwischen ein und drei Jahren, berichtet Dr. Prochaska: „Wenn die Behandlung positiv anschlägt, ist das Problem am Ende mitunter dauerhaft gelöst. Die meisten Patienten können dank der Hyposensibilisierung von ihrer Pollenallergie geheilt werden oder sind zumindest für eine lange Zeit von den Symptomen befreit.“

Die Behandlung beginne stets mit einem ausführlichen Patientengespräch, bei dem u. a. geklärt werde, welche Symptome sich zu welcher Tages- und Jahreszeit einstellen. Da jeder Mensch anders auf die in der Luft zirkulierenden Blütenstäube reagiere, müsse anschließend abgeklärt werden, wodurch die Allergie ausgelöst werde. Neben Pollen kämen dafür u. a. auch Tierhaare, Hausstaub, Milben oder Schimmelpilz in Frage.

Haut wird angeritzt

Auf die Spur komme man den Auslösern mit dem sogenannten Pricktest. Dabei wird die Haut zunächst Punkt für Punkt mit klitzekleinen Nadeln angeritzt. In die unblutigen Wunden werden anschließend die knapp zwei Dutzend am weitesten verbreiteten Allergieerreger eingeträufelt. Jeder Punkt wird per Filzstift mit einer Nummer versehen, die wiederum für einen bestimmten Erreger steht. Die – zum Teil heftige – Reaktion des Körpers zeigt sich mitunter schon nach zwei bis drei Minuten, so Dr. Prochaska: „Wenn der Punkt plötzlich tiefrot wird und die Stelle zu jucken beginnt, ist klar, dass der Betroffene auf den dort platzierten Erreger allergisch reagiert.“

Um ganz sicher gehen zu können, müsse der Allergietest bei einem zweiten Arztbesuch wiederholt werden. Da der Patient meistens gegen mehrere Stoffe allergisch sei und auch die Ausprägung sehr unterschiedlich sein könne, müsse der für die spätere Hyposensibilisierung verwendete Wirkstoff für jeden einzelnen Patienten individuell austariert werden. Die jeweilige Zusammensetzung werde vom behandelten Arzt an ein Labor weitergegeben, das dann genau die gewünschte Mischung zusammenstelle. Einen Standard-Wirkstoff für alle gebe es nicht, betont Dr. Prochaska: „Jeder Allergie-Fall ist anders und muss mit einem individuellen Wirkstoff behandelt werden.“