Dr. Anette Siedler (Bild) ist Stellvertretende Leiterin der Abteilung für Infektionsepidemiologie/Impfprävention im Robert-Koch-Institut in Berlin.
Wie ist es mit Impf-Risiken bei sehr alten oder kranken Menschen?
Siedler Einschränkungen gibt es bei immungeschwächten Menschen und Schwangeren. Sie dürfen nicht mit sogenannten Lebend-Impfstoffen geimpft werden, bei denen der Erreger abgeschwächt, aber nicht inaktiviert ist. Ansonsten besteht bei sehr alten oder kranken Menschen eher das Problem, dass die Impfwirkung nicht so gut ist wie bei jüngeren und gesunden Menschen. Dagegen ist jedoch abzuwägen, dass sie unter der Erkrankung in der Regel schwerer leiden würden. Schon deshalb würden sie von einer Impfung profitieren.
Kann eine Impfung zu viel auch schaden?
Siedler Man kann nicht zu viel impfen. Lediglich bei Personen, die auf Grund von Verletzungen einen Arzt konsultieren und von diesem wegen einer nicht vorhandenen Impfdokumentation in kurzen Abständen wiederholt gegen Tetanus geimpft werden, könnte es zu verstärkten Lokalreaktionen kommen. Bei der Überprüfung des Impfschutzes hilft ein Blick in den Impfpass weiter. Am besten spricht man den Arzt darauf an, ob der persönliche Impfschutz noch aktuell ist – auch wenn man den Impfpass nicht mehr findet.
Werden Impfungen etwa bei Fernreisen von den Krankenkassen bezahlt?
SiedlerSolche Impfungen werden von einigen Krankenkassen übernommen. Man kann sich hier bei seiner Kasse erkundigen. Bei Reisen können auch weitere Schutzmaßnahmen wichtig sein. Man sollte daher eine gründliche reisemedizinische Beratung einholen.
