Marl/Hamburg - Eine Lungenentzündung als Folge von Covid-19 kann sich auch schleichend entwickeln. Nur wie macht sich das bemerkbar? Ob hier ein Pulsoxymeter hilft, dazu haben Experten verschiedene Ansichten.

Zur Überwachung ihres Gesundheitszustands bei einer Corona-Infektion schaffen sich manche ein Pulsoxymeter an. Das Gerät misst die Sauerstoffsättigung im Blut. Der Hintergedanke: Sinkt der Wert, könnte das etwa auf eine sich noch unbemerkt entwickelnde Lungenentzündung hindeuten.

Doch die Meinungen zur Sinnhaftigkeit der Pulsoxymeter gehen auseinander. Der Pneumologe Jens Geiseler sieht die Geräte für den Heimgebrauch, die es etwa in Apotheken gibt, kritisch. Sie seien oft zu ungenau, gerade in den niedrigen Sättigungsbereichen. Außerdem könne die heimische Messung durch einige Faktoren – etwa die Armhaltung oder den Zustand der Gefäße – verzerrt werden.

Noch wichtiger aber: Die Sauerstoffsättigung allein sei kein verlässliches Symptom für ein frühzeitiges Erkennen eines schweren Covid-19-Verlaufs, sagt der Experte. So könne eine schnellere Atmung die Sättigung hochtreiben, obwohl die Lunge bereits nicht mehr wie gewohnt arbeitet. Geiseler riet darum schon vor gut einem Jahr, lieber die Atemfrequenz im Blick zu haben.

Dennoch, es gibt auch bei Omikron schwere Verläufe, die eine Krankenhausbehandlung nötig machen. Inwiefern kann die Atemfrequenz ein Hinweis auf eine mögliche Lungenentzündung sein?

Normalerweise atme man 12 bis 16 Mal pro Minute, erklärte Geiseler. „Die Patienten, die in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung zu uns kommen, haben häufig eine Atemfrequenz von 22 bis 24 Zügen pro Minute, aber keine Luftnot“, sagte er. Mit Röntgenbildern der Lunge und Blutgas-Messungen lässt sich das Risiko einschätzen.

Auch Allgemeinmediziner Martin Scherer sieht die Überwachung der Sauerstoffsättigung durch Pulsoxymeter im Heimgebrauch kritisch. Es gebe keine eindeutigen Grenzwerte, sagt er. „Es kann sein, man wiegt sich in falscher Sicherheit, oder man wird panisch, obwohl alles in Ordnung ist“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.

Einen Vorteil der Geräte sieht er in ihrer Pulsmessfunktion. Ein stark erhöhter Ruhepuls sei ein Hinweis darauf, dass ein Mensch womöglich kränker ist, als der es selbst wahrnimmt.