Von Klaus Hilkmann
Frage: Wird die Genforschung noch wichtiger für die Krebsdiagnostik?
Schlegelberger: Ja, mit Sicherheit. Die Ergebnisse der Genforschung ermöglichen uns, genetische Veränderungen in Krebszellen aufzuspüren. Die Forschungsergebnisse sind schon heute für die Diagnostik, die Vorhersage der Prognose und die Therapieplanung wichtig und werden in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Wie gut das bereits funktioniert, sieht man beispielsweise an der chronischen myeloischen Leukämie (CML). Bei dieser Krebsart weisen wir eine bestimmte genetische Veränderung, das Philadelphia-Chromosom, nach und sichern damit die Diagnose ab. Dank der Genetik können wir immer mehr Medikamente entwickeln, die zielgerichtet gegen schädliche Veränderungen eingesetzt werden können.
Frage: War das schon vor 15 oder 20 Jahren möglich?
schlegelberger: Nein. Die dank des Fortschritts in der Genforschung entwickelte neue Medikamentengeneration steht uns in der Krebstherapie erst seit etwa zehn Jahren zur Verfügung. Bei der CML ist die Wirkung dieser Medikamente derart gut, dass die Patienten mit dieser Erkrankung mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent mindestens zehn Jahre überleben.
Frage: Wie geht es mit der Zellforschung weiter?
Schlegelberger: Die Entwicklung ist rasant. Ich bin überzeugt, dass es innerhalb der nächsten Jahre möglich sein wird, Krebszellen komplett untersuchen zu können. Damit haben wir einen ganz anderen Angriffspunkt gegen den Krebs. In der Genforschung wurde – um ein Bild aus der Automobilentwicklung zu verwenden – bis heute Käfer-Standard erreicht. Den Porsche haben wir zwar noch nicht entwickelt, aber schon im Blick.
Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger (Bild) ist Direktorin des Instituts für Zell- und Molekularpathologie der Medizinischen Hochschule in Hannover.
