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Krebs-Behandlung Mit gutem Essen gesund werden

Klaus Hilkmann

Oldenburg - Eine Krebserkrankung kann mit einem deutlichen Gewichtsverlust einhergehen oder auch zu Problemen bei der Aufnahme und Verwertung der Nahrung führen. So kann es zum Beispiel bei HNO-Tumoren zu Kau- und Schluckbeschwerden oder bei Tumoren im Magen-Darmtrakt zu Schmerzen und Verdauungsproblemen nach der Nahrungsaufnahme kommen. Auch während einer Krebsbehandlung können sich je nach Art der Erkrankung und Therapie vorübergehend Probleme beim Essen und Trinken einstellen.

Vor allem im Zuge einer Chemotherapie klagen viele Patienten über Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Appetitlosigkeit. Zudem kommt es vor, dass der Patient plötzlich eine Aversion oder Unverträglichkeit gegen Lebensmittel entwickelt, die er zuvor gern und problemlos gegessen hatte. Diese Beschwerden verschwinden nach Abschluss der Therapie meistens wieder. Nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung müssen nur wenige Betroffene ihr Essverhalten dauerhaft umstellen, betont der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Lebensqualität erhalten

Während und nach der Behandlung sollten Krebspatienten auch mit Blick auf die Lebensqualität vor allem auf ausgewogene, gesunde und schmackhafte Mahlzeiten achten. Das gilt um so mehr, weil ihr Organismus im Zuge der Erkrankung und der Therapie oft geschwächt ist. So haben viele Betroffene während der Krebserkrankung stark an Gewicht verloren, was sich zusätzlich negativ auf den Gesundheitszustand auswirken kann.

Wie schnell die Patienten nach einer belastenden Therapie wieder zu Kräften kommen, hängt auch davon ab, wie gut der körperliche Substanzverlust mittels einer ausreichenden und regelmäßigen Nahrungszufuhr ausgeglichen werden kann. „Auch deshalb ist eine qualifizierte Ernährungsberatung ein wichtiger Bestandteil der Krebstherapie“, so Prof. Dr. Frank Griesinger, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin – Onkologie im Pius-Hospital Oldenburg.

Krebspatienten werden im Pius-Hospital gleich zu Beginn der Behandlung nach ihren bevorzugten Speisen und Getränken befragt. Zudem können sie mitteilen, ob und wie sich ihr Essverhalten durch die Erkrankung verändert hat. Auf dieser Grundlage könne für jeden Tag des Klinikaufenthalts ein Speiseplan erstellt werden, der auf die individuellen Probleme und Vorlieben des Patienten abgestimmt ist. So muss man zum Beispiel berücksichtigen, dass sich der Geschmackssinn durch eine Chemotherapie stark verändern kann, berichtet Beate Reinert, Diätassistentin im Pius-Hospital: „Was vorher süß geschmeckt hat, wird von den Patienten plötzlich als unerträglich bitter oder sauer empfunden.“

Auch die Schädigung der Schleimhäute im Mundraum kann eine Nebenwirkung der mitunter hoch dosierten medikamentösen Tumorbekämpfung sein, was vor allem beim Trinken zu einem unangenehm brennenden Gefühl führen kann. Das Geschmacksempfinden könne sich während einer Chemotherapie jederzeit ändern, so dass in dieser Zeit eine tägliche Ernährungsberatung sinnvoll sei.

Kleine Portionen helfen

Nach einer Krebs-Operation können die Patienten mit kleinen Tricks an die gewohnte Ernährung herangeführt werden, erklärt Beate Reinert: „Beispielsweise können kleine, ansehnlich angerichtete Portionen dabei helfen, dass der Appetit wiederkommt.“ In der Gewöhnungszeit ist es zudem wichtig, auf eine säurearme, leicht aufnehmbare Ernährung zu achten – in den ersten Tagen nach dem Eingriff etwa mit Brühe oder pürierten Kartoffeln und Möhren.

Obst und Gemüse sollte zunächst in gekochter Form gegessen werden, weil so belastende Keime vernichtet, der Geschmack und die Vitamine aber erhalten bleiben. Als Getränk eignet sich nach einer Krebs-OP stilles Wasser ohne Kohlensäure. Entscheidend ist, dass der Patient eine ausreichende Kalorienmenge mit allen Nahrungsmittelbestandteilen zu sich nimmt, die der Körper benötigt.

Wenn nach der Krebstherapie die Körperfunktionen normal funktionieren, muss man in der Regel keine besonderen Einschränkungen bei der Ernährung hinnehmen, so Beate Reinert: „Jeder muss für sich selbst ausprobieren, was ihm gut schmeckt und bekommt.“

Von Krebsdiäten rät die Diätassistentin Beate Reinert ab, weil es meistens keinen wissenschaftlichen Nachweis für deren Nutzen gebe. Zudem könne sich der Verzicht auf bestimmte Stoffe zusätzlich belastend auf den geschwächten Organismus auswirken. Hilfreich für die Genesung und Prophylaxe sei vielmehr eine möglichst ausgewogene, hochwertige Ernährung mit Vitaminen und Ballaststoffen sowie auch Fett und Kohlenhydraten, so dass Körper und Geist fit und leistungsfähig werden.

Selbst ein Glas Wein oder Bier könne nach einer überstandenen Krebstherapie meistens nicht schaden, betont Prof. Dr. Frank Griesinger: „Beim Essen und Trinken kommt es vor allem auf das richtige Maß an.“

Während der Therapie ist es wichtig, dass der Patient sein Körpergewicht möglichst hält – es sei denn, er ist massiv übergewichtig. „Gerade bei einer Krebserkrankung sollte man sich nicht unnötig kasteien“, so Griesinger. Bei älteren Patienten spreche zum Beispiel im Prinzip nichts dagegen, dass sie auch ein Stück Sahnetorte essen.

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