Berlin - Bei der Trennkost ist der Name Programm: Strikte Trennung ist der Kern des Konzepts. Es wurde vom US-amerikanischen Mediziner William Howard Hay entwickelt. Er teilte Nahrungsmittel in eiweißbasierte, kohlenhy­dratbasierte und neutrale Speisen. Das oberste Gebot seines Konzeptes ist die Trennung von überwiegend kohlenhydrathaltigen und überwiegend eiweißhaltigen Lebensmitteln innerhalb einer Mahlzeit.

Morgens und abends stehen Kohlenhydrate und mittags Eiweiße auf dem Speiseplan. Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, die viele Proteine und Kohlenhydrate enthalten, strich Hay komplett vom Ernährungsplan. Zur neutralen Gruppe gehören sehr fetthaltige Nahrungsmittel wie Käse mit über 60 Prozent Fettanteil und wasserreiches Obst und Gemüse. Sie dürfen entweder mit Eiweißen oder mit Kohlenhydraten kombiniert werden. Beliebte Gerichte wie Schnitzel mit Pommes oder Spaghetti Bolognese sind nach Hay allerdings tabu.

Seine Aufteilung begründete er damit, dass der menschliche Körper Eiweiße und Kohlenhydrate zusammen nicht gut genug verdauen könne und schädliche Säuren entstünden, die Gärungsprozesse im Darm hervorriefen. Die Trennkost-Ernährung entgifte und entsäuere den Körper. Ihre positiven Stoffwechseleffekte sollen zudem eine heilende Wirkung haben.

Der Umkehrschluss, Mischkost begünstige Stoffwechselerkrankungen eher, ist aber nicht haltbar, erklärt Prof. Andreas Pfeiffer, Direktor der Endokrinologie der Charité Berlin. „Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs werden allen voran durch Übergewicht gefördert.“ Ob man Nahrungsmittel zusammen oder getrennt isst, sei dafür völlig egal.

„Ein ausgewogener Säure-Basen-Haushalt ist wichtig“, findet Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. „Für seine Steuerung ist allerdings keine Trennkost-Ernährung nötig.“ Der Körper sei dazu imstande, Störungen zu regulieren und den pH-Wert des Gewebes und Blutes stabil zu halten. „Falls es doch zu einer Übersäuerung kommt, hat das andere Gründe“, erklärt er. Das könne nach langem Fasten, bei hohem Alkoholkonsum oder Diabetes der Fall sein.

„Dass sich Kohlenhydrate und Eiweiße im Verdauungstrakt negativ beeinflussen, wurde wissenschaftlich längst widerlegt“, bemerkt Pfeiffer. „Das beste Beispiel dafür, dass unser Verdauungstrakt so ausgestattet ist, dass beide Stoffe gleichzeitig verdaut werden können, ist die Muttermilch“, fügt Diätassistentin Heike Dethardt vom Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband hinzu. Ihre Zusammensetzung aus Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten beweise, dass Mutter Natur bereits bei der ursprünglichsten Nahrung keine Trennung vorgesehen hat.

Den anhaltenden Erfolg des Trennkost-Konzepts spricht Dethardt seinem stringenten Leitfaden zu: „Besonders Menschen mit undiszipliniertem Essverhalten brauchen eine strukturierte Anleitung.“ Zudem definieren sich heutzutage viele Menschen über ihre Ernährung. Wer sich grundsätzlich kalorien- und fettbewusst ernährt, wenig Fleisch, dafür viel Obst und Gemüse zu sich nimmt, könne seinen gesundheitlichen Zustand auch ohne Trennkost positiv beeinflussen. Selbst ein Schnitzel mit Pommes sei ab und an erlaubt.

Das Trennkost-Konzept gibt vor, wann man welche Nahrungsmittel zu sich nimmt, die Menge werde aber außer Acht gelassen, kritisiert Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Entscheidend sei die Bilanz zwischen Kalorienaufnahme und -verbrauch.

Wer einmal am Tag eiweißreich isst, nimmt automatisch weniger gesättigte Fette zu sich. Der gleiche Abnehm-Effekt tritt auf, wenn man Kohlenhydrate und Proteine mischt, aber fettreduziert isst. Dies bestätigte der Schweizer Forscher Alain Golay der Universität Genf, der in einer Studie die Hay’sche Trennkost mit einer kalorienreduzierten Mischkost mit gleichem Energiegehalt verglich und keinen Vorteil in Sachen Gewichtsreduzierung feststellte.